Kategorie: Esperames Ecke

Die Gretchenfrage für Cats. Wie hältst du’s mit der Emanzipation?

Darf eine Frau kochen, backen, staubsaugen für ihren Mann? Oder läuft sie damit Gefahr, auf dem feministischen Scheiterhaufen verbrannt zu werden?

Tatsächlich eine Gratwanderung, die nicht etwa darin begründet liegt, dass es keinen Spaß machen würde, sich im Haus zu betätigen (okay, nicht jeder findet Erfüllung beim Abwaschen, aber auch sowas soll es geben). Was uns vielmehr aufregt ist die Erwartungshaltung, die immernoch an uns gestellt wird, und der wir mit Vorliebe nicht entsprechen.

Ich persönlich koche gern. Ich sorge gern für meine Lieben. Und ich empfinde es tatsächlich als sehr befriedigend, einen Mann bekochen zu können, für meine Freundinnen Kuchen zu backen und … hey, jede Frau, die ihrem Liebsten schonmal einen Apfel kleingeschnitten hat, weiß wie schön es sein kann, einem Klischee zu entsprechen.

Allerdings hasse ich es, wenn sowas von mir erwartet wird. Am besten noch mit dem Zusatz: Wieso, du bist doch eine Frau?

Ich hatte einmal einen Freund, der dachte tatsächlich, dass ich in seiner Abwesenheit seine Wohnung putzen würde. Sicher, ich war bei ihm zu Gast, und das für länger als nur ein Wochenende. Aber seit wann wird erwartet, dass Gäste den Feudel schwingen?
Ich habe nichts gegen Beteiligung im Haushalt. Mitunter macht es ja auch Spaß, dem arbeitenden Gastgeber etwas abzunehmen, ihm eine Freude zu machen, ihm den Alltag zu erleichtern. Aber doch bitte nicht als Verpflichtung!

In diesem Fall hat uns die Auseinandersetzung jedenfalls nicht einem gemeinsamen Haushalt näher gebracht. Und schlussendlich war ich eben auch nicht bereit, das zu tun, was bislang seine Mutter für ihren dreißigjährigen Sohn erledigte: Wäsche waschen, Bad putzen, einkaufen und kochen. Als Teil meiner weiblichen Rolle in seinem Leben.

Ein großer Teil unseres Games besteht darin, mit seiner Weiblichkeit im Reinen zu sein. Dazu gehört auch, Dinge, die als typisch Frau gelten, auszuführen – mal mit vollem Ernst, aus Freude an der Tätigkeit, mal mit ironischer Brechung, aus Freude am Klischee. Beides kann sehr schön sein und ermöglicht es dem männlichen Part, sich auch so zu verhalten: Wie ein Mann. Und genau das wollen wir doch auch.

Sicher. Ich kann eine Bohrmaschine benutzen, ich habe meine komplette Küche selbst zusammengebaut, und wenn ich Möbel bei Ikea kaufe, lasse ich sie einfach liefern, anstatt einen meiner männlichen Freunde zu bemühen – und zwar aus Höflichkeit gegenüber arbeitenden Menschen, die samstags sicher besseres zu tun haben als stundenlang mit mir in einer Möbelhauswarteschlange zu stehen, damit ich endlich ein neues Sofa bekomme.
Genauso gerne lasse ich mir solche Arbeiten aber auch abnehmen, wenn ich damit jemandem eine Freude machen kann. Ich bitte nicht darum – aber wenn es mir angeboten wird, sage ich nicht Nein. Und zwar, weil ich dem jeweiligen Mann das Vergnügen gönne, mir geholfen zu haben.

Es ist kein Fehler, etwas zu tun, wofür Alice Schwarzer einem den Hals umdrehen würde.
Denn Emazipation kommt von Innen, nicht von Außen. Wenn ich selbst mich nicht mehr über das definiere, was ich tue, sondern über das, was ich bin, kann ich auch innerhalb freiwillig und gern verrichteter „Frauenarbeit” gleichwertig und kompetent fühlen.

Es ist also alles wie immer: Wenn aus dem Muss ein Kann wird, wenn aus dem indirekten Befehl eine direkte Bitte wird, dann kommen wir der Sache ein ganzes Stück näher.

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5 Kommentare to “Alice im Wunderland. Emanzipation revisited.”

  1. cidrus hat kommentiert:

    Die ganze Kocherei/Haushalterei wird eh überbewertet. Ich ess ja schon jetzt fast nur auswärts, und das bei meinem marginalen Einkommen ;D
    Es gibt viel schönere Dinge, die man in der freien Zeit anstellen kann \o/
    Der Artikel ist ein gutes Plädoyer gegen die unreflektierte Übernahme von tradierten Rollenmustern 8-)

  2. cis hat kommentiert:

    Naja im Grunde hat sie schon recht. Mich würde es freuen wenn jemand für mich kocht und auch nix gegen das bügeln hat (ich hass das wie die Pest …. aber wer nicht :o ))
    Und Haushalt muss halt gemacht werden. Alleine das Wort muss ist das negative daran.
    Kochen zu zweit kann auch tierischen SPASS machen (essen auch). Und wenn man sagt: von dem Geld was wir hier sparen fliegen wir dann in den Urlaub, kann doch einiges negative in s positive kehren.
    Und wer nach jedem Bettsport ein Pizzadienst anrufen muss ….

  3. lexy hat kommentiert:

    also ich gehöre zu den frauen, die so situationen kennt: “sind sie die sekretärin vom projektleiter?” “nein, ich bin der projektleiter!” oder “wie kommt denn gerade ein frau darauf so einen beruf zu haben?” – und ich kann zu der liste noch einige mehr erlebte klischees packen.

    ich liebe es dennoch oder gerade deshalb einen menschen, den ich mag, zu verwöhnen. die wohnung extra sauber zu machen, aufzuräumen und zu putzen (ich hasse alles davon und wünsche mir eine putzhilfe für mindestens 3x pro woche), leckeres einzukaufen und stundenlang in der küche zu stehen um ein sensationelles essen zu zubereiten und freue mich dabei schon auf den genussvollen ausdruck im gesicht meines gastes. und ich glaube wir frauen haben das verwöhnen wollen, wohlfühlen bei einem mann (und allen anderen menschen, die wir mögen) auszulösen, eine entspannende atmosphäre zu schaffen, die zum verweilen einlädt usw. einfach in den genen. und mal ehrlich mädels – im sexy outfit die tür zu öffnen, eine exzellentes essen auf dem tisch in einer stilvollen atmosphäre macht doch einfach spass und keine von uns zerstört eine solche szene indem sie vergisst, die vorher wegrasierten haare aus der dusche zu entfernen (obwohl mir das schon passiert ist…). und ich finde es super, wenn männer gerne kochen (dann schmeckt es auch – thema genießen, bessere liebhaber sind es in der regel auch!)

    p.s. ein mann, der mit 30 noch mama den haushalt machen läßt würde ich den lieben rat geben, seinen abnabelungs- und emanzipationsprozess mal voran zu treiben. kann ja nicht sein, dass ein starker mann von einer frau hinsichtlich sauberer unterhosen abhängig ist, oder :-)

  4. Stefan hat kommentiert:

    Ein schöner Artikel. Ich bewundere Frauen, die den Sinn nicht verloren haben einen Mann mit einem schönen Abendessen in einem gemütlichen Ambiente zu verwöhnen. Sie verlieren nicht an Wert, wenn sie „Hausaufgaben“ übernehmen sondern gewinnen mir gegenüber Respekt wenn sie es ohne Vorbehalte tun. Während Frau es gerne als selbstlose Geste verkauft, darf Mann nicht den Fehler begehen und diesen Akt als eine völlig normale und selbstverständliche Prozedur ansehen. Viel mehr sollte er – wenn auch wohl dosiert– sie zu sich nehmen, ihr in die Augen schauen und sich dafür bedanken was sie für ihn tut. Hat Mann dann noch ein Ass im Ärmel in Form von Eintrittskarten des Musicals, von dem sie schon so lange spricht, wird diese Nacht ein furioses Fest.
    Ich bin ein Typ, der gerne sanft provoziert und mit gefühlten uralten Klischees spielt – ganz bewusst. Das Innere der Frau kehrt nie schneller nach außen als durch eine überhebliche Andeutung. Ihre Reaktion: Eine Möglichkeit sich für mich zu qualifizieren oder den Elfmeter der Weiblichkeit weit am Tor vorbeizuschießen. Das Kuriose daran ist, dass sich weniger selbstbewusst wahrnehmende Frauen, völlig unbeherrscht, wütend und zu letzt beleidigt reagieren, während selbstsichere Artgenossinnen mit nur einem Satz die Provokation aus der Luft nehmen: „Ich mache das gerne“. In diesem Moment wird sie zu meiner Prinzessin Peach und ich wäre nichts lieber als ihr Super Mario.

  5. doktorin hat kommentiert:

    Stefan – Deine Sprache ist ätzend und abturnend.

    Du spielst? Es kommt so rüber daß Du schlicht und einfach überheblich BIST. Das aber nicht auf eine coole, sexy sondern eine schmierige Art. Tests von Typen wie Dir ignoriere ich (wenn ich so blind war Dich in vier Wänden zu treffen, kommt aber eigentlich nicht mehr vor). Sei froh daß Dir manche Frauen noch auf den Leim gehen und ihre authentische Wut schenken.

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