Kategorie: Catcity, Inner Game - Catcity

… hate the Game.

Wir, die wir auf der Mädchenseite des Geschehens stehen, stellen immer wieder fest: es macht keinen Spaß, nicht gegamed zu werden.
Da lernt man einen ganz vielversprechenden Typen kennen, und dann benimmt er sich wie an Mutters Rockzipfel – ruft dreimal täglich an, antwortet noch auf SMS nachdem eigentlich alles gesagt ist, liest uns den sprichwörtlichen Wunsch von den Augen ab, und wenn wir rumzicken, folgt er sofort bei Fuß … und ist im schlimmsten Fall womöglich auch am nächsten Tag noch so geknickt, dass er unser „falsches” Verhalten mit einem übertrieben großen Blumenstrauß honoriert.

Wie aber sieht die Kehrseite aus?
Wir lernen diesen tollen Mann kennen, und hey – manchmal meldet er sich einfach nicht. In Diskussionen ist er immer der erste, der sich vom Acker macht, und dabei so vieles ungesagt lässt. Wenn wir uns durchsetzen wollen, schafft er es auf charmanteste Art und Weise, uns den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und hey was soll das: Wir ertappen uns dabei, wie wir uns führen lassen, und das ohne zu wissen, wohin. Werden wir dagegen mal zickig, dann ist er einfach weg und lässt uns schmollen.
Wie uns das wahnsinnig macht!
Wütend!
Aufgebracht!
Eine Ungerechtigkeit ist das!
Und zugleich unheimlich anziehend.

Machen wir uns nichts vor. Noch weniger Spaß, als nicht gegamed zu werden macht es, gegamed zu werden. Nur ist das Resultat eben befriedigender.

Wie der große, unvergleichliche Oscar Wilde es so treffend formulierte: The very essence of romance is uncertainty. Oder zu Deutsch: Das Wesen der Romantik ist die Ungewissheit.

Ungewissheit ist per se ein Mangel. Ein Mangel an Informationen („mag er mich?” „bedeute ich ihm was?” „was macht er gerade?” „wo ist er?” „sehe ich heute gut aus?”).
Und ein Mangel an Informationen (oder an Aufmerksamkeit) führt unweigerlich zu Anziehung.
Aus zwei Gründen.
Aufgrund der Mangelsituation kreisen unsere Gedanken permanent um IHN. Und nichts verankert unsere Zuneigung fester als ein ständiges Gedankenspiel um das Was-Wäre-Wenn.
Zugleich zementiert derjenige, der die Mangelsituation kreiert, auch seine „Vormachtstellung” – er ist der Entscheider, der Tonangebende, der, der die Fäden in der Hand hält. Ohne ihn geht nichts. Und deshalb … geht ohne ihn eben auch nichts.

Alle Techniken, für die PickUp so berüchtigt ist, weil sie einfach allzu gut funktionieren, gründen auf diesem Prinzip. Push&Pull, Freeze Out, Verzicht auf Textkommunikation, Nexten, FTOW, Pussydiagnosemodus abschalten … alle spielen damit, sich dem Gegenüber zu entziehen, und so eine stärkere Anziehung zu erschaffen.

Oder anders gesagt: Das (künstliche) kreieren eines Mangels ist das, was wir GAME nennen.

Jetzt macht es nunmal keinen Spaß, in einer Situation des Mangels zu leben. Wir wollen schließlich alles – alles wissen, alles bekommen, alles haben, alles bestimmen. Und dann tut einer nicht so, wie wir wollen. Und wir hassen ihn und uns dafür. Zugleich fühlen wir uns davon aber unerklärlich angezogen.

Was also tun? Letztendlich wissen wir ja, es ist alles so, wie es sein muss, damit wir den Kerl nicht nach einer kurzen Interessensphase wie ein ungeliebtes Spielzeug in die Ecke werfen und uns dem nächsten Objekt der Begierde zuwenden.

Ein Mangel mag an einem nagen. Es kann einen innerlich ganz verrückt machen, nicht zu wissen, woran man ist. Aber es hilft ungemein, sich darüber bewusst zu sein, dass es so sein muss. Dass wir uns letztlich glücklich machen lassen. Und dass dazu nunmal eine Ungewissheit gehört, die sich nicht schön anfühlt.
Es lohnt sich also, diesen Umstand zu akzeptieren, anzunehmen und in gewisser Weise zu genießen.

Warum sollte ich aber ein für mich zumindest leicht negatives Gefühl genießen?

Weil es bedeutet, dass mein Mann alles richtig macht. Dass er es schafft, mich zu gamen. Und dass meine Beziehung jedenfalls nicht den Betaisierungstod sterben wird …

Und das ist doch ein Grund, sich zu freuen, oder?

Übrigens, Jungs: Für euch gilt das ganz ähnlich … aber ich hab nichts gesagt!

Esperame

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5 Kommentare to “♀ | Don’t hate the player …”

  1. Sebastian hat kommentiert:

    Wow, sehr geil beschrieben :)

  2. Nightfly hat kommentiert:

    Interesantes Denkmodell; danke für diesen Anstoß!

  3. Fastlane hat kommentiert:

    Perfekt gesagt.

  4. Winddancer hat kommentiert:

    Wenn du eines Tages den Mangel in Dir aufgelöst hast und aufhörst, aus diesem Mangel heraus zu leben, zu beurteilen und zu agieren, sondern in der Fülle, dann genießt Du dieses Gefühl nicht mehr. Dann bist Du Dir selbst genug. Willst bereichern – den Anderen und damit dich selbst. Dann verliert das Raubtier “Mangel erzeugen” seinen Biß, und PUA`s die damit arbeiten laufen ins Leere. Weil Du die Energie dafür nicht mehr aufbringen…oder sollte ich besser sagen verschwenden willst. Weil der permanente Mangel dann das Interesse am Anderen erlöschen lässt.

    Doch das ist etwas, das nach dem Game kommt. Vielleicht…

  5. lexy hat kommentiert:

    lieber winddancer – so tanzt mann dann ganz frei auf dem und mit dem wind?

    klasse – schönes ziel, dann funktioniert das auch mit dem “fließen lassen”.

    der mangel = ein resultat von unerfüllten wünschen, träumen, bedürfnissen, zielen, erwartungen?

    freiheit = wunschlos, traumlos, bedürfnislos, ziellos, erwartungslos = zufrieden = in frieden?

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