Kategorie: Inner Game

 

 

„Mr. Robinson, if you don’t mind my saying so, this conversation is getting a little strange.”

 

Annapolis. 2007. Neuzeit.

Ein erfolgreiches Date neigt sich dem Ende zu. Anna sitzt mit ihrem Auserwählten auf der Couch und schaut sich eine Depeche Mode-DVD an. Gut, ich lüge, sie schaut sich diese DVD nicht an, sondern überlegt während sie auf den Fernsehbildschirm starrt, was denn nun als nächstes passiert. Immerhin sitzen die beiden schon ein paar Minuten nebeneinander auf ihrer Couch und unterhalten sich.Ein Blick, eine Berührung, dann ist alles klar. Eine halbe Stunde später findet sie sich liegend und küssend auf ihrem Auserwählten wieder. Der Kopf abgeschaltet, einfach den Moment genießend. Völlig nichts ahnend, was als nächstes geschehen wird. Aber er hat schon innegehalten und setzt an: „Du, Anna, ich finde dich toll und sexy. Ich mag dich, aber aus uns wird nichts werden, das möchte ich dir jetzt schon sagen. Für alles andere bin ich offen. Wie siehst du das?”

WTF? Was passiert hier? Hat er gerade zu „The Talk” angesetzt? Sind es nicht immer wir Mädels, denen nachgesagt wird, dass sie sofort jeden Herren, den sie kennen lernen durch das „Boyfriend-Material”-Raster laufen lassen und sich ihn liegend über ihnen vorstellen? Scheinbar nicht.
Bevor ich überhaupt anfangen konnte, mir Gedanken zu machen, ob der neben mir sitzende vielleicht später doch mal mit mir Kissen für besagte Couch bei IKEA aussucht, hat er die Entscheidung schon für mich getroffen: Nein.

Woher weiß er das nach dieser kurzen Zeit, die wir uns kennen schon? Wahrscheinlich ein Gefühl, ein Wort, ein Moment, der einfach nicht gepasst hat. Wie man so schön sagt „Der Funke ist nicht übergesprungen”. Völlig ok. Für mich allerdings überraschend, schnell und unerwartet.
Denn was hat er hiermit gleichzeitig gerade gemacht? Er hat mir den Flow genommen. Er hat mir das Zurücklehnen genommen, die Fahrt zu genießen. Den Moment mit ihm zu genießen. Er hat den Outcome ins Spiel gebracht. Er hat unsere Beziehung definiert: Affäre.

Sicherlich, ich bin mir bewusst, dass vielen die Gedanken „Was könnte aus uns werden”, „Ob er/sie mich gut genug findet, um mit zusammen kommen zu wollen?”, „Hat er/sie alles, was ich mir in einem Partner vorstelle?” durch den Kopf schwirren – auch schon und gerade beim ersten Date.
Das habe ich auch gemacht. Mit Männern reden „wie es mit uns weitergeht” und lange, emotionale Emails schreiben, um ihn zu Aussagen über unsere Art der Beziehung zu bringen.
Aber ich wehre mich mittlerweile dagegen.

Wie schön kann es sein, einfach zu treiben. Die Menschen, die man kennen lernt, nicht sofort mit einem Label zu kennzeichnen: Partner, Affäre, ONS, Bekannte, etc. Die Beziehungen, die man zu diesen Menschen hat, nicht sofort in geordnete Bahnen lenken.
Einfach die Fahrt genießen. Zurücklehnen und den Moment mit einem Menschen (er-)leben, den wir mögen. Ohne voreilig einen Stempel auf das Miteinander mit diesen Menschen drücken zu wollen, der das Kind beim Namen nennt.

Hierdurch wird so vieles möglich. Man geht seinen Weg, schaut sich die Wege der anderen an, genießt es, wenn die Wege der anderen sich mit den eigenen kreuzen, hält inne, zieht weiter auf seinem Weg und lässt die Straßenschilder einfach mal unbeachtet.

Heute sitzt er übrigens immer noch ab und zu auf meiner Couch. Er hat zwar keine Kissen mit mir gekauft, aber er hat es geschafft, den Flow zurückzuholen. Indem er losgelassen hat und das genießt, was wichtig ist: Die Anwesenheit eines Menschen, den man gern hat. Ohne Label. Ohne Definition.

Go with the Flow. And enjoy!

 The Bride

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7 Kommentare to “Go with the Flow – Die Kunst loszulassen”

  1. cidrus hat kommentiert:

    “lange, emotionale emails” -> bringens nicht! Unsere Kommunikation hat viele Kanäle, per email muss man sich leider auf einen beschränken, zu wenig für “attraction building” ^^
    Ich mag den flow sehr, doch man wird nie den “outcome” komplett abschalten können, er ist zu tief verwurzelt.

  2. Stella hat kommentiert:

    Ein sehr schöner und sehr ehrlicher Beitrag. Durch das Einordnen der Dinge nimmt man sich die Illusion was alles sein kann. Die Frage ob man sich auch nach einem schlechten Date vielleicht wiedersieht, oder die Frage nach der Telefonnummer nach einem ONS, das sind alles Dinge die alle Türen offen lassen. Danach kann es sich entwickeln – und wer weiß, am Ende erkennt man doch Seiten am Anderen, die man sonst nie erkannt hätte.

  3. BW hat kommentiert:

    ergebnisoffenheit reloaded. ergebnisoffenheit ist alles, ohne sie ist alles nichts. ein sehr wahrer post.

    manchmal hat man als mann allerdings einen verantwortungsschalter im kopf sitzen, der einem sagt, man muss das *jetzt* ansprechen, sonst ist man ein ganz schlimmer. warum man das tut? man ist selbst nicht im flow. und da ist der eingang zur schublade, zum label, zur definition: wenn mann selbst aus dem flow ist, versucht man, die dinge zu ordnen und einzuschätzen und abzuklären, dass man selbst später keine schlimmen folgen zu erwarten hat. der keim ist etwas, das sich auf Euch überträgt: bin ich genug, manns genug, den karren im notfall wieder aus dem dreck zu ziehen? wenn man es ist, bleibt mann im flow.

    also, die damen! haltet uns ebenfalls im flow!

    @cidrus: doch, geht. wenn es nur ein spiel ist, ist es einfach egal und im flow.

    @stella: ja, man staunt manchmal, was für interessante menschen man im bett kennenlernen kann.

  4. undi hat kommentiert:

    Hi Bride,

    ich find eure Idee hier wirklich super und lese interessiert jeden Artikel, weiter so. Aber jetzt nen Kommentar zu speziell diesem hier. Habe eine Freundin mal den Text kopiert und ihn ihr per Email geschickt, sie hat mir folgendes drauf geantwortet:


    Im Ernst, ich glaube nicht, dass es irgendwas einfacher macht, wenn man den Kopf ausstellt (allein das = eine Illusion für Frauenköpfe) und beschließt, nichts zu tun als zu genießen…
    Eine tolle Vorstellung, keine Frage. Leider funktioniert sowas nur ein paar Mal, eine verschwindend geringe Anzahl von Malen ;-) und dann wirds kompliziert. Ob man es will oder nicht. Ob man es mitbekommt oder nicht. Ich hab das mehrmals schon probiert, mein Gegenüber selbst von meinem “genialen Plan” überzeugt und was war das Ergebnis? Nach gewisser Zeit -Tagen, Wochen, Monaten- Enttäuschung, Tränen, Verlustschmerz, und das meist nicht nur für einen Part.
    Denn Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen sind immer da. Und wenn sie (wie in diesem Projekt) jeder für sich behält, macht es das Ganze alles andere als leichter. Einer von beiden denkt dann doch an die schicke IKEA-Couch, die doch viel zu groß ist für einen allein :-) oder wenigstens an die Kissen.

    —–

    Wollte ich nur als Gedankenanregung mit drunter schreiben :)

  5. cidrus hat kommentiert:

    @BW, ich bleibe dabei: Bsp: Du gehst in eine Bar mit deinem Date, ihr seid gut entspannt, beide lachen, beide genießen die Situation. Willst du mir denn wirklich weis machen, dass dir nicht irgendwann der Gedanke kommt, die Frau zu küssen. Du hast in einer solchen Situation bestimmt schon oft auch an einen ONS gedacht, gerade auch, weil alles so schön flowt. Beides sind für mich Outcomes. Ich glaube, dass Menschen in den meisten Situationen zielorientiert handeln, und diese Ziele sind für mich outcomes.

  6. lexy hat kommentiert:

    ein tolle site!

    und im flow sein ist eine der besten übungen – finde ich – zur persönlichkeitsentwicklung. ohne erwartungen dinge geschehen/sich entwickeln lassen. Selbst trainiere ich seit Jahren daran und ertappe mich immer wieder – vor allem wenn die Anziehung besonders groß ist – dass ich ja doch einen gewissen outcome wünsche/hoffe/erwarte (in der reihenfolge – mit dem wünschen und den damit verbundenen vorstellungen fängt es immer an). den schritt wieder dahin zu machen einfach die realität wie sie gerade ist zu genießen ist gar nicht so einfach. wenn es gelingt sind die geschenke an freundschaft, besonderen beziehungen, wunderbaren begegnungen gigantisch – lohnt sich also. und tränen gehören zur entwicklung. “tränen sind perlen der seele” hat eine tolle frau mir mal gesagt…

  7. Daniel hat kommentiert:

    Überbewertet.

    An der Stelle, wie im Beitrag mag es nicht verkehrt sein, die Dinge einfach laufen zu lassen.

    Ansonsten stimme ich undi zu. Man läuft sonst Gefahr, dass alles nur so nebeineinander herläuft, und der andere gar nicht mitbekommt, dass man ihn gerne hat.

    Darum muss man hierbei das Stadium der Beziehung nicht außer Acht lassen. Es bedarf also sehr wohl einem Schubladendenken.

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