Kategorie: Inner Game

Polyamory (gr. πολύς polýs „viel, mehrere” und lat. amor „Liebe”) ist ein Oberbegriff für die Praxis, Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen zur gleichen Zeit zu haben, mit vollem Wissen und Einverständnis aller beteiligten Partner.

Johnny Soporno macht es. Seine Freundin macht es auch.

Sie führen eine Beziehung miteinander, sie schlafen miteinander, sie lieben sich. Das wird eindeutig klar, wenn man Johnny zuhört, wie er über seine Freundin Violet spricht. Und das hat er getan – auf der Real Man Conference 2008 in Amsterdam. Man spürt die Liebe in seiner Stimme, wenn er über die Frau in seinem Leben spricht. Eine Frau in seinem Leben. Denn Johnny teilt sein Filet Mignon nicht nur mit Violet. Johnny hat auch Sex mit anderen Frauen. Und Violet lebt auch nicht monogam. Sie darf, was Johnny darf.

Verdutzte Gesichter im Publikum. Wie? Johnny und Violet lieben sich, wohnen zusammen – aber haben auch andere Partner? Wir Mädels jubeln. Endlich mal einer der Großen, die aussprechen, was wir denken: Moral ist, was ihr draus macht. Secret Society Reloaded. Englightening Men – Emancipating Women.
Es geht hier nicht um Endless Enigmas / Ludovico Santanas Bild einer Beziehung mit Königin und etlichen Prinzessinnen wie in „Lob des Sexismus” propagiert. Es geht um Gleichberechtigung – mit Königen und Prinzen und Königinnen und Prinzessinnen. So wie Violet Königin ist, ist Johnny König. Er weiß das und will das. Er liebt das und genießt das.

Johnny liebt Metaphern:
Ihr lernt eine Frau kennen, die ihr toll findet und die euch toll findet. Sie verspricht euch, euch jeden Tag für den Rest eures Lebens euer Lieblingsgericht Filet Mignon zuzubereiten. Ihr freut euch. In den ersten Tagen liebt ihr es einfach. Nach ein paar Tagen mehr findet ihr es ganz okay, nach einigen Wochen möchtet ihr alles – aber bitte nicht Filet Mignon!

Johnny geht auch auf die biologischen Hintergründe ein, warum ein Mann seinen Samen verbreiten will und muss und überhaupt. Das möchte ich an dieser Stelle aber ausklammern. Mir geht es nicht um die biologischen Hintergründe á la „Sperm Wars”.
Mir geht es um die moralischen Hintergründe und die Kraft, die es einem abverlangt, eine solche Beziehung zu leben. Wahre Liebe lässt frei, sagt auch Dr. Betz. Und im Grunde hat er Recht. Wer mich einengt, der engt sich selbst ein – indem er mich aus seinem Leben streichen muss. Wer mir die Freiheiten gibt, die ich brauche, dem gewähre ich die Freiheit, dass ich sie mir vielleicht gar nicht nehme.

Denn wie Johnny schon sagte: Wenn ich die Freiheit habe zu entscheiden, und mich am Ende eines Tages dafür entscheide, mit Violet einzuschlafen, dann ist das meine freie Entscheidung aus freien Stücken – und damit so viel mehr wert, als wenn ich gar keine andere Wahl habe.

Jeden Tag entscheide ich mich aufs neue. Und bin glücklich mit meiner Entscheidung. Und ich verlange von den Menschen in meinem Leben – von den Männern in meinem Leben -, dass sie sich auch entscheiden. Dass sie sich bewusst dazu entscheiden, mit mir Zeit zu verbringen. Mit mir einzuschlafen. Jede Minute, die ich mit einem Mann verbringe, der sich frei dazu entschieden hat, in genau diesem Moment bei mir zu sein, ist für mich bedeutend. Und so viel mehr wert, als jede Minute mit ihm, die er mir gibt, weil ich von ihm verlangt habe, mir die Gewissheit zu geben, dass er auch die nächste Minute und die übernächste Minute bei mir ist.

Verspüre ich Eifersucht? Ja, manchmal. Aber ich nehme sie an als Gefühl, mit dem ich Leben kann. Es ist in Ordnung. Denn ich weiß, dass andere Männer meine Beziehung zu dem einen Mann nicht beeinflussen. Ich weiß durch andere Männer, was mir der eine gibt. Und wenn er durch andere Frauen erkennt, warum er mit mir einschlafen möchte und nicht mit den anderen, dann ist es okay. Und wenn er sich gegen mich entscheidet, dann gebe ich ihm die Freiheit, dies zu tun. Denn die Minute ohne ihn ist so viel ehrlicher als die erzwungene Minute mit ihm.

This is for you, Lord of the Eggs.

The Bride

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13 Kommentare to “Beziehung 2.0 – Monogamie, Polygamie, Anarchie?”

  1. Kitejunkie hat kommentiert:

    wieder mal ein sehr schöner artikel.

    schön, daß du auch die anstrengung erwähnt hast, die damit verbunden ist sich auf eine offene beziehung einzulassen. die fehlt bei vielen artikel über dieses thema. dan hört sich das ganze meist nach einem spaziergang an, aber wie in jeder beziehung muss man auch hier etwas dafür tun. dinge von wirklichem wert gibt es nämlich niemals umsonst.

    der ansatz der größerern ehrlichkeit der freien entscheidung zum zusammen sein ist neu für mich. ein wahrer gedanke…

    cheers,

    kitejunkie

  2. sunman hat kommentiert:

    Hey, lese euren blog jetzt seit n paar Tagen und ich muss sagen ich bin begeistert.
    Habe ebenfalls noch nie darüber nachgedacht dass ich grade durch die Dinge die mit anderen Frauen laufen die Beziehung zu der “Einen” echt gestärkt werden kann… bei mir wars schlicht immer so, dass die Ladys dann nach 2-3 Monaten was Festes wollten oder es ihnen “zu doll wehtat” wenn sie daran dachten dass ich auch was mit anderen habe.
    Ich denke wenn ich ner Frau euren Denkansatz mitteile, dass das alles dann etwas entspannter läuft ..Danke ;)

  3. annaprinzip hat kommentiert:

    @sunman:
    Weißt du, nicht jede kommt mit sowas klar. Dann mußt du das auch akzeptieren. Es ist völlig in Ordnung, wenn sie sagt, dass sie eine monogame Beziehung haben möchte. Es ist immer abhängig davon, wie gefestigt eine Person in ihrem eigenen Leben ist, und wie sie mit dem Gefühl der Eifersucht umgeht. Jemanden gehen zu lassen (auch, wenn es vielleicht nur für eine Nacht oder ein paar Stunden ist), dazu gehört schon eine Portion Selbstbewußtsein. Denn es schwingt immer mit: Kommt er/sie zurück?
    Aber ihr muß eben auch klar sein: Take it or leave it. Wenn du nicht anders kannst und vor allem willst, als auch mit anderen Frauen Sex zu haben, dann ist es eben so. Dann muß sie für sich entscheiden, ob sie weiterhin eine wie auch immer geartete Beziehung zu dir haben möchte oder eben nicht. Take it or leave it. Ganz einfach.

    Liebe Grüße,
    Bride

  4. WaZn hat kommentiert:

    Ihr seid ja schon wieder fleißig am schreiben ;)

    Ich sitz hier an meiner Word.doc in dem ich mein Review zur RMC gebe und habe bereits eine Seite fast voll, obwohl ich erst die ersten beiden Vorträge erwähnt habe :P

    Jetzt hab ich auch die aktuellen Einträge hier gelesen, will mir ja hier nix nachsagen lassen :D

  5. Dreamcatcher hat kommentiert:

    Kann Johny nicht mal ein Seminar für alle Frauen der Welt geben?

  6. annaprinzip hat kommentiert:

    @Dreamcatcher:
    Weißt du, im Prinzip hat esperame genau das in ihrem Artikel über Moral geschrieben… da wurde sie dafür regelrecht an den Pranger gestellt. Lustig, oder? ;-)
    …aber Johnny coacht ja auch Frauen.

    LG
    Bride

  7. annaprinzip hat kommentiert:

    @Dreamcatcher:

    Es ist ganz gut, dass Johnny diese Seminare vor allem auch für Männer gibt.
    Denn wie Zan uns sagte: In der Regel haben die Frauen bei ihren Vorträgen weniger Probleme mit dem Inhalt als die Männer. Während die Frauen also sagen: Ja genau, das ist es … sind die Männer mehr als skeptisch. Haben wir an dem Tag auch genau so erlebt.

    Siehe mein Artikel über Moral … :-)

    LG
    Esperame

  8. sunman hat kommentiert:

    @Bride
    ich akzeptiere die entscheidung immer voll und ganz und mache denen auch keinen vorwurf a la “du bist ja verklemmt” oder ähnlichem. Ich kann sie sogar sehr gut verstehen wenn sie so fühlen und denken.
    Nur hat sich mit Sicherheit keine von den bisherigen “Einen” Gedanken darüber gemacht, dass jede Minute die ich mit Ihr verbringe, auch wenn es noch andere gibt, aus meiner freien Entscheidung entsteht. weil ich wirklich Zeit mit Ihr verbringen will, anstatt keine andere Wahl zu haben und “notgedrungen” Zeit mit Ihr verbringen zu müssen weil wir halt “fest” zusammen sind…
    Dass die anderen halt charakterlich einfach im Moment nicht mithalten können…

  9. Caliban hat kommentiert:

    Diese Lebensweise funktioniert nur für Gewinner. Wer keine Wahl im Leben hat, der kann so etwas nicht. Das ist keine Wertung – man sollte das nur bedenken.

    Grüße an die beiden salatessenden Mädels auf der Bank :)

    Caliban

  10. Julian hat kommentiert:

    Hi Brücke,

    schön geschrieben. Und manchmal frage ich mich dann doch … braucht es derartig lange Erklärungen, um der Menschheit klarzumachen, daß “Beziehung” nicht “Alleinanspruch an den Partner” heißt?

    Meiner Meinung nach basieren große Teile der Forderung nach (sexueller) Treue auf pervertierten Besitzansprüchen, aus Verlustängsten und Homophoben Reaktionen. Zieht man all das ab, dann bleibt die wahre Beziehung. Ob sie denn dann Momogam ist oder nicht … meiner Meinung nach spielt das keine Rolle. Das ergiebt sich von ganz alleine.

    Doch machen wir uns lieber einen Spaß draus. Fragen wir mal einen Mann, der ganz sicher ist, daß er sich eine monogame Frau wünscht, fragen wir Ihn einfach, wie das ist, wenn seine Freundin mal mit einer anderen Frau … HALT, NEIN, kommt da schnell das Argument. Das ist doch etwas “ganz anderes”.

    Soso, mit einer Frau ist es was ganz anderes. Wenn das mal nicht ein deutlicher Hinweis ist, daß dieser Mann kein problem mit “Fremd-Fickenden Frauen” hat sondern nur mit den Partnern, mit denen sie sich unter der Bettdecke vergnügen, und dann auch nur mit dem einen Geschlecht.

    Es gibt so viele ARgumente. So viele Menschen,d ie mir erklären wollten, ich würde viel zu viel Wert auf Sex legen. Er wäre mir zu wichtig und ich solle doch mal drauf verzichten, mich auszutoben, wie ich will.

    Doch dann erlebe ich, wie diese Menschen eine Beziehung beenden, NUR WEIL der Partner nicht treu war. Die Liebe wird der Treue geopfert, dem Sex. Oder besser: Dem Sex-Verbot, das Ende ist die “Strafe” für das nicht-einhalten des Sex-Verbotes. Puh … und ICH soll da Sex zu ernst nehmen?

    Ich betrachte meine Freundin. Sie hat Spaß mit einem anderen Mann. Viel Spaß. Auch mit zwei Männern, wenn sie will, oder mit wem auch immer. Es geht Ihr gut. Sie genießt es.

    DAS ist das WICHTIGSTE: Sie genießt es. Und wenn sie das tut, welches Recht sollte ich haben, Ihr das zu verbieten? Mein Recht ist nur ein einziges: Mich darüber zu freuen, daß es Ihr gut geht. Komme ich damit nicht klar, dann ist das ganz alleine mein Problem. Und das werd eich lösen. Vielleicht werde ich es Ihr erzählen, doch ich werde es nicht an sie delegieren. Lösen kann nur ich es. Und Ihr geht es gut.

    Alles LIebe, Julian!

  11. skyler van dijk hat kommentiert:

    Nur Schade, dass nicht mehr Frauen so denken, wie ihr.
    Das wird noch einige Zeit dauern, bis dieser Lebensstil gesellschaftlich akzeptiert wird, aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

    Ich könnte jetzt noch schreiben, dass durch etliche Disney- und Hollywoodfilme völlig unrealisitische Vorstellungen von Beziehungen vermittelt werden, aber das würde jetzt zu weit führen.

    Keep up the good work!

  12. Antiarbusto hat kommentiert:

    *JUBEL*

    du sprichst mir aus der Seele. Genauso sollte es sein.

    Gäbe es bl0ß mehr Frauen, die nicht in diese festen Moralvorstellungen von Monogamie durch die Gesellschaft reingepresst wurden und die beengende Nähe mit dem Partner mangels Optionen als wunderschön ansehen.

    Eine offene Beziehung mit echter Liebe ist mein Traum/Ziel

    Gruß Antiarbusto

  13. nlp coach hat kommentiert:

    Freie Beziehungen sind möglich, wenn es keine Verpflichtungen gibt. Bei Kindern und Familie wird es anders. Es ist ein Singlephilosophie.

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