Kategorie: Touch Game

„Oh Carmen, du Wunder/ mein Samen läuft grad an deinen Haaren herunter”

Ein Handtuch fliegt über die Köpfe hinweg, landet irgendwo in der Menge, und Millisekunden später prügelt sich eine Traube Mädchen um Sidos heiligen Schweiß. Ja, prügelt. Ja, Mädchen. Im roten Bühnenlicht sind ihre Züge verzerrt, entschlossene Fratzen, keine will auch nur einen Millimeter nachgeben, ihre Finger krallen sich in das weiße Frottee, sie sind bereit alles zu tun, wenn sie nur eine Hand frei hätten, würden sie den anderen schon zeigen, wem Sidos Handtuch wirklich zusteht.

Ich will auch Sidos Handtuch!, höre ich neben mir.

Ich will Sidos Sperma, schießt es mir durch den Kopf (und ich sage es auch, zu Schwester Bride. Sie lacht).

Ja, richtig.
Das ist mein erster Gedanke … nicht: Ich will Sido kennenlernen. Nicht: Ich würde mich gern mal im Tourbus so richtig … Nein. Ich will Sidos Sperma.

Der großartige Robin Baker, dessen Buch „Sperm Wars” (in der deutschen Übersetzung leider vergriffen, im Original aber immer noch als TB lieferbar und leicht zu lesen) ich jedem Leser hier nachdrücklich ans Herz legen möchte, hätte für diesen Gedanken sicherlich eine gute Erklärung parat.
Es geht, sagt er, letztendlich immer nur um reproduktiven Erfolg. Es geht darum, Nachkommen zu zeugen, die ihrerseits wiederum imstande sind, Nachkommen zu zeugen. Reproduktion als Ziel allen Daseins, das klingt fatalistisch, wird hier aber absolut einleuchtend begründet.

Für mich als Frau ist es essentiell, die reproduktiven Eigenschaften eines potentiellen Kandidaten abschätzen zu können.
Der Mann da vor mir auf der Bühne hat: Ganz klar, Erfolg. Um dahin zu kommen, braucht es einiges an Durchsetzungsvermögen, einen langen Atem. Und wer da ist, ist ökonomisch schonmal keine Nullnummer mehr.
Der Mann auf der Bühne macht einen gesunden Eindruck, seine Bewegungen sind fließend, und er hält die gut zwei Stunden Programm locker durch, ist körperlich also auf der Höhe. Was man davon sehen kann … sieht alles ganz brauchbar aus.
Ha, jetzt kommt es: Der Mann auf der Bühne ist ganz klar auch zeugungsfähig, das singt er uns jetzt gerade, und nicht nur das, nach anfänglichen Schwierigkeiten ist er jetzt Willens und in der Lage, seinen Sohn zu versorgen. Na, Eierstöcke, das spricht ja wohl nur für ihn!

Oralsex, sagt Robin Baker, hat für Frauen zwei eindeutige Vorteile (sonst hätte er sich evolutionsgeschichtlich nicht durchgesetzt). Zum einen kann sie sofort schmecken, ob er eben noch eine andere beglückt hat (wenn er dumm genug war, sich nicht vorher zu waschen), es hat also eine Kontrollfunktion. Gleiches gilt für die Menge an Sperma, die später zum Vorschein kommt – war er vorher bei einer anderen, kann er jetzt deutlich weniger produzieren. Zum anderen lässt eine Ejakulation so einige Vorhersagen über den Gesundheitszustand – und damit das reproduktive Vermögen – eines Mannes zu: Wie sieht sein Sperma aus, wie schmeckt es? Ist es eher wässrig, neutral, in großer Menge? Ist es gelblich verfärbt, ist es klumpig, riecht es komisch?
Es geht also um Informationen.

Informationen, die mir fehlen!

Doch das ist nicht die ganze Wahrheit.
Natürlich geht es mir auf bewusster Ebene nicht um Reproduktion. Das weiß ich nur, weil ich eine aufmerksame Schülerin bin. Es ist relativ (jedoch nicht ganz und gar) unwahrscheinlich, dass es zu einer, wie Robin Baker immer so schön sagt, Insemination kommt. Noch unwahrscheinlicher ist, dass es zu einer Empfängnis kommt.
Und ganz rational gesehen ist es auch wahrhaftig nicht das, woran ich denke … es geht vor allem um die Sauerei dabei.

Es gibt einen Punkt im Leben, da weiß man: been there, done that. Da geht es nicht mehr darum, dies oder jenes auszuprobieren. Da geht es um die Feinheiten.
Die Feinheiten, die Zwischentöne wahrzunehmen und auszukosten. Das Riechen und Schmecken auf allen Ebenen. Das ist es, was dann viel interessanter wird, als der Akt an sich.
Und was könnte da besser geeignet sein, als sein Saft?

Was sind schon ein paar Tropfen Schweiß auf einem Frotteehandtuch, gegen das, was den Mann wirklich ausmacht?

Genau.

Ich wünsche euch allen ein (re)produktives Wochenende – und wer uns auf der RMC erkennt, ist herzlich eingeladen, uns anzusprechen!

Esperame.

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6 Kommentare to “Ich will Sidos Sperma! Oder: Reproduktion ist (fast) alles.”

  1. annaprinzip hat kommentiert:

    Ich korrigiere mich: Ich will Sidos Sperma auf seinem Handtuch ;-)

    Sister Bride

  2. Dreamcatcher hat kommentiert:

    Sein Durchsetzungsvermögen von seinem Erfolg abzuleiten mag ja noch durchaus vertretbar sein (obwohl er auch nur eine Marionette von Specter ist, was ist also mit Specters Sperma?),
    an seinem guten Gesundheitszustand zweifele ich allerdings.
    Freunde von mir beobachteten Sido vor einigen Jahren dabei, wie er eine halbe Flasche Wodka exte, “fuck the world!” schrie und Sekunden später ins Koma fiel. Falls er also nach all den Lovesongs an seinen Sohn noch nicht die Vorbildfunktion angenommen hat, zweifele ich an der guten Konsistenz seine Spermas.

    Aber ach, ich gönne es euch doch ihr süßen Groupies – wäre ich ein Mädchen, würde ich mich wahrscheinlich auch nur von Jungs mit Totenkopfmaske begatten lassen.

    Viel Spaß auf der RMC, leider bin ich nicht dort.
    @Bride: Es hat nicht sein sollen, seeya next time.

  3. annaprinzip hat kommentiert:

    @Dreamcatcher:

    Darling, nicht alles immer so ernst nehmen ;-)

    E.

  4. Sebastian hat kommentiert:

    Ein kurzer Einwand zu Sperm Wars (Krieg der Spermien): Ich finde es auf Deutsch passagenweise schwer verständlich, wenn man nicht gerade Bio LK mit 1+ abgeschlossen hat. Deswegen denke ich, das es auf Englisch, solange man nicht Bio LK mit 1+ und Englisch mit einer guten Note abgeschlossen hat, sicherlich Verständnisschwierigkeiten auftreten können. (Anna Lena, nicht jeder hat “Übersetzen” studiert ;)

  5. Shao hat kommentiert:

    Also das würde ich nicht sagen. Gerade wenn man Schwierigkeiten mit Englisch und Übersetzungen von halb wissenschaftlichen Abhandlungen hat, sollte man sich an solche wagen. Es ist mitunter der Grund, warum ich inzwischen fliessend bin. Dawkins “Selfish Gene”, Hills “Think and Grow Rich” (Weniger wissenschaftlich), Ridley “The red queen – Sex and the evolution of human nature” genauso wie andere Psychologie, Physik und Biologie Bücher haben es geschafft, mein bis dato gutes bis sehr gutes Englisch in fliessend zu verwandeln. Man mag dies als schwere Herausforderung sehen, allerdings gehört die Welt den Mutigen, und es kann nur besser werden, auch wenn der Lesefluss von dict.leo.org öfters unterbrochen wird. Dieses nutzen auch gute Übersetzer manchmal noch, da man nie zu pingelig sein kann, wenn es um den Sinn eines Buches geht.

  6. Dreamcatcher hat kommentiert:

    @E.:
    Du auch nicht, honey! ;-)

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