Kategorie: Esperames Ecke

Als er ihr schreibt, weiß er ganz genau, dass er gerade Mist baut. Egal, er tut es trotzdem: SENDEN.
Puh.

Sie weiß, sie sollte es nicht tun, nicht schon wieder, nicht der … ausgerechnet. Und dann lässt sie es fließen … dann lässt sie es passieren … schaltet den Kopf ab. Genießt.

Als er aufwacht, allein in seinem Bett, ist er erleichtert. Nochmal Glück gehabt. Nichts geschehen … nichts von Relevanz jedenfalls. Oder fast nichts. Er hat noch einen Nachhall des Kribbelns im Bauch. Alle Möglichkeiten offen … und Küsse, die mehr versprechen, als er sich heute morgen vorstellen will.

Weißt du, sagt sie, ich gehe jetzt. Ist besser so.

Und was wird dein Freund sagen?, fragt er. Darüber denk ich jetzt nicht nach, murmelt sie. Außerdem ist das ihre Sache, fügt sie im Stillen hinzu. Geht ihn nichts an … soll er lieber über seine Freundin nachdenken, die jetzt zuhause auf ihn wartet. Zu der er gleich gehen wird … Minuten, gestohlene Zeit.

Moral, sagt der gesellschaftliche Konsens, geht so: Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
Oder wie der unvergleichlich verknöcherte Moralist Immanuel Kant verlangte: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.” Der kategorische Imperativ.

Moral, sagt die gesellschaftliche Praxis, geht so: Tu, wonach dir ist, aber lass dich nicht erwischen. Moral ist, was ihr draus macht.

Liebe, Treue und Ehrlichkeit, das sagt uns jede Kontaktanzeige eines beliebigen Stadtmagazins, stehen ganz hoch im Kurs in Beziehungsdingen. Jeder will sie, kaum einer kann sie garantieren.
Während unsere Gesellschaft in der Realität bereits in der Post-Postmoderne angelangt ist, leben wir moraltechnisch in einer Art revitalisiertem Biedermeier, wünschen uns die Heile Welt, die schon damals nur theoretisch existiert hat.

Sehen wir mal von unseren biologischen Zwängen ab, die uns nach dem genetisch besten Kindsvater suchen lassen (Frauen), bzw nach der größtmöglichen Verbreitung der Gene (Männer), gibt es noch einen anderen Grund, das zu tun, wofür uns Kant eins über die Rübe geben würde: Es macht Spaß, und es ist spannend.

Binsenweisheit gefällig? „Ehemänner sind vorallem dann gute Liebhaber, wenn sie ihre Frauen betrügen.”
Da ist natürlich was dran.
Ehe-Routine-Sex kann niemals mithalten mit den heimlichen, verbotenen, erschlichenen Momenten zwischen zwei Menschen, die eigentlich nicht dürfen, was sie da tun.

Eigentlich.
Aber was heißt schon dürfen?
Wahrscheinlich wäre die Menschheit längst ausgestorben, wenn alle immer nur das täten, was sie einander versprochen haben. Vielfalt, Diversität entsteht in den Grauzonen des Zusammenkommens … nicht im Scheinwerferlicht.

Für den einen ist Fremdknutschen schon ein Drama. Der andere hat im Prinzip kein Problem damit, jahrelang der Geliebte einer vergebenen Frau zu sein … und bekommt erst Gewissensbisse, als der andere Mann sie heiraten will. Die nächste würde zwar gerne, aber nicht mehr, als seine Freundin schwanger wird. Moral ist, was ihr draus macht.

Letztendlich geht es immer um den Moment. Was gestern war, ist schon geschehen. Was morgen sein wird, kann keiner sagen. Das Jetzt entscheidet, im Jetzt muss sich das, was man tut, gut anfühlen.
Ändert das etwas an unserem Handeln? Vielleicht. Ändert es etwas an unseren Gefühlen? Ganz sicher.

Vielleicht klingt das abgeklärt, vielleicht klingt es zu hart für eingeschworene Romantiker. Aber es ist das, was in der Realität passiert. Und ist es nicht besser, mit klarem Verstand über die Dinge urteilen zu können? Absehen zu können, was geschehen wird, irgendwann, vermutlich zwangsläufig … das mag unromantisch sein, hat aber einen Vorteil: Man fällt nicht irgendwann aus allen Wolken. Über das eigene Tun, das des Partners, das der Menschen im eigenen Umfeld …

Als sie aufwacht, ist es früher Morgen. Der Mann neben ihr ist ihr einen Moment fremd, es ist nicht ihrer. Es ist der beste Freund ihres Freundes. FUCK. Denkt sie, und einen Moment lang zieht sich ihr Magen zusammen … wenn ihr Freund das erfährt. Verdammt, verdammt.
Dann fallen ihr die Ereignisse der Nacht wieder ein und ihre Züge entspannen sich … jaaaa … es war zu gut, um es nicht zu tun. Es war klar, sie würden es irgendwann geschehen lassen … und vielleicht würde es nochmal passieren, vielleicht auch nicht.

Alles ist gut so, wie es ist.
Bereue nur das, was du nicht getan hast.


Esperame.

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9 Kommentare to “Birds do it, bees do it … oder: Moral ist, was ihr draus macht.”

  1. Yalom hat kommentiert:

    Flach, wie immer….

  2. phx hat kommentiert:

    Dümmlich…

  3. koc hat kommentiert:

    Bisher der schwächste Blog von Euch beiden.

    Ich will ja auch keine Moraldiskussion vom Zaun brechen, aber habt ihr euch dabei auch überlegt, was die jeweiligen Partner über die Nummern denken? Was sagt Dein Freund dazu, daß du mit seinem besten Kumpel fixxx?
    Oder weiß er nichts davon? Dann ist dein Blog unglaubwürdig.

  4. annaprinzip hat kommentiert:

    @koc und die anderen beiden:

    Wer esperames Artikel “Tits – to have or have not” gelesen hat, weiß sicherlich, dass die Gute alles andere als flach ist ;-)

    Zu diesem Artikel (ich denke, du beziehst dich auf den Artikel und nicht den kompletten Blog) wird esperame sicherlich auch noch etwas sagen, da sie ihn geschrieben hat. Lustig, dass du voraussetzt, dass sie einen Freund hat. Who knows…vielleicht hat sie einen, der dabei zuschaut, wie sie seinen besten Kumpel beglückt? Oder hat sie vielleicht gar keinen? Who know…vieles ist möglich, vieles nicht. Was mich zur Zeit dermaßen aufregt ist die verquere Moralvorstellung, die viele haben: Wird z.B. eine offene Beziehung gelebt, schreien alle “Was, du gehst mit jemand anderem ins Bett, während du deinen Freund/Freundin liebst? Das geht doch gar nicht!” Aber wenn mal einer fremdgeht, es bereut und reumütig beichtet, ist alles i.O. “Kann ja mal passieren….” Häh?

    Auf jeden Fall Danke für eure Kritiken! Die 1-Wort-Kommentare könnten länger sein, aber ihr habt sicherlich eure Gründe, warum ihr nicht ausführt, was euch an esperames Artikel nicht gefallen hat.

    Liebe Grüße,
    Bride

  5. koc hat kommentiert:

    Sorry, ja es ging um den Artikel.

    Es geht mir dabei nicht darum, irgendwelche verstaubten Moralaspekte zu diskutieren.

    Beim Fremdgehen gibts eben immer einen Partner, der betrogen wird, wenn man keine offene Beziehung führt. Ist halt die Frage, ob es dem gegenüber fair ist fremdzugehen. Wird auch darauf ankommen welche Art Beziehung mit welchen Regeln vereinbart wurden.
    Kann sein, daß es Dich nicht interessiert weil es seine Freundin ist, das müßte dann der Kerl mit sich und ihr ausmachen.

    Aber man muß sich auch immer die Frage stellen, wie man selbst reagieren würde, wenn der eigene Partner fremdgeht.
    ICH würde nicht positiv reagieren, meine Frau auch nicht, ziemlich wahrscheinlich hätte unsere Beziehung danach zumindest einen ziemlichen Knacks, wenn sie nicht direkt beendet wäre. Vielleicht ein Fehler im IG, ich weiß nicht.

    Das Esperame einen Freund hat, habe ich aus dem Satz ” Der beste Freund ihres Freundes. ” herausgelesen. Wenn das falsch war, tuts mir leid.

  6. Grissu hat kommentiert:

    Hallo esperame,

    jeder Mensch hat seine eigenen Moralvorstellungen. Dazu kommen sicherlich die jeweiligen Lebenumstände, welche schnell dazu beitragen können, dass sich diese Vorstellungen verschieben.

    Was mir an diesem Blog mißfällt ist der letze Absatz.

    “Alles ist gut so, wie es ist.
    Bereue nur das, was du nicht getan hast.”

    Es klingt für mich nach einer allgemeingültigen Entschuldigung, dass man machen kann, was immer mann/frau will und niemals etwas bereuen sollte.

    Ich habe dazu auch einen Grundsatz: Meine Freiheit zu tun, was ich will, hört da auf, wo ich die Freiheit eines anderen Menschen einschränke. Würden wir nicht nach solchen Grundsätzen leben, würde die Welt in Anarchie verfallen.

    Ich glaube jedenfalls an die Treue in einer Beziehung. Anderenfalls wäre sie von vornherein ein sinnloses Unterfangen.

    Gruß
    Grissu

  7. annaprinzip hat kommentiert:

    Lieber koc:
    Deine Kritik in allen Ehren, aber dazu zwei Punkte.
    - Verwechsle nie den Autor mit seinen Figuren … wo “sie” steht, ist nicht unbedingt “ich” gemeint.
    Vielmehr sind die kleinen Szenen eine Reminiszenz an eigene Erfahrungen, aber auch an die anderer.
    Ich spreche hier ganz allgemein über das Thema – und zwar aus der Position heraus, einiges in der Richtung erlebt zu haben, oder Leute zu kennen, die sowas erlebt haben.
    - Nur weil eine Wahrheit unangenehm ist, macht sie das nicht weniger wahr.

    Was mich zu dir bringt, lieber Grissu:
    Treue ist eine schöne Sache, um daran zu glauben.
    In der Realität ist sie allenfalls eine temporäre Angelegenheit, und mit dieser Tatsache sollte man sich zumindest mal auseinandergesetzt haben. Natürlich ist es nicht schön, betrogen zu werden.
    Aber es wird passieren, genauso wie man selbst irgendwann in so einer Situation steckt.
    Kommt in den besten Beziehungen vor – und trotzdem spricht das nicht gegen Beziehungen an sich … schließlich sollte man noch mehr gemeinsam haben als die Ansicht, sexuelle Exklusivität garantiert zu haben.

    Ich empfehle hierzu nachdrücklich die Lektüre von “Sperm Wars” (Robin Baker). Da wird so einiges klar.

    Herzliche Grüße
    Esperame

  8. ksena hat kommentiert:

    Hallo!

    Interessante Diskussion! Ich stimme esperame zu – im Alltag wird in einer Beziehung der Sex gewisse Verluste erleben, egal wie kreativ und offen die Partner sind. Die Sehnsucht nach dem Kribbeln im Bauch wird geweckt, bei jedem. Die einen unterdrücken es und sind sicher nicht glücklich, die anderen handeln – ob offen oder heimlich. Tatsache ist, verbotene Früchte sind nochmal so spannend. Und Hand auf’s Herz: wer möchte schon jeden Tag sein Lieblingsessen zu sich nehmen (probiert es mal aus, ich kenne jemand der es probiert hat und genau dieses Essen nicht mehr anrühren kann), vor allem: wer hat nur eine Lieblingsspeise. Warum hat gerade Sex diesen Ausschließlichkeitsanspruch? Weil es so viel Spaß macht? Man Seiten an sich zeigt, die der “Öffentlichkeit” verborgen bleiben? Und man möchte, dass der geliebte Mensch das ebenfalls tut – ebenfalls wegen dem Ausschließlichkeitsanspruch, oder Besitzanspruch? Freiwillig jemand die Treue zu schenken, weil man nichts anderes möchte und glücklich ist, freiwillig bei jemandem zu bleiben, weil man nichts anderes möchte, ist meiner Ansicht nach das höchste Geschenk. Und ich für meinen Teil möchte, dass mein Partner genauso handelt. Wenn er dafür anderes ausprobieren möchte, umso ehrlicher und tiefer kann die Beziehung sein. Oder es ist eben nicht “die” Beziehung für immer, sondern ein wunderschöner Abschnitt. Ich hatte mit einem Mann (so habe ich das betrachtet) 4 Jahre einen One-Night-Stand, wir waren super glücklich. Bis wir zusammengezogen sind und es dann die Beziehung “für immer” sein sollte. Heute ist er mein bester Freund und wir hatten definitiv den besten Sex, übrigens immer dann, wenn wir uns innerhalb der Beziehung auch anders orientiert haben. Nur die Eifersucht war anfänglich etwas schwer zu handhaben. Wir haben es geschafft und haben uns dann getrennt. Er war für mich der beste Beziehungscoach und seither frage ich weder nach Treue noch nach dem nächsten Wiedersehen. Lieber bin ich eine Lieblingsspeise, die Mann genießt (und umgekehrt), wenn der Appetit am größten darauf ist. Und wenn ich dabei (freiwillig) auf Platz 1 lande, schön! Und wenn ich niemand als nur den einen möchte, schön. Treue ist ein frei gegebenes Geschenk und funktioniert meiner Ansicht nach nicht, wenn es gefordert wird.

    So, Roman Ende :-)

    Liebe Grüße
    Ksena

  9. TryMe hat kommentiert:

    Meines Erachtens vermischst du Ethik und Moral.
    Vielleicht taeuscht das, lies selbst nach:
    http://forum.progressive-seduction.com/index.php?s=2b43f72fc4e93e19626e090c8b5906d4&showtopic=19671&st=0

    Mit diesem Artikel reduzierst du ausserdem den Menschen zum Tier. Wir haben letzteren eine entscheidende Moeglichkeit vorraus, die Gabe der Vorraussicht. Wir koennen langfristig planen, entsprechend agieren und unsere Erfolge dadurch erhoehen – gluecklicher sein und Unglueck vermeiden.
    Es ist durchaus nuetzlich im Jetzt zu leben und seinen Gefuehlen sehr genau zuzuhoeren, ihnen jedoch volle Kontrolle zu geben geht zu weit.
    Schwarz und Weiß sind die Pole auf der Moeglichkeitenskala…

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