Kategorie: Allgemein

Jo die Mädche he us Kölle wesse immer wat se welle.
Su e Mädche muss do han, jo dann bes do glöcklich draan.
Jo dä Mäche he us Kölle, dänne kanns do nix verzälle.
Su e Mädche he vum Rhing, dat lurt dir en et Hätz eren.

Ich stehe auf dem Altermarkt im Gedränge. Eine Gruppe versucht, sich an mir vorbei zur Absperrung zu quetschen. Mit grimmigen Gesichtern bahnen sie sich ihren Weg durch die jubelnde und trubelnde Menge. Es ist eng, es ist warm, und die meisten haben schon das sechste oder siebte Kölsch hinter sich gelassen. Flaschen. Nicht Gläser.
Ich will helfen: „Hey, ihr kommt da vorne nicht weiter, da ist ein Gitter”  und bekomme die Antwort „Ey, wat willste? Laber mich hier nicht an du Clown. Geh weg, sonst…”
Ich kann jetzt zurückstänkern. Ich kann ihm Bier über den Kopf schütten. Ich kann ihm in die Seite boxen und mich herausreden, dass es im Gedränge aus Versehen…

Aber ich kann auch einfach lächeln. Und fragen: „Hey, hat dich heute schon einer gebützt? Du siehst so aus, als würde ich dich bütze wollen.”  …und lächeln. Und weiterlächeln.
Es ist eine Gratwanderung zwischen der ersten Schlägerei aufgrund betrunkener Karnevalkiddies, die die 5. Jahreszeit im Jahr als Entschuldigung für absolut alles annehmen oder einem Erlebnis, das mir mal wieder zeigt: So wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

Oder wie es schon der weise Badboy auf der Aachener Pick Up Konferenz betonte: Eine Aktion erzeugt eine Reaktion. Positive Energie erzeugt positive Energie im Umfeld. Und genauso verhält es sich natürlich mit negativer Energie. Ein einfacher physikalischer Grundsatz abgewandelt angewandt auf die Verführungsgeneratoren des zwischenmenschlichen Kraftwerks.

Er ist ein Junge, ich ein Mädchen. Das sind grundlegenden Faktoren dieses Zusammentreffens. Und das kann ich nutzen. Ich lächel und strahle die positive Energie aus, die am 11.11. einfach in jedem Kölschen Herz wohnt. Er guckt – irritiert. Und guckt. Auf die Gefahr hin, dass er nun mir seinen Jägermeister über den Kopf oder in den Ausschnitt schüttet, setzt ich zum Bützje an und gebe ihm einen fetten Schmatzer auf die Wange. Sichtlich verwirrt, aber mit dem Anflug eines Lächelns, geht er weiter. Am Gitter kam er trotzdem nicht vorbei…aber das ist eine andere Geschichte.

Öffne dich und du wirst geöffnet. Bei uns Frauen doppeldeutiger denn je.

Das Energiepotential, das in dir schlummert, trägst du nach außen. Sei es positiv – sei es negativ. Sei es offenherzig oder verschlossen.
Ich bin ein offener Mensch. Offener als viele denken. Emotional offen. Das kann nach hinten losgehen, das ist jedem bewusst, der schon einmal verletzt wurde.
Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass Offenheit – auch, wenn sie zunächst einseitig ist – Offenheit hervorruft. Im Umfeld bei Freunden, bei dem Partner, bei Arbeitskollegen. Ich spreche nicht von der Offenheit, die die Grenzen mancher sprengen würde, weil man eben nicht jedem erzählen muss, wie, wie lang und vor allem wie oft der Angebete letzte Nacht mit seinem großen-kleinen-normal großen, usw. mich beglückt hat.
Ich spreche von der ehrlichen Offenheit, die dem Gegenüber einen Blick ins Innere des Annauniversums erlaubt.

Man muss einiges riskieren, um zu gewinnen. Riskieren, verletzt zu werden. Riskieren, gegen eine Wand der Gefühlskälte zu laufen. Riskieren, dass die Offenheit einseitig bleibt.
Aber das ist es wert.

Viele Menschen tragen Masken. Nicht nur im Karneval. Das ist völlig in Ordnung. Mit diesen Masken schützen wir uns vor den Verletzungen des Alltags.
Der Versuch, diese Masken mit Gewalt herunterzureißen, geht meist nach hinten los.

„Nun sag doch mal, was du denkst”
„Was fühlst DU denn?”
„Hast du denn darüber noch nie nachgedacht?”
„Wie siehst du das denn mit uns?”

Ich sage, was ich denke.
Ich sage, was ich fühle.
Ich sage, worüber ich nachdenke.
Ich sage, wie ich das mit uns sehe.

Ich erwarte keine Antwort. Das ist manchmal schwer, da ich ein Mädchen bin. Und neugierig noch dazu. Aber es ist gut. Ich sage nichts, damit ich eine Antwort bekomme. Ich bin offen, weil ich offen sein will. Fast ein wenig egoistisch. Der Egoismus der eigenen Gefühle. Wer nicht mitziehen möchte, muss das nicht. Früher oder später aber wird Offenheit mit Offenheit belohnt.

Denn ich glaube fest an das Drittes Newtonsche Gesetz des Reaktionsprinzips:
„Kräfte treten immer paarweise auf. Übt ein Körper A auf einen anderen Körper B eine Kraft aus (actio), so wirkt eine gleichgroße, aber entgegen gerichtete Kraft von Körper B auf Körper A (reactio).”

Das gilt auf dem Altermarkt, das gilt in der Verführungswelt und das gilt auch im Annauniversum.

In diesem Sinne: Et kütt, wie et kütt…

The Bride

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3 Kommentare to “Blotwoosch, Kölsch un e lekker Mädche – oder: Die positive Energie der Pappnase”

  1. Kitejunkie hat kommentiert:

    Sehr schön und treffend geschrieben.

    Die Kombination aus aufrichtiger positiver Energie und Ehrlichkeit wirkt unwiderstehlich auf Menschen.
    Man wundert sich, für welche Dinge Menschen Verständnis aufbringen wenn sie merken, das Gegenüber ist ehrlich überzeugt und positiv. Das meine ich im allgemeinen und im speziellen auf Frauen bezogen.

    Da kannst Du spießigen Arbeitskollegen von esotherischen Erlebnissen mit indischen Avataren, oder begeistert von alterniven Höhlenurlaub ohne jeglichen Sanitären Annehmlichkeiten berichten und keiner hält Dich für gestört. Denn Du lächelst aufrichtig, Deine Augen strahlen die positive Energie in die Welt die durch das Erlebte in Dir angeregt ist, Deine Ausstrahlung bebt mit einer Frequenz die jede Mißgunst hinweg fegt.

    Positiv sein rockt, Dich und andere!

    So long keep smiling,

    Kitejunkie

  2. annaprinzip hat kommentiert:

    Warum sind wir eigentlich keine Naturwissenschaftlerinnen geworden, Schwester? Das möcht ich wirklich gerne wissen …

    … allein die Experimente wären es wert gewesen :)

    E.

  3. The Fogger hat kommentiert:

    Sehr schön erklärt, das war mir bisher so nicht bewusst.
    Da merkt man erst mal wieder, wie geschickt manche Frauen doch sind.
    Du hast Recht, ich bin auch viel eher dazu bereit, mich zu öffnen, wenn es jemand “vormacht”, sich zuerst öffnet.
    Es fällt einfach viel leichter, man fühlt sich nicht bedrängt.

    Ich denke, es ist auch für Männer kein schlechtes Ziel offen zu sein, deswegen werde ich auch verstärkt darauf hinarbeiten.

    Vielen Dank :)

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