Kategorie: Outer Game
Du stehst so da, wie du dastehst.
28. November 2008

Nasser Sack, Schluck Wasser in der Kurve.
Hängende Schulter, verspannter Nacken, Doppelkinn.
Hohlkreuz, Buckel, durchgedrückte Knie.
Die Liste ist so endlos wie unattraktiv.
Dass wir nicht genug Bewegung haben, dass Schreibtische und Bürostühle Gift sind, egal wie ergonomisch, das ist Konsens.
Dass das auch eine direkte Auswirkung auf unsere Optik, unseren Erfolg und sogar unsere Persönlichkeit hat, wird lieber unter den Tisch gekehrt.
Niemand will sich von einem nassen Sack verführen lassen, einem Mann mit Sesselpuper-Hintern, der auf dem Sofa die Beine übereinander schlägt, das Kinn nach oben reckt und mit schlaffen Fingern nach seinem Glas greift.
Es muss auch nicht der schneidige Soldat sein, dessen Muskeln nicht eine Sekunde an Spannung verlieren und der selbst im Sitzen jeden Moment so wirkt, als könnte er in der nächsten Sekunde aufspringen und sein Land verteidigen, nötigenfalls mit einem Kaffeelöffel.
Zwischen den beiden Extremen steht man nach Möglichkeit im Leben. Unangestrengt, aufrecht, bewusst, auf beiden Beinen.
Nicht so einfach, wie es klingt – nicht so schwer zu lernen, wenn man weiß wie.
In 5 Schritten vom Existieren zum Da-Sein.
- Stehe auf deinen Füßen. Und zwar auf den Kanten und den Ballen. Mach dir bewusst, dass das Fußgewölbe dazu da ist, von Muskeln gestützt zu werden, nicht auf den Mittelfußknochen aufzuliegen. Verlagere das Gewicht auf die Außenseiten, lass dich dann langsam auf Fersen und Ballen herab.
- Jetzt werden sich automatisch dein Fußknöchel in eine gerade Position bringen, die Knie leicht nach außen kehren und die Oberschenkel ebenfalls. Nimm wahr, wie sich auch der untere Rücken aktiviert und du einen Zentimeter größer wirst, indem du dich aufrichtest.
- Jetzt ist der Beckenboden dran. Als Zentrum unseres Körpers völlig vernachlässigt, ist die Aufgabe der Beckenbodenmuskulatur eigentlich, den Rumpf in korrekter Position auf den Beinen zu halten, egal ob man sich mal vorbeugt, in die Knie geht und läuft. Ist der Beckenboden schwach, wirkt sich das direkt auf die Lendenwirbelsäule aus. Wie es sich anfühlt, wenn der Beckenboden „hält” (also nicht absichtlich angespannt oder entspannt ist), lässt sich am einfachsten so herausfinden: Hinsetzen und kräftig Husten. Alles, was sich jetzt im Unterleib aktiviert, um etwaige Flüssigkeitsausscheidungen zu verhindern, ist der berühmte BB.
- Zu einer Grundspannung der Rumpfmuskulatur kommen entspannte Schultern. Angezogene, hochgezogene Schultermuskulatur wirkt verklemmt, abfallende Schultern wirken schlaff. Am leichtesten ist eine gute Haltung zu erreichen, in dem man die Schultern einmal bis zu den Ohren zieht und dann fallen lässt. Das ist ihre natürliche Position.
- Zuletzt der Kopf. Das Kinn ein wenig anziehen (nicht an den Hals pressen, nein, aber eben auch nicht vorrecken und dabei den Kopf in den Nacken legen). Zugleich den Scheitelpunkt, also den Mittelpunkt des Schädels, wie mit einem Faden an die Decke hängen. Bildlich natürlich!
Klingt selbstverständlich? Schön!
Klingt kompliziert? Ganz und gar nicht.
Der Trick liegt darin, sich immer mal wieder über seine Körperhaltung bewusst zu werden und sie zu „korrigieren”. Denn das Stehen ist der Grundstein zur Körpersprache, zur Gestik, zur Mimik, zur gesamten Außenwirkung. Wer nicht stehen kann, kann nichts bestehen.
Sei da, wo du bist.
Eine aufmerksame Körperhaltung, ein bewusstes Stehen, beeinflusst unser Leben im Moment. Und umgekehrt: Wer schon an später denkt, was er gleich tun wird und wo er noch hinwill, steht eben auch nicht auf seinen sprichwörtlichen beiden Beinen im Leben.
Wer sich aber die Zeit nimmt, vorzugsweise mit einem anderen, seine Haltung zu überprüfen und die neue Körperspannung einfach mal anzuwenden, kann ganz erstaunliche Resultate erziehlen. Vor allem eine ganz neue Außenwirkung, aber auch eine ganz neue innere Haltung.
Esperame.















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28. November 2008 um 22:40
Moin,
der Effekt von Präsenz/ Gegenwärtigkeit, der dazu führt dass man von anderen wahrgenommen wird hat aber wenig damit zu tun, ob man aufrecht steht oder zusammengekauert. Der Effekt tritt dadurch auf dass man sich seines Körpers bewusst ist, also geistesgewärtig, vollkommen im Moment lebt, dass ist eine Art meditativer Zustand in dem man eine größere Aura (Präsenz) erreicht.
Peace.
28. November 2008 um 23:16
@kevin0005:
Dann versuch mal, mit einer schlechten Körperhaltung präsent und gegenwärtig zu wirken. Schlechte Haltung und schlechtes Körperbewusstsein bedingen sich gegenseitig. Die Arbeit am einen führt zur Arbeit am anderen. Et vice versa.
E.
29. November 2008 um 10:07
Guter Artikel. Der Aufwand permanent an seiner Körperhaltung zu arbeiten und zu verbessern bringt sehr viel. Die geistige Präsenz ergänzt das Ganze so daß Charisma entsteht. Daher stimme ich E. zu, das eine ohne dem anderen bringt wenig.
29. November 2008 um 11:07
Und wie muss ich meine Genitalien halten?
Schöner Blog!
Scholli
29. November 2008 um 17:19
@ E. und Vincent:
Stimme dem nicht zu.;)
Ja, ich kann präsent sein mit “schlechter” Körperhaltung. Es geht ja auch nur darum, ob man sich seines Körpers bewusst ist. Ob man sich bewusst zusammenkauert oder bewusst aufrecht geht ist dabei egal (zumindest für das “Energiefeld”/ Aura die man ausstrahlt. Das Ganze kann man auch dadurch erreichen, dass man seine Atemzüge beobachtet (auch meditativer Zustand).
Ich bemerke es oft genug, dass Leute die mit dem Rüpcken zu mir stehen, also garnicht meine Körperhaltung sehen können, sich zu mir umdrehen. Das ist der Effekt von hoher Präsenz.
Wobei ich meine Präsenz auch sicherlich durch den Tipp aus Pu Foren, doch mal auf meine Körpersprache zu achten, erlangt habe. Später ging das dann noch weiter Richtung Gefühle und Gedanken beobachten, da wird man dann noch präsenter.
Peace.
30. November 2008 um 17:16
klingt echt gut. Wer dazu mehr Infos braucht kann ich die Bücher von Samy Molcho ans Herz legen…
Weiter so Esperame!
Ciao
TomBoy
2. Dezember 2008 um 11:45
Körper und Geist beeinflussen sich permanent und das stärker als uns bewusst ist. Eine gesund Körperhaltung sieht nicht nur gesund aus sondern stützt den eigenen Charakter auch von innen.
2. Dezember 2008 um 14:18
Ich empfehle noch das Buch “Der aufrechte Mensch” (http://www.amazon.de/aufrechte-Mensch-m-Audio-CD-%C3%9Cbungskarten/dp/3720521494). Super 30-Tage-Programm für eine lockere, aufrechte, entspannte Haltung. Es besteht u.a. aus einer Kombination aus Feldenkraismethode, Rolfing und Alexandertechnik.
9. Dezember 2008 um 14:10
Ich war lange ein Computermensch. Das hat mich zum Rundrücken gebracht.
Ähnlich wie oben beschrieben habe ich auch meine Körperhaltung korrigieren können (und natürlich auch durch Sport).
Zuletzt hat es geholfen die Körperhaltung mit der eigenen inneren Haltung überein zu bringen (was ja schon gesagt wurde), wer aufrecht steht ist aufmerksam und hält ausschau; ich meine man ist nie größer, als wenn man jemandem verloren hat und nun ausschau nach ihm hält.