Kategorie: Inner Game

High energy … your love is lifting me!

Sabine kocht Mittagessen, und mit einem Ohr ist sie beim SMS-Ton. Der nicht kommt. Sabine sitzt in der Vorlesung, und wartet jede Minute auf das erlösende Vibrieren in ihrer Tasche. Seit drei Tagen denkt sie an nichts anderes, und es passiert nichts. Kein Anruf, keine Mail, keine SMS.
Neulich war sie mit diesem Typ Kaffee trinken, und es war wirklich nett, das hat er auch gesagt, hey lass uns das bald mal wiederholen, sagte er und sie hat gestrahlt und sich gefreut. Und jetzt meldet der Arsch sich nicht, obwohl er es versprochen hat. Aber nochmal wird sie sich auch nicht melden, denkt sie finster, als sie sich mit einem Kakao vor den Fernseher verzieht. Ganz sicher sogar nicht, das wär ja noch schöner. Sie schaltet weg von Greys Anatomy, was eigentlich ihre Lieblingsserie ist, und schaut sich statt dessen lieber eine Dokumentation über Sibirische Schlittenhunde an. Weil sie den ganzen Herzschmerz heute selber nur schlecht erträgt. Erst das mit Uwe und jetzt schon wieder so ein Männermist.

Am Ende, das vergisst man schonmal leicht, geht es nur um die Energie. Die eigene, die der anderen, die zwischen den Menschen. Energie, das ist das, was du jemandem gibst, wenn du an ihn denkst, wenn du bei ihm bist, diese Verbindung hast …
Du denkst an jemanden, und in genau dem Moment meldet er sich. Das ist die Energie, das ist die Verbindung zwischen euch, die man nicht sehen kann, aber spüren, wenn man drauf achtet.
Oder so: Du fühlst dich schlecht und keiner ruft dich an und niemand will sich mit dir treffen? Das ist auch die Energie. Die fehlende, vielleicht.
Oder aber so: Dein Exfreund meldet sich in genau dem Augenblick, wo du dich auf einen anderen Typen konzentrierst? Weil du in dem Moment die Energiezufuhr kappst, mit der du ihn bisher versorgt hast. Du änderst etwas in der Dynamik und alles dreht sich.

Nur, weil wir es nicht sehen können, heißt es nicht, dass es nicht da ist.
Wenn wir eine Steckdose aufschrauben kriegen wir auch schlimmstenfalls einen Schlag, aber wir können den Strom nicht sehen. Trotzdem ist er da – Stecker rein, Licht an.

Es gibt diese Tage, da sitzt man zuhause und wartet. Hat zig SMS geschrieben, hat versucht, Leute zu erreichen, irgendwas. Aber eigentlich ist man schlapp, abgespannt, müde. Eigentlich hat man kaum Kraft für sich selbst, schlechte Laune … wie bei einer leeren Batterie.
Und es kommt: Nichts.
Weil die Menschen das spüren, die leere Batterie, das niedrige Energielevel.

Und dann gibt es diese Tage, da läuft es rund. Die Sonne scheint, man hat dieses Kribbeln im Magen, man wacht früh auf, noch vor dem Wecker, ganz ohne Grund. Und kann sich den ganzen Tag vor Blicken nicht retten, vor Verabredungen, alle wollen einen, die Energie ist hoch und wird mit jedem guten Erlebnis noch mehr.

Man kann andere nicht ändern, nur sich selbst.

Man kann auch andere nicht dazu bringen, sich zu melden oder zu reagieren.
Was man aber tun kann, ist das eigene Energieniveau beeinflussen. Das Niveau und auch die Flussrichtung.

Vermeide Fernsehen und Computerspiele. Keine Tätigkeit hat ein so niedriges Energielevel wie Fernsehen, es ist Gift für die Seele. 5, 6, 12 Stunden vergehen, ohne dass du es bemerkt hast, und am Ende hast du nichts getan und fühlst dich zugleich leer und voller Lärm. Versuch es lieber mit Sport, aber nicht mit Gewichten. Gewichte machen dich nur träge. Tu etwas, was dich frei macht, Rennen, Radfahren, Schwimmen. Irgendwas, was den Kopf lüftet und den Geist auch.
Lache, so oft und so viel du kannst.
Denk so wenig wie möglich darüber nach, was morgen passiert. Sorgen ändern ohnehin nichts am Geschehen.
Verschwende keine Kraft an leerlaufende Baustellen. Was passieren wird, wird passieren, auch wenn du nicht die ganze Zeit darüber nachdenkst. Verschwende keine Aufmerksamkeit an Energievampire, die immer nur wollen aber niemals etwas zurückgeben. Die sich immer nur melden, wenn es ihnen schlecht geht, aber nie, um mal zu hören, was du so machst.
Und das wichtigste: Sei offen für alles.

Das sagt sich Sabine nach vier Tagen sinnloser Warterei auch. Scheiß doch auf die SMS, sagt sie laut. Und schaltet ihr Handy ab. Überhaupt, fällt ihr grade auf, ist das Wetter ungewöhnlich mild und sonnig für die Jahreszeit. Der richtige Tag, um rauszugehen, der richtige Tag, um den ganzen Mist mit den Männern zu vergessen … und sofort bessert sich ihre Laune, sie merkt es selbst, überrascht. Sie kann es förmlich spüren, wie ihre Gesichtsmuskeln sich entspannen. Ich will lieber gar nicht wissen, wie ich die Tage ausgesehen habe, denkt sie. Biestig wahrscheinlich. Ich hätte mich auch nicht angerufen.

Als sie im Park um eine Ecke biegt, stolpert sie fast über ihn. Hey so ein Zufall, sagt er und grinst sie schief an. Ich hab eben versucht, dich anzurufen. Sorry … ich hatte echt Stress die Tage, wollte mich ja schon viel eher melden. Alles okay bei dir, dein Handy war aus …
Sie lacht. Ja klar. Ich hatte eh zu tun … kein Ding. Kaffee?

Esperame.

Thanks for all, badboy. Amog me!

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3 Kommentare to “Die Physik des Zwischenmenschlichen. Oder: Energieerhaltungssatz, mal anders.”

  1. miedziana hat kommentiert:

    Hallo Anna!
    Ein toller Text in Anlehnung an den Vortrag von Badboy.
    Es ist etwas, was ich schon seit langem sage, was von den meisten aber in die Esoterik-Ecke geschoben wurde.
    Auch ein interessanter Aspekt den ich in der Vergangenheit bei mir und meinen Freundinnen beobachtet habe: Sobald es Streit mit dem Freund gibt, melden sich plötzlich alle möglichen Exfreunde, als würden sie ihre Chance wittern. ;-)
    LG
    Magdalena

  2. TomBoy hat kommentiert:

    Super…
    Eine klasse Idee, physikalische Gesetzgebung mit dem Zwischenmenschlichen zu verbinden.
    Was ich extrem wichtig finde, ist des Zitat: Sei offen für alles.

    Weiter so Esperame

    Ciao,
    TomBoy

  3. KittyCat hat kommentiert:

    Super Beitrag!
    Fasst nochmal das in Worte, was mir selber erst vor Kurzem bewusst geworden ist.
    Man sollte sich nicht auf etwas fixieren, auf etwas warten, denn warten (wie fernsehen, vorm Computer sitzen, also nichts tun) senkt den Energielevel und man fühlt sich danach schlapp und – unkommunikativ.
    Anstatt auf eine SMS zu warten beispielsweise, sollte man etwas unternehmen, die Zeit nutzen. Der Energielevel bleibt hoch, die Zeit vergeht schneller, bis die SMS eintrudelt.
    Da gibt’s allerdings eine Frage, die sich dann für mich stellt:
    In The Secret (ich weiß nicht, ob ihr den Film kennt) heißt es, wenn man etwas in Gedanken “anfässt” (in diesem Falle an die SMS denkt, sich vorstellt, wie sie ankommt) dann geschieht dies auch. Für mich steckt hinter dem Film jede Menge Wahrheit,da er somit sagt, man soll positiv und nicht negativ denken. Aber überschneiden sich beide Ansichten (die im Film und die in eurem Beitrag) in dem Beispiel mit der SMS nicht? Der Film sagt, man solle positiv dran denken, ihr sagt, man solle nicht warten, nachdenken, sondern aktiv was unternehmen.
    Nur eine Frage, die sich mir grade stellt.
    Schreibt auf jeden Fall weiter, denn ich lese immer gerne mit.

    Grüße,
    KittyCat

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