Kategorie: Inner Game
Jäger & Sammler – warum die Kirschen in Nachbars Garten immer saftiger sind als die eigenen
2. Dezember 2008

She came to me one morning, one lonely sunday morning
Her long hair flowing in the midwinter wind.
Am Anfang ist alles gut. Aufregend. Neu. Adrenalin.
Und irgendwann meldet sich die kleine Stimme, die sagt: Alt. Langweilig. Anstrengend.
Und das ist genau der Punkt, an dem man sich fragt, ob die Kirschen in Nachbars Garten nicht doch den eigenen vorzuziehen sind. Wir kennen den Körper des anderen, haben unsere Hot Pieces – Beine, Bauch, Brüste, und wir wissen, was uns erwartet, wenn wir die Kirschen aus der Verpackung nehmen. Immer wieder. Immer dasselbe.
„Neuropsychologisch betrachtet sucht unser Gehirn ständig nach neuen Erfahrungen” sagt die Verhaltenstherapeutin Simona Vlajkokv vom Stuttgarter Institut für Kognitives Management.
Soso. Sagt sie. Und weil viele von uns zu unkreativ, zu faul oder einfach zu langweilig sind, diese neuen Erfahrungen in der eigenen Beziehung - beim alten Anderen statt beim Neuen - zu suchen, sind dies oft die Momente, an denen eine Beziehung der Einfachheit halber beendet wird. Game over. Ich könnte jetzt mit Phrasen wie „schnelllebige Zeit”, „so viel auszuprobieren”, „andere Mütter haben auch schöne Söhne/Töchter/Kirschen” um mich werfen. Mache ich aber nicht. Denn es bringt uns an dieser Stelle nicht weiter.
Wer sich ausprobieren will, tut dies. Gerne und oft und auch immer wieder.
Ich habe es gemacht – gerne gemacht. Aber da es für alles irgendwann den richtigen Zeitpunkt gibt, bin ich in diesem Moment froh, mich nicht mehr ausprobieren zu wollen. Zumindest nicht auf die Art, die den Weg in Nachbars Garten notwendig macht.
Ich will mich ausprobieren, aber in der eigenen Obstschale.
Und wer ein wenig Kreativität, Neugier, Entdeckergeist und vor allem Mut zum Selbst hat, der kann dies ebenso genießen, wie das Wildern da draußen.
Was hilft also?
Auch hier hat Frau Vlajkokv etwas zu sagen: „Vor allem eine erfüllende, abwechslungsreiche Tätigkeit, damit das Gehirn sich mit Neuem beschäftigen kann.”
Und hier stimme ich ihr zu.
Sei es der Sex – diese drei Buchstaben sind eigentlich eine minderwertige Beschreibung dessen, was in diesem kleinen Wort stecken kann.
Sei es das Reisen – mit und ohne den Partner. Denn in beiden Konstellationen erhält man die verschiedensten Möglichkeiten, fremde Kulturen und Menschen zu erleben.
Sei es der Club – auch hier sind alle denkbaren Konstellationen möglich. Denn wer noch nicht erlebt hat, was es heißt, sich verstohlene Blicke beim Tanzen zuzuwerfen, die für Außenstehende alles oder nichts bedeuten können; wer noch nicht erlebt hat, wie cool es sein kann, mit einem Partner neue Leute kennen zu lernen und sich die Bälle im Gespräch zuzuwerfen, sollte dies mal ausprobieren.
Sei es einfach mal etwas ganz neues – niemand kann von sich behaupten, alles erlebt zu haben.
Neue Erfahrungen rütteln uns wach, neue Erlebnisse verbinden uns.
Wenn du nicht mehr das Gefühl hast, du könntest etwas verpassen.
Wenn du nicht mehr das Gefühl hast, die anderen könnten dir mehr bieten.
Wenn du nicht mehr das Gefühl hast, dass Sex mit vorwiegend einer Person dich nicht erfüllt und du einfach da raus musst, um zu jagen und deine Obstschale stetig aufzufüllen, damit du dich gut fühlst.
Dann bist du angekommen.
Dann vertraust du dir, dass du schon die richtige Entscheidung triffst – und getroffen hast.
Denn wenn du irgendwann wieder das Gefühl hast, dass die Kirschen in deiner Obstschale schrumpelig und nicht so leuchtend rot wie die in Nachbars Garten sind, dann kannst allein du entscheiden, ob du deine eigenen Kirschen aus der Obstschale isst und die Kerne einpflanzt, um neue Kirschen zu bekommen oder ob du einfach rüber gehst in Nachbars Garten und am Baum schüttelst, um die frischen, saftigen und vor allen die noch nicht gekosteten Kirschen mit nach Hause zu nehmen.
Oh lady lend your hand outright and let me rest here at your side
Have faith and trust in peace she said
And filled my heart with life
The Bride















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2. Dezember 2008 um 17:44
My labour is no easier
But now I know Im not alone
I find new heart each time
I think upon that windy day
Ich glaub genau dieses Verhalten von mir hat meine aktuelle Beziehung stark angekrazt… Naja, irgendwie muss mans ja schließlich lernen. ;`) Hättest den Artikel mal vor 3 Monaten geschrieben.
Grüße
3. Dezember 2008 um 14:42
hehe allerdings
sehr feiner artikel!
5. Dezember 2008 um 15:16
Ja, es gibt eine Zeit für alles, auch für die Ernte in Nachbars Garten.
7. Dezember 2008 um 19:34
Das kenne ich sehr gut… ich habe auch lange genug experimentiert und in Nachbars Garten geschielt…
Seit langer Zeit bin ich aber angekommen – bei mir selbst – und weiß was die eigene Beziehung zu bieten hat.
Es fehlt mir nur noch der passende Mann dazu…