Kategorie: Inner Game

The time will come to be blessed.
A heart away.
To celebrate his loneliness.

Allein sein. Für viele ein Graus, für viele ein Alptraum.
Alleine zu Hause sitzen. Nicht wissen, was tun. Nicht wissen, was denken. Nicht wissen, was kommt.

Sich ständig mit Menschen umgeben, unterwegs sein – mit Freunden. Nie allein. Nach Hause kommen, die Wohnungstür hinter sich schließen und… Ja, und dann?
Allein sein. Irgendetwas fehlt; die Interaktion, der rasante kommunikative Schlagabtausch, das Ablenken von sich selbst.

Viele können nicht allein sein, wollen immer umgeben sein von Menschen. Langweilen sich allein zu Hause, wissen nichts mit sich selbst anzufangen.

„Wie, du warst alleine im Kino?”
„Wie, du gehst alleine in den Park? Ist das nicht langweilig?”
„Warum bleibst du denn am Wochenende alleine zu Hause?”
„Alleine? Bist du krank?”

Das Positive am Alleinsein erschließt sich ihnen nicht.

Vielleicht liegt es an ihrer Unfähigkeit, etwas mit sich selbst anzufangen;
Vielleicht ist es die Angst vor den Gedanken und Gefühlen, die beim Beschäftigen mit dem eigenen Ich zu Tage gefördert werden;
Vielleicht sind es Gefühle des Einsamseins – ein negativ empfundenes Alleinsein, bei dem man sich isoliert von anderen fühlt, und es einem schwer fällt, das zu teilen, was in einem ist.

Langweile – was ist das?
Alleine zu Hause: Eine Möglichkeit zu so vielem – aber nicht Langweile.
Eine Möglichkeit, nachzudenken. Erlebnisse reflektieren, mit sich selbst klarkommen, die eigenen Ideen umsetzen; sei es beim Lesen, beim Schreiben, beim Aufräumen, beim Spülen, beim Bügeln, Duschen oder Trainieren.
Im Prinzip bin ich nie allein. Denn meine Gedanken können immer auf große Fahrt gehen, unterwegs sein, sich verirren und wieder zurückkommen.

Wer das Allein sein nicht leben kann, verzichtet auf die einzigartige Möglichkeit, sich selbst näher zu kommen als beim morgendlichen Toilettengang.
Ereignisse Revue passieren zu lassen ist extrem wichtig für eine Weiterentwicklung.
Denn du lebst nicht nur im Jetzt, du bist auch deine Vergangenheit. So, wie du heute bist, bist du nur aufgrund deiner Erfahrungen – und aufgrund der Kommunikation mit dir selbst.
Sich in der Vergangenheit verlieren – „Ach, früher war es doch viel schöner, als…” – ist nicht der richtige Weg. Im Gegenteil: Die Vergangenheit annehmen und aus ihr heraustreten, um den nächsten Schritt ins weitere Leben zu gehen, das ist ein Lohn des Alleinseins.

Sicher ist es schön und erfüllend, sich mit Menschen, die einem etwas bedeuten, zu umgeben. Es ist vielmehr notwendig.
Denn aus der Interaktion mit anderen gedeiht das eigene Ich. Wenn aber die ausgleichende Zeit für sich – allein zu Hause, allein unterwegs, alleine im Bett, allein am Strand, allein im Park – ausbleibt, kommt das Ich nicht zur Ruhe.

Und genau dann erschließt sich das Positive am Alleinsein.

Vielleicht ist es die Möglichkeit, sich genau so zu verhalten, wie man selbst möchte – ohne Rücksicht auf andere und vor allem ohne Rücksicht auf das, was andere darüber denken könnten;
Vielleicht ist es die Möglichkeit, sich die eigenen Gedanken bewusst zu machen;
Vielleicht ist es die Möglichkeit, einfach abzuschalten und zu entspannen.

Und vielleicht ist es die Erkenntnis, dass das bewusste Alleinsein einem genauso viel geben kann wie die Menschen um einen herum.

Was ich geleistet habe, ist der Erfolg des Alleinseins.
(Franz Kafka)

The Bride.

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16 Kommentare to “Allein allein. Nicht nur am Polarkreis – Oder: Ein Loblied aufs Alleinsein.”

  1. miedziana hat kommentiert:

    Wiedermal ein schöner Text dem ich voll und ganz zustimmen kann. Ich habe mich vor kurzem bewußt dafür entschieden ein ganzes Wochenende allein zu Hause zu verbringen. Bis auf einen kurzen Supermarktbesuch war ich auch wirklich das ganze Wochenende allein, kein Besuch, keine Telefonate. Nur wenige kurze Emails.
    Und es war herrlich! Ich habe mich keineswegs gelangweilt. Das Wochenende hat mir sehr viel gebracht und ich habe mir fest vorgenommen mindestens ein Wochenende im Monat allein zu verbringen. Kann ich jedem empfehlen!

  2. Rnc hat kommentiert:

    Guter Text,
    allerdings würde ich jemandem der ‘viel denkt’ und eher in sich lebt abraten das durchzuziehen.
    Ich kenne das von mir, wenn ich ne Zeit allein bin fange ich an depressiv zu werden und mir den Kopf sinnlos über Tod, Vergänglichkeit, Ewigkeit etc. zu zerbrechen.
    Also wenn man so ein Denker Typ ist sollte man zumindest auch im Alleinsein eine Möglichkeit haben sich gelegentlich von seinen Gedanken abzulenken.

  3. annaprinzip hat kommentiert:

    @ Rnc

    Man könnte in so einem Fall dann auch beim Alleinsein Eckart Tolle – Jetzt! hören oder lesen ;-)

    LG Bride

  4. Experience hat kommentiert:

    Auf den Punkt getroffen, Mrs. Bride.
    Eine ebenfalls imposante Erfahrung ist es auch, sich mal ganz alleine unter einen Haufen von Menschen zu geben (z.B. ALLEINE einen Cocktail trinken). Man sieht die Welt mit ganz anderen Augen.

  5. cassiopeia hat kommentiert:

    ich stimme ebenfalls mrs. bride zu. der kommentar von experience erinnert mich an meinen versuch, alleine was trinken zu gehen und so. naja… ich glaub, ich wirkte auf die anderen leicht geistesgestört und wie sich dann irgendwann herausstellte, waren meine neu kennengelernten bekannten mehr als fünf zarte jahre jünger als ich. seit dem trinke ich wieder alleine zu hause… :P

  6. Shao hat kommentiert:

    Alles Übel rührt daher, daß wir unfähig sind, allein in einem stillen Raum zu sitzen.
    - Blaise Pascal

    Netter Post. Gerade wenn man Probleme damit hat und leicht depressiv wird, sollte man lernen allein sein zu können.
    Oder zumindest, seine Umgebung sehr genau auszusuchen.

  7. Ricadi hat kommentiert:

    Ich finde den Artikel auch sehr gelungen. Das von Experience vorgeschlagene Experiment habe ich letzte Woche durchgezogen und dabei 10 mehr oder auch weniger wunderbare Menschen aller Altersgruppen kennengelernt. Natürlich kann das auch mal schiefgehen, aber von einer schlechten Erfahrung sollte sich niemand ins Bochshorn jagen lassen (@ cassiopeia) Eine Erweiterung meine Horizontes war es allemal. Das Alleinsein-Wochenende davor ist mir auch recht gut gelungen :-)

  8. bastisbest hat kommentiert:

    tolle Gedanken, kann ich nur zustimmen.

    Einen meiner größten Sprünge in meiner Selbstentwicklung machte ich, als ich für 2 Wochen ohne Plan nach Irland fuhr. Am Anfang fürchterlich, aber dann riesen Schritte vorwärts.

  9. My Dear hat kommentiert:

    Wirklich nett geschrieben. Im Alleinsein kann man manchmal wirklich Großes erreichen. Denn nur wer sich selbst gut genug kennt kann das auch nach außen bringen!

  10. Ty-tanic hat kommentiert:

    nicht schlecht aber trifft mich voll nicht…
    ich bin zeit meines lebens sehr viel alleine gewesen, oft war es gut aber meistens habe ich mich sehr gelangweilt wurde unglücklich lustlos und depressiv, ein teufelskreis

  11. flat5 hat kommentiert:

    Ich habe mich an meinem Geburtstag dieses Jahr bewusst gegen eine Vorlesung und für einen fetten Kaffee im Starbucks entschieden – ALLEINE! Abends gab’s auch eine kleine Party. So hab ich mir persönlich ein besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht, denn ich mag mich :-D

    Schöner Post!

  12. ksena hat kommentiert:

    toller post und sehr wichtig. erstaunlich, dass der einzige mensch, vor dem wir nicht weglaufen können wir selbst sind. der einzige mensch mit dem die wenigsten menschen es länger aushalten ist allein mit sich selbst. bride hat recht: zu keiner gelegenheit lernt man mehr über sich als in zeiten mit sich ganz allein, nicht nur einen tag oder ein wochenende, sondern wirklich mal über einen längeren zeitraum. und wenn man sich selbst dabei als besten freund gewinnt, dann ist es das größte geschenk, was man sich selbst machen kann.

    danke bride!

    liebe grüße
    ksena

  13. Examinator hat kommentiert:

    Erst wenn Du Dich selbst liebst, kannst Du auch andere lieben.

    Bin letztens durch Wälder, Wiesen, Bäche gelaufen, der MP3 Player spielte, Allein, Allein und ich fühlte mich richtig gut.

    Lags nun an der Musik oder an der schönen Natur?

    Nein, es lag allein an MIR!

    Danke, wieder schöne Worte

    Ex

  14. lucy hat kommentiert:

    Danke für diesen Text!

    So blöd es klingt – ich genieße meine eigene Gesellschaft und brauche das Alleinsein von Zeit zu Zeit (nicht nur, weil ich mit mir meistens einer Meinung bin und die Fernbedienung so ungern abgebe *g*). Alleine zu verreisen kann z.B. eine sehr wichtige Erfahrung sein.

    Es gab mal einen Film (leider habe ich keine Ahnung mehr, wie er hieß), in dem eine ältere Frau einer jungen Braut empfohlen hat, vor der Hochzeit so lange mit sich alleine zu sein, bis eine Kerze heruntergebrannt ist. Sie musste erst lernen, mit sich allein zu sein, bevor sie andere in ihr Leben ließ.

  15. stankami hat kommentiert:

    Leute wer sagt den dass wir nicht allein bleiben obwohl wir gerade einen Partner haben?? Wir werden nackt ins Leben geboren und auf dieses gefährliche wellengepeitschte Meer geworfen wie einst Odysseus!
    Und ist nicht jedermann (und Frau) wie Odysseus immer auf der Suche nach der einen Heimat die er aber wieder verlassen muss, immer wieder und wieder aufs neue um andere Heimaten zu finden um am Ende erleuchtet zu werden dass die Suche selber seine Heimat und sein Schicksal ist…
    Wer von uns kann denn von sich behaupten keine Widersprüche in sich zu haben?

    In jedem Menschen in dem wir uns verlieben suchen wir eine Gemeinsamkeit. Dieser andere Mensch ist wie ein Spiegel in dem wir uns sonnen und nach uns selber suchend betrachten. Ja wir tauchen ein in ihn um zu fühlen wie es ist unsere Identität zu verlieren, mit ihm zu verschmelzen. Dies jedoch ist nur eine Illusion, (so wie manche Menschen glauben Gott wäre irgendwo weit entfernt von uns im Himmel residierend obwohl er überall im Weltraum und am Meisten in uns und unseren Herzen ist), und wir bleiben doch wir selber und entfernen uns irgendwann wieder von diesen Menschen. So wie die größte Kraft im Universum der Kreis selber, das Zirkulieren, Anziehung und Abstoßung ist, so sicher ist es auch dass wir uns in Kreisen und Wellen mit all ihren Höhen und Tiefen bewegen.

    Oh all die Momente in liebender Ekstase als ich mit so mancher Fraue meiner Träume in die Welt der Fantasiebäume mit all ihren Smaragdfrüchten abgetaucht bin.. Die Frage ob sie nur ein Traum oder Wirklichkeit waren werde ich solange ich ein Mensch bin nie beantworten können.

    Sogar beim Sterben ist jeder für sich alleine, jeder stirbt für sich selbst!
    Aber das meine Kinder ist eine andere Geschichte…

  16. Dar(jee)ling hat kommentiert:

    Mädels,
    ihr seid einfach große Klasse. Der mit Weisheit und Liebe unterlegte Klartext, den ihr hier redet, lässt das meiste, was die letzte Generation Feministinnen so abgesondert hat, meiner unbedeutenden Meinung nach Lichtjahre, naja, sagen wir Lichtminuten hinter sich, auch wenn es ohne vielleicht nicht denkbar wäre. Als Junge/Mann ist es ungeheuer wertvoll, jenseits der Schriftstellerinnen- und Betroffenheitsansätze eure pragmatisch-klug-illusionslosen Texte über “chick logic” und die Verführungs- und Beziehungsmechanismen und sonstige Weisheiten lesen zu dürfen.
    Und auch wenn man gerade schwer verliebt ist, wie ich, machen eure Texte Frauen noch liebenswerter – sofern man ihnen ansatzweise eure Intelligenz unterstellen darf. Ich darf das bei meiner Angebeteten zum Glück…

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