Kategorie: Catcity, Inner Game - Catcity
♀ | Egoschwein – Ja oder Nein?
25. Januar 2009

„Mir fällt es auch immer eher schwer “Nein” zu sagen, andere vor den Kopf zu stoßen, etc.
Deshalb habe ich jetzt für mich das ABC entwickelt: Brides Arschloch Boot Camp.
Jeden Tag eine “arschige” Tat.
Das ist natürlich nicht ner Rentnerin in der Bahn den Platz wegschnappen oder Kinder verprügeln. Sondern so Kleinigkeiten, bei denen ich eher egoistisch handle und nicht so, dass es bloß die anderen erfreut.
Es ist sehr befreiend, kann ich da nur sagen.”
(The Bride)
Egozicke oder Opferlamm – das sind die beiden Pole, zwischen denen wir uns bei unseren täglichen Entscheidungen positionieren müssen. Wer wollen wir sein, welche Rolle entspricht uns?
Jeder kennt sie, diese Mädchen, die erwarten, dass es immer nur nach ihrer Pfeife geht. Selbst wenn sie es nicht offen sagen, bleibt unterschwellig immer das Gefühl, dass ihr präferierter Vorschlag irgendeinen Nutzen für sie beinhaltet, der für die anderen einen Umweg/ Ärger/ Extrakosten oder einfach nur keinen speziellen Nutzen bedeutet.
Wird dann anders entschieden, reagieren sie zickig, sind beleidigt, werden wortkarg oder schlecht gelaunt … so dass am Ende oft genug entnervt nachgegeben wird.
Ein typisches Einzelkinderverhalten, und eine Art, die wir selbst für uns nicht wollen.
Schließlich geht es uns ja um das Gruppenwohl. Schließlich möchten wir, dass alle zufrieden sind, dass sich niemand vor den Kopf gestoßen fühlt.
Schließlich haben wir es immer so gelernt:
Sei ein liebes Mädchen und tu, was die Tante dir sagt. Mama freut sich, wenn du heute schön brav bist. Du kannst doch so nicht rausgehen, was sollen denn die Nachbarn denken. Sei nett und hilf deinem Banknachbarn mal mit den Aufgaben. Wie lieb von dir, dass du heute zuhause bleibst, weil dein Freund früh raus muss …
Die lieben Mädchen werden gemocht. So hat man es uns immer suggeriert.
Die lieben Mädchen nehmen natürlich den Kollegen die Arbeit ab. Nicht, dass es sonst Missstimmung gibt im Büro.
Die lieben Mädchen bleiben natürlich zuhause und gehen nicht mit ihren Freundinnen aus, wenn der Freund eifersüchtig wird. Nicht, dass es sonst Streit gibt.
Die lieben Mädchen erledigen natürlich die Dinge, um die sie gebeten werden – so gehört sich das unter Freunden doch, oder?
Die lieben Mädchen sind hilfsbereit, freundlich, haben immer ein offenes Ohr, immer eine hilfreiche Hand, immer einen guten Rat.
Und manchmal sind sie so lieb, hilfsbereit, freundlich und überhaupt, dass sie selbst gar nicht mehr wissen, wer sie eigentlich sind.
Weil sie schon so lange nichts mehr für sich getan haben, dass sie schon fast vergessen haben, was nochmal ihre Interessen waren.
Man muss keine Egozicke werden, um dieses Dilemma zu lösen.
Manchmal reicht es, einfach Nein zu sagen.
Und festzustellen, dass sich die Welt weiter dreht.
Dass man nicht zur Ausgestoßenen im eigenen Freundeskreis wird, nur weil man jemandem mal etwas Unbequemes gesagt hat. Dass man kein schlechtes Gewissen haben muss, nur weil man mal seinen Willen durchgesetzt hat, und das eventuell nur zum eigenen, nicht zum Gemeinwohl. Dass man nicht seinen Job aufs Spiel setzt, sondern im Gegenteil unter Umständen erst recht ernst genommen und geschätzt wird.
Sicherlich gehört es zu unseren guten weiblichen Eigenschaften, alles und alle im Blick zu behalten, alle Interessen zu berücksichtigen, für alle sorgen zu wollen und alle sich wohlfühlen zu lassen. Für andere da zu sein kann per se nichts Schlechtes sein.
Aber wenn wir merken, dass es uns aufhält, wird es Zeit, etwas zu ändern.
Es gibt kein eigenes Vorankommen, wenn die erste Handlungsmotivation die Rücksicht auf andere ist. Letztlich bin ich selbst die einzige Person, mit der ich es ein Leben lang aushalten muss. Also sollte das, was ich tue, auch mir selbst zugute kommen, mich fördern, mir gefallen. Sonst stehe ich irgendwann da und frage mich, was ich all die Jahre getan habe.
Jeder kennt sie, die verbitterten Frauen jenseits der Menopause, die auf ihr Leben zurückblicken und beklagen, sich Tag für Tag für andere – die Familie, Mann und Kinder, die Eltern, die Gesellschaft, den Beruf – aufgeopfert zu haben. Die jetzt nicht wissen, wer sie sind, nicht mehr gebraucht werden, und sich nutzlos fühlen. Weil sie ihr gesamtes Selbstbild auf dem Wohlwollen und Nutzen der anderen aufgebaut haben. Weil sie kein Selbst mehr besitzen, das sich nicht aus der Dankbarkeit ihrer Umwelt speist.
Und so wollen wir dann auch nicht werden.
Jeden Tag eine „arschige” Tat, sagt Schwester Bride, und meint damit nicht gemein, sondern einfach egoistisch. Jeden Tag etwas tun, ohne Rücksicht auf andere. Jeden Tag etwas entscheiden, was nur uns selbst gefällt.
Nicht Egozicke, aber auch nicht Opferlamm.
Sondern irgendwo dazwischen, wo wir uns selbst positionieren, und immer wieder gerne in den Spiegel schauen, weil uns die Person gefällt, die wir da sehen.
Esperame.
















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25. Januar 2009 um 20:47
Generell ein gutes Statement an alle zu rücksichtsvollen, sich zu sehr aufopfernden Menschen da draußen.
Jedoch würde ich das “Jeden Tag eine „arschige” Tat” machen nicht zu sehr auf die Goldwaage legen, da es doch eher situationsabhängig sein sollte, “arschig” oder aufopfernd zu entscheiden.
Erst in dem Moment, in dem es von einer Gruppe oder einem Individuum ausgenutzt wird, wenn man zu rücksichtsvoll ist, sollten die Alarmglocken klingeln.
Ansonsten kann es auch sehr erfüllend sein, zu helfen. Meiner Meinung nach jedenfalls.
25. Januar 2009 um 22:08
Sehr sehr gut. Es ist wichtig mit sich im reinen zu sein. Ich kann euch da nur das Buch: A$$hole von Martin Kihn ans Herz legen. Es geht dort auf eine fast schon komische Art ums gleiche. Einfach mal Nein zu sagen…
26. Januar 2009 um 00:05
Es ist wirklich nicht einfach, dieses programmierte Verhalten abzulegen. Dein “jeden Tag eine arschige Tat”-Programm ist ein guter Weg, zu sich selbst zu finden, falls man sich verloren hat.
26. Januar 2009 um 08:52
Kenne ich zu gut… Ich bin grade aus einer Beziehung raus, bei der ich nicht ich selbst war. Ich habe geliebte Dinge aufgegeben wegen seiner Eifersucht.
Letzte Woche war ich wieder Salsa Tanzen – etwas was für mich ALLES bedeutet und was ich für ihn aufgegeben habe. Und auf einmal merkte ich wieder, wie ich wieder aufgelebt bin, wie ich wieder ich selbst wurde.
Ich war seit fast einem Jahr nicht mehr so glücklich und zufrieden mit mir selbst wie ich es seit einer Woche wieder bin.
26. Januar 2009 um 17:42
Letztlich bin ich selbst die einzige Person, mit der ich es ein Leben lang aushalten muss. Also sollte das, was ich tue, auch mir selbst zugute kommen, mich fördern, mir gefallen.
ein schönes statement… allerdings hat m. e. mal nein sagen zu können oder jemandem seine meinung zu geigen nichts mit arschig-sein zu tun, sondern einfach nur mal was mit ehrlichkeit! und damit tun sich doch die meisten schwer. da ist doch das nicht-nein-sagen eher ein abfallprodukt der unehrlichkeit. obwohl… manche ham vielleicht auch einfach nur nen helfer-komplex. egal… ich versteh schon, wie der text gemeint war. öhm, glaube ich. ;D
27. Februar 2009 um 01:29
Ich finde das Statement zum großen Teil gut und möchte vielleicht noch ein paar Sachen dazufügen. Am Ende wird zum Beispiel von “verbitterten Frauen jenseits der Menopause, die ihr ganzes Leben dem Wohl anderer gegeben haben” gesprochen.
Dazu denke ich dass jeder Mensch in seinem jeweiligen Leben eine “Aufgabe” (nach den Archetypen der Seele z.B.) und seine Persönlichkeit, die sich auch ständig ändern kann, hat. Manche sind dazu “bestimmt” ihr leben lang anderen zu helfen, zu geben und zu “erschaffen”. Andere wiederum sind dafür “gemacht” zu verlangen, zu bekommen und einfach egoistisch zu sein.
In unserer Welt, und bei Gott ich schwöre euch es gibt andere Welten, ich habe sie gespürt und mit ihnen kommuniziert, war es bis zum Ausbruch der Emanzipation und der Entwicklung der Frauen so dass sie in den alten kollektiven Gesellschaften unserer Welt dazu erzogen wurden einfach oft gefügig zu sein. (Ich verallgemeinere jetzt hier weil der text sonst zu lang wird) Als es dann den Männern langweilig wurde nur schöne Frauen wortwörtlich zu besitzen wollten sie auch kluge frauen haben mit denen sie in ihrer Freizeit auch über kluge sachen reden konnten. So wie unsere Gesellschaften sich weiterentwickelt haben, so hatten die Ehepartner auch mehr Zeit zu kommunizieren und die Frauen lernten mit Erlaubnis der Männer immer häufiger das Lesen und Schreiben. Ein Analphabet erreicht niemals die Intelligenz eines Menschen der lesen und schreiben kann weil dies einfach für unsere Gehirne im alltäglichen Denken als “Kodierung” wichtig ist. (Darauf gehe ich hier jetzt nicht näher ein) Ja und die Gesellschaften haben sich gewandelt. Heute haben die Mensch viel mehr Freiheiten und wir leben in den so genannten Individuellen Gesellschaften (Wir in der Westlichen Welt mit dem Kapitalismus) Dadurch war es den Frauen Gott sein dank auch möglich mit der Emanzipation sich auf die gleiche Ebene wie die Männer zu erheben. Dadurch entsteht auch eine “Umstrukturierung der Frauenerziehung und ihres Denkens” Wie gesagt sind die Frauen heut zu tage viel weiter Entwickelt in ihren Persönlichkeiten. Für mich persönlich kommt eine Frau die stark unterwürfig und unsicher ist und nicht weis was sie will als Partner nicht in Frage, während so eine Frau z.B. in China eine “gute” Ehefrau werden wird.
Aber alles Gute hat auch eine Schattenseite. Und genau da fällt mir ein Satz von meiner Mutter ein:
“Früher mussten wir frauen die Kinder gebären, sie erziehen, kochen und den Haushalt schmeisen. Die Männer übernahmen das Denken für uns und wir hatten weniger Sorgen. Heute müssen wir Kinder gebären, sie erziehen, kochen, den haushalt schmeisen und noch dazu arbeiten gehen und Geld verdienen und auch noch selbstständig für uns denken. Zu so vielen Aufgaben sind wir noch nciht in der Lage”