Kategorie: Outer Game

Er: “Du kannst das blaue mit den Schößchen anziehen oder das grüne mit dem spitzen Ausschnitt oder das, was du anhast.”
Sie: “Aha, es ist dir also völlig Wurst, was ich anhabe.”
Er: “Dann nimm das grüne, das wunderhübsche grüne mit dem spitzen Ausschnitt.”
Sie: “Erst soll ich das hier anbehalten, dann soll ich das blaue anziehen und jetzt auf einmal das grüne?”
Er: “Liebling du kannst doch…”
Sie: “Ich kann mit dir über Atommüll reden, über Ölkrise, Wahlkampf und Umweltverschmutzung, aber über nichts Wichtiges!”
(Loriot)

Männer vom Mars, Frauen von der Venus, Männer sachlich, Frauen emotional, Männer dies, Frauen jenes. Wie man es dreht und wendet, seit Jahrhunderten (oder eher, seit Männer Frauen Meinungen zugestehen) wird darüber philosophiert, ob wir uns verstehen – und ob wir uns überhaupt verstehen können.

Jede Frau hat schon mal den Satz gesagt: “Du verstehst mich überhaupt nicht!”
Und es so gemeint. Sich nicht ernst genommen, vollkommen unverstanden, ja ungeliebt gefühlt. Weil für Frauen verstehen und fühlen eng verknüpft sind. Weil für Frauen der Sachgehalt einer Aussage nur einen geringen Teil der Kommunikation ausmacht. Neben dem, was tatsächlich gesagt wird, spielt das, was nicht gesagt wird, und das was gemeint wird, eine ebenso große Rolle.
Während Männer gern das Gesagte als eigenständige Instanz werten.

Jeder Mann hat schon mal den Satz gesagt: “Aber sie hat doch gesagt, dass es ihr nichts ausmacht!”
Und es so gemeint. Sich nicht ernst genommen, unverstanden, ja ungeliebt gefühlt. Weil er ihre Aussage für bare Münze genommen hat, den Sachgehalt analysiert und sich danach gerichtet hat. Das etwaige Gefühl, sie könnte durch Tonfall, Mimik, Reaktion oder vorangegangene Ereignisse etwas anderes gemeint oder ungesagt gelassen haben, geschickt ignoriert. Weil für Männer Denken und Fühlen zwei völlig unterschiedliche paar Schuhe sind.

Es gibt eine schöne Theorie, nach der der sachliche Teil der Aussage 20 Prozent ihres Gehalts ausmacht, der emotionale Teil dagegen 80 Prozent. Man nennt es auch das “Eisberg-Kommunikationsmodell”. Das bedeutet, dass hinter jedem gesagten Satz noch vier mal so viel an Aussage steckt. Das ist erschreckend oder beruhigend, je nach Blickwinkel.

Frauen nutzen diesen Vorteil gelegentlich, um Minenfelder zu legen. Der gesagte Satz ist die Attrappe, die den Empfänger der Botschaft ins Verderben lockt. Egal, in welche Richtung er sich von hier aus bewegt, er kann nur auf einer der Minen in den ungesagten 80 Prozent explodieren. Und am Ende weiß er nicht mal, woran er grade krepiert ist.
Weil uns diese Art der tödlichen Falle als Frauen aber quasi in die Wiege gelegt wurde, fühlen wir uns auch noch vollkommen im Recht, den anderen brutal exekutiert zu haben. Er hätte es schließlich wissen können. Er hätte ja nur mal zuhören und verstehen brauchen. Und überhaupt.

Dass das ungerecht und tödliche Kommunikation nicht zielführend ist, wird uns dabei selten bewusst. Hinterher wird sich dann beklagt: “Ich finde nie den Richtigen! Männer sind einfach unheimlich doof und unsensibel!”

Dabei hat das 80 prozentige Minenfeld seinen Ursprung meist gar nicht im aktuellen Gespräch oder der Sachlage, sondern irgendwo anders, bei grundsätzlichen Problemen, die unausgesprochen geblieben sind. Der emotionale Gesprächsgehalt speist sich ja gerade aus Dingen, die gefühlt werden, die schon passiert sind oder vielleicht nie passieren werden. Und deshalb ist es auch nahezu sinnlos, einen Ausweg aus dieser Kommunikationsmisere zu suchen, der nicht auch die grundsätzliche Beziehung bzw. deren Problematik miteinbezieht. Denn wo keine grundlegende Unzufriedenheit herrscht muss auch kein Minenfeld gelegt werden.

Frauen legen den Gesprächsfokus auf die Emotionsebene, Männer auf die Sachebene. Wenn beide das wissen, und beide die Bereitschaft mitbringen, auf den anderen ein kleines bisschen zuzugehen und ihm Verständnis entgegenzubringen … dann geht die Kommunikation zwar vielleicht immer noch knapp vorbei, aber eben nicht mehr daneben.

Esperame.

Share and Enjoy: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Webnews
  • MisterWong
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Netscape
  • Social-Bookmarking.dk
  • Tausendreporter
  • YahooMyWeb
  • MyShare
  • Technorati
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (4 votes, average: 4.75 out of 5)
Loading ... Loading ...

7 Kommentare to “Knapp vorbei ist auch daneben. Warum wir uns einfach nicht verstehen.”

  1. Mr. Mint hat kommentiert:

    Klasse Text!
    Das hat sicher jeder schon einmal (oder auch öfter) am eigenen Leib erfahren dürfen.

  2. Ricadi hat kommentiert:

    Manchmal kommt es mir vor, als ob unser aller Kommunikation nur anerzogen und nicht wie von dir geschrieben in die Wiege gelegt wurde. Natürlich macht dieses Spiel mit der Kommunikation Spaß und das miteinander wäre um vieles langweiliger, wenn wir uns tatsächlich verstünden. Aber mir kommt es oft so vor, dass diese Kommunikation von Müttern und Vätern an ihre Kinder weitergegeben werden, vielleicht, weil sie selbst auch keine andere Form kennen.

  3. The Don hat kommentiert:

    Hey,
    bin über JeansJoes Blog auf eure Seite gekommen und genieße jetzt schon seit 1 1/2 Stunden eure fantastischen Blog-Einträge.
    Inhaltlich interessant, aber nicht überzogen. Zudem gefällt mir eure klar strukturierter und vorwiegend deutscher Schreibstil.
    Man merkt, dass die Verfasserinnen Intellekt besitzen.

    Vielen Dank für die erfrischend neuen Perspektiven!
    Macht weiter so; einen neuen Leser habt ihr dazu gewonnen!

    Grüßchen

  4. Max Schnell hat kommentiert:

    Wertvoll wie immer. Danke, Esperame!

    Ein Hinweis sei mir gestattet:
    “[Weil er] Das etwaige Gefühl, sie könnte durch Tonfall, Mimik, Reaktion oder vorangegangene Ereignisse etwas anderes gemeint oder ungesagt gelassen haben, geschickt ignoriert.”

    Meiner Erfahrung nach ignoriert ein Großteil der Männer dieses “Gefühl” nicht einfach. Viele von uns kämen von sich aus nie auf die Idee, daß die Frau hier etwas anderes meint, als sie sagt. Gerade eine hitzige Diskussion führt ja oft dazu, daß man(n) sich auf die logischen Zusammenhänge und sachlichen Informationen als Kern des Dialogs konzentriert. Da springt der Problemlösungsmechanismus an und die Emotionen, bzw. das Erkennen derselben ist außen vor.

    Man(n) muß sich schon eine ganze Weile aktiv mit dem Problem beschäftigt haben, um in der Krisensituation dann das Muster zu erkennen. Es ist quasi unsere Seite der Aufforderung “Jetzt sei doch nicht so emotional”, die wir Frauen gern entgegenhalten, wenn sie in einer Diskussion mal wieder anfangen, zu weinen.

    Allerdings ist es manchmal schon verdammt verlockend, die Frau auf die sachliche Aussage festzunageln, obwohl man den starken Verdacht hegt, daß da mehr hinter steckt. Frau macht Emo-Drama, Mann stellt sich “doof”. So hat jede Seite ihre Verlockungen, ihre Abkürzungen auf dem Weg zum Sieg im Disput. Wenn aber beide freiwillig auf einen Teil ihrer Waffen verzichten, hat das auf lange Sicht nur Vorteile.

  5. The Don hat kommentiert:

    @Max Schnell
    Mal ehrlich, in den meisten Disputen geht es doch nicht ums “Siegen”. Es geht darum Probleme zu Lösen.

    Gerade um als Mann Streitsituationen mit Kommunikationsproblem souverän zu meistern ist es nötig die logische Denkweise komplett zu verwerfen.

    Anstatt ihr Problem zu analysieren hilft es ihre emotionale Lage zu verändern. Wenn meine Freundin und ich in der Diskussion nicht weiter kommen, sie sich in etwas festgefahren hat und kurz vor dem Heulen ist; so dass weiterdiskutieren gar keinen Sinn hat, breche ich die Diskussion einfach ab und versuch sie aus ihrer Emotionalen Lage zu befreien.

    Manchmal mach ich einfach was dummes wie Grimassen schneiden; oder bring sie mit einem ironischen Kommentar zu unserem Streit zum Lachen. Aber am erfolgreichsten ist: Ich schau ihr tief in die Augen drück sie gegen die Wand und fange an sie wild zu küssen.
    Das mag von Außen betrachtet komisch aussehen, wenn ein Pärchen heftigen Streitet, sie kurz vor dem heulen ist und auf einmal wild am rumknutschen sind. Aber es wirkt und ist allemal besser als sich übereinander zu ärgern und die Fronten zu verhärten.
    Meistens ist es dann so, dass sie einen Tag später kommt und sich entschuldigt und selbst einen Vorschlag zur Lösung des Problems parat hat. Oder das Problem existiert einfach nicht mehr, bzw. war nur in ihrer damaligen emotionalen Lage existent.

    Frauen sind emotional und wild wie das Meer.Ihr könnt den Wellengang nicht durch logische Konstrukte oder Mauern bändigen. Naja ihr könntet mit viel Mühe und Stress schon, aber wollt ihr das?

    Grüßchen
    The Don

  6. Max Schnell hat kommentiert:

    @ The Don:

    Bei mir rennst du da offene Türen ein, ich bin ganz deiner Meinung. Ich habe dargestellt, wie die Lage in den meisten Fällen *ist*, nicht, *wie sie sein sollte*. Wenn man nicht weiß, wo der andere gerade steht, wird man es schwer haben, gemeinsam anzukommen. :)

  7. stankami hat kommentiert:

    Toller Text. Also die Art der Kommunikation ist deswegen unterschiedlich weil unsere Gehirne geschlechtsunterschiedlich sind. Dies bedeutet dass Frauengehirne kommunikativ sensibler und weiter entwickelt sind wie die der Männer. Dafür köner wir Männer aber andere sachen ganz toll. Zum beispiel beleidigt sein weil der Nachbar einen längeren…. also ein längeres, sportlicheres Auto hat.

    Manchmal bin ich so richtig Froh das wir doch in einer “Männerwelt” leben. Ich meine in einer Welt in der unser Leben von Disziplin, Pünktlichkeit und der Fähigkeit Probleme zu lösen abhängt. Wer würde euch Frauen all die Kleider schneidern und liefern wenn ihr die ganze Wirtschaft und Staatspolitik schmeisen würdet? Es wäre ein schreckliches Durcheinander. Stellt euch nur mal eine Managerin vor die wegen starken Magenkrämpfen einen 2 Milliardenauftrag platzen lassen muss :-)
    Ach ja ich liebe diese Männerwelt mit all ihren sinnlosen Kriegen aufgrund dummen männlichen Führern die noch mehr Geld und Macht wollen obwohl es für 100 Leben reichen würde…
    Wer würde schon in einer “Frauenwelt” leben wollen in der Mitgefühl, Liebe und Fürsorge herrschen?? Also wirklich! Da dreht sich ja Achilles in seinem Grabe um! Eine Welt ohne Zorn, Hass, Muskeln und Kriege? Wo bleibt da der Spaß?
    Ich hoffe ihr versteht meine wahren Gedanken in diesem Text :-)

Kommentieren