Kategorie: Inner Game

„Eimol Prinz so sin en Kölle am Rhing. In nem Dreijesteen voll Sunnesching.
Dovun han ich schon als kleine Fetz jedräump, eimol Prinz zo sin, suns häste jet versäump.“

Während der eine ein ganzes Leben lang davon träumt, einmal als Prinz im Kölschen Karneval Kamelle vom Wagen zu werfen, halten es die meisten eher bescheiden und schneidern fleißig an ihrem Kostüm als Feuerwehrmann, Polizist, Katze oder Krankenschwester.
„Und, was wirst du dieses Jahr?“ – eine Frage, die zur Zeit so häufig gestellt wird, dass wir unsere Antwort bereits im Schlaf aufsagen können.
Verkleiden macht Spaß. In eine Rolle schlüpfen, die der eigenen so gar nicht ähnlich ist – eine Herausforderung. Und endlich ohne Reue und mit ein klein wenig Mut möglich.

In zwei Tagen ist es soweit, dann begegnen sich Clown und Cleopatra, Braut und Bandit und Prinzessin und Polizist. Eigentlich sind sie Bürofachangestellte, Steuerprüfer, Kellner und Verkäufer, doch heute können sie alles sein. Verwegen, sexy, draufgängerisch, machohaft und vor allem eins: gut gelaunt und immer offen für eine Begegnung im Gedränge.

Nicht selten sehen wir junge Mädeln mit hohen Stiefeln, kurzen Röcken und noch kürzeren Oberteilen, deren Kostüm wir nur an dem kleinen Schwänzchen am Po und den Katzenohren auf dem Kopf erkennen. Genauso die Jungs, die doch noch einen weiteren Knopf an der Polizeiuniform öffnen und deren Hose etwas enger als gewohnt sitzt (es ist ja ein Kostüm!). Bei beiden Geschlechtern ein klarer Fall von „Endlich kann ich einmal aus mir herausgehen und das tragen, was ich mich sonst nicht so ganz traue…“
Während ich noch vor kurzem eher abschätzig urteilte „Tolle Verkleidung, großes Kino!“, denke ich mir jetzt: Recht haben sie, die Mädels. Und ausziehen sollen sie sich, die Jungs!
Nicht jede/r macht sich gerne hässlich an Karneval. Nicht jede/r schmiert sich gerne Blut ins Gesicht oder versteckt die körperlichen Reize unter dem Riesenpinguinkostüm, das aber so schön warm hält.

Während die Jungs eher Mut zur Hässlichkeit beweisen und in Rollen wie Atze Schröder, Simon Gosejohann mit strammer Radlerhose und Riesenlöres oder Moorleiche schlüpfen, sieht man dies bei Mädels eher selten. Denn es ist Karneval. Und da möchte man sich doch von seiner schönsten und vor allem verführerischsten Seite präsentieren. Auch, wenn hier und da ein karnevalistisches Accessoires nicht fehlen darf – Hut, Glitzer, Hasenohren, Tüll, Herzen, das Kölschglas in der Hand – so richtig hässlich machen sie sich selten.

Denn während ein Rollenwechsel im Alltag gerade für die Schüchterneren eher schwer ist, können sie im Karneval genau das ausprobieren, was für einige den Weg ebnet, auch nach der 5. Jahreszeit beibehalten zu werden. Und das ist eben keine Warze, keine Schusswunde oder ein geschmackloses Oma-Outfit. Das ist vielmehr das ein oder andere süße Karnevalszubehör, das sich so den Stammplatz im Kleiderschrank erkämpft hat. Da hängen nun Minirock und bunte Strumpfhose neben den schicken Stulpen und der großen Haarschleife.
Deshalb sollten wir die Möglichkeit nicht unterschätzen, sich im Karneval auszuprobieren. Denn nicht jeder gehört zu den Hartgesottenen, die von einem Tag auf den anderen Sneakers mit High Heels austauschen und den körperbetonten Rock statt der lässigen Jeans wählen.

„Was ist denn mit dir bitte los?“ sind Fragen, denen man sich in den ersten Wochen stellen muss. Und die man sich automatisch dann auch selbst stellt – und hinterfragt, ob der Rollenwechsel denn wirklich so dem eigenen Ich entspricht.
Während die einen dies mit einem Lächeln wegstecken, schließen die anderen den abenteuerlichen Vorstoß in einen anderen Stil geknickt wieder weg.

Und gerade deshalb grinse ich nun die Mädels und Jungs, die eben nicht so ganz verkleidet sind, aber mutig zeigen, dass sie Dinge in ihrem Schrank schlummern haben, die sie nun endlich vorführen können, breit an und freue mich, sie in naher Zukunft vielleicht doch mit dem ein oder anderen alaafschen Accessoire auf der Straße zu sehen.

„Wat wör dat schönste Dreijesteen. Ohne Jecke stünnte mir em Rähn.
Dröm maht met uns hück eine drop, dann steht janz Kölle Kopp.“

The Bride

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5 Kommentare to “Nonne, Cowboy oder doch Prinz? Der Maskenball der Charaktere.”

  1. miedziana hat kommentiert:

    Da bin ich wohl die Ausnahme… Ich trage im Alltag gerne knappe Röcke und enge Oberteile, genauso wie zu Karneval.

  2. annaprinzip hat kommentiert:

    …dann kannst du auch ohne Karneval :-)

    Alaaf!
    Bride

  3. Large hat kommentiert:

    Ey, nix gegen dein Oma-Kostüm! 😉

    Aber recht haste. Und schade, dass ich’s dieses Jahr wieder nicht ins Rheinland schaffe – für das nächste Jahr ist dieses jedoch (mit 2x2m Berliner Unterstützung) fest eingeplant. Und dann heisst et widder:

    „Kölsche Junge bütze joot,
    wie die Stars in Hollywood.
    Mädche rötsch jet her zo mir
    wenn do wills ich zeich et dir.“

    Alaaf! ;oD

  4. johnny hat kommentiert:

    Interessantes Blog –

    Ich muß ja ganz ehrlich sagen, daß Karneval für mein „Game“ eher kontraproduktiv war – weil eher konversationsbasiert – und an Karneval wollen Mädels ja nicht mal 20 Minuten reden vor dem Rumknutschen…

  5. web-seb hat kommentiert:

    Naja, ich hab eine angesprochen mit „schöner Frisur“. Sie hatte eine blaue Perücke. Das war nach dem Umzug auf dem Bürgerplatz. Dann sind wir ins Gespräch gekommen, und nach ca 1,5h tiefstem Rapport ist ihr Mann erschienen. „Du, Schatz, ich will euch ja nicht stören, aber wir sollten Heim!“

    Ok, war kein Close, aber ein unglaubich tiefgehendes Gespräch. Und das mit einer, die ich vorher nie gesehen habe.

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