Kategorie: Brides Beach, Outer Game
Far Far Away – Oder: Reisende soll man nicht aufhalten
28. April 2009

I’ve seen the yellow lights go down the Mississippi
The Grand Bahama Island stories carry on
And though those alligator smiles stay in your memory for a while
There still seems more to come
Es gibt sie überall auf dieser Welt, in der eigenen Stadt, im eigenen Bekanntenkreis – vielleicht gehört man selbst zu ihnen: Menschen, die das Fernweh packt. Menschen, die kurz nach der Landung des Flugzeugs zurück in der Heimat schon wieder die nächste Reise planen. Schon wieder neue Ziele vor Augen haben, die es zu entdecken gilt. Natürlich mit vielen kleinen Zetteln im Gepäck, auf denen Telefonnummern, Emailadressen und Tipps für zukünftige Ziele notiert sind.
Zu Hause ist es schön, aber auf Reisen ist es am Schönsten? Reisen muss nicht schöner sein als die eigene Heimat, ist aber fast unerlässlich, um seinen Horizont zu erweitern, auf andere Kulturen zu treffen, diese zu erfahren und Dinge aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können. Andere Lebensarten und vor allem Lebenseinstellungen kann man zwar auch auf dem Bauwagenplatz in Köln-Ehrenfeld erleben, doch der Reiz des völlig Andersartigen bleibt hier aus.
Ich reise gern. Ich liebe reisen. Sei es für eine Zeit an einem anderen Ort dieser Welt zu leben und vollkommen in die fremde Kultur einzutauchen – Teil von ihr zu werden – oder nur für ein paar Wochen die Nase in den Wind zu stecken, neue Düfte zu erschnuppern, unbekannte Lebensgerichte zu probieren und mit einer Vielzahl von Kulturrezepten wieder nach Hause zurückzukehren. Ein Zuhause, das auf einmal ganz anders aussieht. Denn es wird durch andere Augen betrachten. Mit Augen des Reisenden. Mit Augen, die Geschichten erzählen können – von hilfsbereiten Fremden, von überraschenden Ereignissen, atemberaubenden Erfahrungen und vor allem neuen Sichtweisen. Auf sich selbst und auf die Umgebung.
„Wir reisen nicht nur an andere Orte, sondern vor allem reisen wir in andere Verfassungen der eigenen Seele.”
Sagt ein Sprichwort. Klingt esoterisch. Ist aber wahr.
Denn das Reisen belohnt einen nicht nur mit äußeren Erfahrungen, die fremde Länder und Menschen immer mit sich bringen, es belohnt einen vor allem mit den inneren Erfahrungen. Mit Erlebnissen, durch die man sich selbst anders betrachten kann. Von jeder Reise kehre ich mit ein bisschen mehr im Gepäck zurück – und ich meine jetzt keine Souvenirs, die einen im Alltag immer wieder auf kurze Gedankenausflüge schicken. Ich meine Gelassenheit, Umstände hinzunehmen, wie sie sind; eine Minute mehr Zeit für den Blick auf das, was man täglich sieht; die veränderte Wahrnehmung der Dinge, die eigentlich Routine sind oder die Offenheit, Fremde mit einzubeziehen.
Sicherlich sind die Erfahrungen, die ein All-Inclusive-Fünf-Sterne-Urlauber auf Mallorca macht andere, als die eines Backpackers, der auf dem Fahrrad durch Indien reist. Ich bevorzuge da wohl wenig überraschend die zweite Variante – denn es sind gerade die veränderten Umstände, die den Reisenden begleiten, die das Mehr ausmachen. Das Mehr, das man von einer Reise mitnimmt. Das mag in Variante 1 zwar mit der Breite des Bettes oder der Auswahl am Abendbuffet gegeben sein, ist für mich aber eher unzureichend, die Reise in ein anderes Land auch als Reise in ein anderes Ich zu gestalten.
Das Leben reduziert auf einen großen Rucksack, die Pläne reduziert auf die nächste Woche, das Schlafen mit und vor allem in den widrigsten Begleitumständen – all das sind Erfahrungen, die der Baggersee um die Ecke eben nicht bieten kann. Erfahrungen, die einem immer bleiben und die Grundlage einer Entwicklung sein können, die nur durch die veränderten Begleitumstände wach gekitzelt wurden.
Reisende soll man nicht aufhalten. Denn man nimmt ihnen sonst die Möglichkeit, ihren Weg zu gehen und das zu erleben, was der Wegrand für sie bereithält. Sei es ein Postkartenblick auf den Ozean oder ein neues Gefühl, das dieser in ihnen auslöst.
Mein Rucksack ist schon wieder gepackt und wartet darauf, geschultert zu werden. Für ein Land am anderen Ende der Welt. Mit Koalas, Kängurus und großen Gegensätzen. Was ich dort entdecken werde…, ihr werdet es sicherlich hier lesen. Als neuen Gedankengang, veränderte Sichtweise oder entdeckte Gefühle.
Goodbye, Farewell & Amen!
The Bride















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28. April 2009 um 12:27
Schöner Text.
Alles Gute Down Under, Bride
28. April 2009 um 12:52
Ein wirklich wunderbarer Artikel mit sehr viel Wahrheit und Weisheit. Toll geschrieben! Da gerät man direkt ins schwärmen und wünscht sich, selbst seinen Rucksack gen down under auf den Rücken zu schnallen…
So long and no worries mate, You’ll have an awesome time. (true story)
28. April 2009 um 13:01
Danke ihr beiden!
Essentiell beim Reisen: Die Mitreisenden… aber ich denke, ich habe da eine ganz gute Wahl getroffen. Jemand, mit dem man solche Erfahrungen (innerlich und äußerlich) sicher absolut unvoreingenommen teilen kann. Wohooooo, ich packe meine Sachen, bin raus mein Kind, Bride ist auf der Reise und hat Rückenwind!
Liebe Grüße!
Bride
28. April 2009 um 14:51
Wie wahr! Wie wahr! Es gibt nichts schöneres als Reisen!
Vor allem auf meiner Reise allein im Mietwagen durch Nevada und California habe ich die besten Erfahrungen gesammelt!
28. April 2009 um 15:19
Allein reisen ist ja nochmal wesentlich intensiver als zusammen mit einer oder mehreren Personen. Richtig richtig allein war ich noch nie unterwegs, möchte ich aber auf alle Fälle noch erleben! Bisher waren es nur kleine Einzelabschnitte. Aber die Belohnung des Alleinseins potenziert sich sicherlich enorm, wenn man dabei auf Reisen ist!
Bride
28. April 2009 um 16:36
Oh ja, das potenziert sich wirklich enorm. Ich hab meine Reise in Reno begonnen und Freunde besucht. Mit denen einen Abstecher nach Vegas gemacht und von da aus habe ich mich alleine auf den Weg gemacht nach LA, San Diego und San Francisco. In SD habe ich Freunde gefunden mit denen ich direkt mal nach Mexico für 4 Tage gefahren bin. Mit Begleitung hätte ich sie vermutlich nicht kennengelernt…
Ist auf jeden Fall eine großartige Erfahrung die ich jedem ans Herz legen möchte.
28. April 2009 um 22:38
Sehr schöner Artikel, der auch meine eigene Sehnsucht nach der Ferne widerspiegelt. Mit dem Fahrrad durch Indien? Falls das nicht nur ein zufällig gewähltes Beispiel war – Respekt! Ich war Oktober vergangenes Jahr dort, Backpacking – allerdings ohne Fahrrad und das war schon aufregend genug.
Gute Reise und fall nicht runter, wenn du kopfüber auf der anderen Seite der Welt stehst!
Der Tobi
28. April 2009 um 23:53
schöner text und mich wird es auch nicht mehr lange halten!
falls du davon noch nicht gehört hast, aber probiere mal “couchsurfen” aus… sehr nett um locals oder andere traveller kennenzulernen auf deiner reise!
grüße,
marcel.
29. April 2009 um 01:09
Dann bist Du ja bei mir umme Ecke!
Gibt’s ja nicht.
Mich packt nicht wirklich das Fernweh, wenn ich wieder wo anders hinreise; vielmehr halte ich es an bekannter Stelle nicht mehr aus.
Wurde mal so beschrieben – wenn Du in eine Bar kommst und sie schon wissen, was Du willst, ist’s an der Zeit, weiterzuziehen.
Mir fehlt einfach das Heimatgefuehl, oder das des Verwurzelt-seins. Macht ja auch nix.
Und zum Alleine-Reisen: unbedingt einmal machen. Oder mehrmals. Aber zumindest mal ausprobiert.
29. April 2009 um 09:09
@ Tobi
Indien auf dem Fahrrad klingt für mich allerdings sehr verlockend!
Najaaa…wenn du Indien durch Argentinien und Fahrrad durch Bus ersetzt, kommts hin
@ Marcel
Couchsurfen ist auch sehr cool, um zu Hause neue Leute kennenzulernen!
@ nuc
Ich fühle mich schon sehr wohl zu Hause – dennoch zieht es mich immer mal wieder in die Ferne. Ich bin aber auch Kölnerin, da gibts nicht kein Heimatgefühl. Eher zu viel als zu wenig
Grüße ums Eck!
Bride
29. April 2009 um 10:53
Hey! Dein Text macht wirklich wirklich Lust aufs Reisen. Habe gerade auch Deinen Artikel zum Alleinsein gelesen…Wahre und schön Worte!
Wenn auch schon per Twitter gewünscht, wünsch ich Dir auch hier noch einmal eine gute Zeit und viele bunte, abwechslungsreiche Eindrücke!
Julia
30. April 2009 um 20:38
Wie geil ist das?
Ich hab mir vorhin noch Rucksäcke angeschaut und jetzt stoße ich auf den Text hier.
Nächsten März gehts für mich dann auch wieder los, mit dem Rucksack durch Indonesien/Thailand.
Ich wünsche dir viel Spaß Bride, und den wirst du haben!
14. Mai 2009 um 11:35
wie wahr… wie wahr