Kategorie: Esperames Ecke

Die Vier haben es sich im Halbschatten gemütlich gemacht, eine Decke am Flussufer zwischen den Bäumen ausgebreitet, einen Picknickkorb mitgebracht. Eine der beiden Frauen kommt gerade aus dem Fluss gewatet, die beiden Männer sind ins Gespräch vertieft, die andere Frau hat sich in der Abgeschiedenheit bereits ihrer Kleider entledigt und lauscht ihren beiden Begleitern.
Friedlich wirkt diese Szene, ganz und gar nicht anzüglich, dieses Frühstück im Freien.

Trotzdem war der Skandal, den das Bild von Édouard Manet auslöste, nicht unbeträchtlich. Ein Picknick! Nackt!
Heute hingegen ist es Gang und Gäbe, dass Menschen sich in verschiedenen Bekleidungsstadien zusammenfinden, um gemeinsam zu essen, zu grillen, zu sonnen …

Sei es im Freibad, am Flussufer oder im Park – kaum bleibt es für ein paar Tage warm und sonnig, heißt es für uns wintererprobte Mitteleuropäer raus aus der Bude, raus aus den Klamotten. Schließlich weiß man nie, wie lange das Vergnügen währt und ob auf einen sonnigen April auch ein sonniger Mai folgen wird …

Über die Ästhetik von weniger bis un-bekleideten Essern kann man nun streiten.
Wer schon einmal das Vergnügen hatte, einen FKK-Camplingplatz zu besuchen, weiß, wie schnell Nacktheit zur Selbstverständlichkeit werden kann und Ästhetik zum raren Gut.

Auch deshalb ist für das zweisame Frühstück im Freien, das Picknick mit Option auf mehr, das Sonnenbad mit Vollverpflegung zum einen ein dezentes Plätzchen zu empfehlen, zum anderen spricht nichts gegen eine gewisse Grundbekleidung.

In einem (nicht ganz ironisch gemeinten) Ratgeberkochbuch für Frauen mit Heiratsabsichten wird davon ausgegangen, man habe das gemeinsame unbekleidete Spaghettiessen mit einem Herren bereits hinter sich (es scheint der Autorin zufolge für die Eheanbahnung hinderlich zu sein).
Empfehlenswert ist jedenfalls, es auch nicht auszulassen.

Die Sonne scheint also, der freie Tag lockt nach draußen, die Verabredung ist getroffen.

Nur, was mitnehmen?
Und, wohin soll es gehen?

Beide Punkte sind nicht zu unterschätzen.

Die Ortswahl hängt Grad der exhibitionistischen Veranlagung beider Parteien ab – vom überfüllten Freibad bis zum verschwiegenen Plätzchen am Flussufer ist theoretisch alles möglich. Wer sich nicht gerade zu den zeigefreudigen youporn-Fetischisten zählt, sorgt besser für ein wenig Privatsphäre. Wer wird schon gern vom Bademeister in flagranti erwischt …

Als wichtigster Begleiter für das Frühstück im Freien gilt die richtige Unterlage. Nichts gegen eine Picknickdecke mit wasserabweisender Unterseite – aber eine zusätzliche Decke zum Unterlegen oder Zudecken kann keinesfalls schaden. Schließlich friert niemand gerne, und Damen sind da bekanntermaßen besonders empflindlich.

Die Getränkewahl orientiert sich natürlich an den eigenen Vorlieben sowie daran, ob einer der Beteiligten später noch fahren muss. Etwas Kaltes, am Besten mit und ohne Alkohol, Profis packen auch eine Thermoskanne Kaffee mit ein.

Zu Essen nichts Kompliziertes, nichts zu stark Gewürztes, nichts zu Schweres. Kleinigkeiten, die sich mit den Fingern essen lassen, am Besten auch ohne Teller. Schließlich trägt es sich dann auch leichter und hinterher muss man nichts aufräumen, nur eine Tüte packen und weg damit.
Zudem spielt das Essen hier ja nur eine kleine Nebenrolle und kann bei Bedarf auch ganz aus dem Skript gestrichen werden.

Niemals gestrichen werden dürfen dagegen die notwendigen Verhütungsmittel. Auch eine Packung Taschentücher kann gute Dienste leisten und ihr Fehlen schmerzlich vermisst werden. Der Könner packt hier noch ein Handtuch mit ins Gepäck – “falls man Lust hat, schwimmen zu gehen”, ja, ja.

Immer gern gesehen sind Sonnenauf- oder untergänge, plätschernde Flüsschen, sandige Seeufer, hoppelnde Häschen, blühende Blümchen, was die Natur eben so zu bieten hat. Sonst könnte man ja auch gleich zuhause bleiben, wo Kühlschrank und Kissen nicht weit sind und man bei Bedarf ein Badezimmer aufsuchen kann.

Könnte man?
Könnte man keinesfalls.
Die laue Brise um sonst sicher verborgene, verschnürte und verpackte Körperteile ist jeden Ausflug ins Grüne wert.

Frohe Ostern!

Esperame

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1 Kommentar to “Frühstück im Grünen – Outdoor für Anfänger”

  1. neue Leserin hat kommentiert:

    Das klingt alles sehr schön,
    als Allergiker aber bitte auch die Tabletten nicht vergessen.
    Im Idealfall weckt man mit einer Niesattacke wenigstens noch die Beschützerinstinkte aus.

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