Kategorie: Outer Game

“Weibliche Nacktheit muss man den Männern mit dem Teelöffel geben, nicht mit der Schöpfkelle.”
Coco Chanel
Sommerliche Temperaturen, entblößte Leiber überall.
Was wir den Rest des Jahres nur bei RTL2 zu sehen bekommen, ist ab Mitte Juni in jeder mittleren Kleinstadt Kleiderordnung. Nämlich fast nichts.
An sich eine gute Sache, sagen diejenigen, die ihre Körpertemperatur auf diese Weise erträglich halten und medizinisch argumentieren: Nicht nur sterben sie keinen Überhitzungstod, sie nehmen auch noch lebenswichtige UV-Strahlung auf! Über die Haut!
An sich eine gute Sache, sagen auch diejenigen, die gern mal ein gebräuntes Bein, ein tiefes Dekolletee, einen freien Rücken zu Gesicht bekommen. Da weiß man doch gleich, was man kriegt, erklären die Fans knapper Sommeroutfits.
Allerdings weiß man das.
Die ganze Bandbreite menschlichen Daseins wird einem in all seinen Ausmaßen erst klar, wenn die Temperaturen die 30°-Marke sprengen. Empfindliche Gemüter wünschen sich dann 200 Jahre in der Zeit zurück, als es noch nicht ehrenrührig war, unrasierte Achseln sein Eigen zu nennen – wohl aber, sie in der Öffentlichkeit in ärmellosen Kleidern zu präsentieren.
Das Gesetz von Angebot und Nachfrage sagt uns, dass die Nachfrage sinkt, wenn das Angebot übermäßig wird – was auch und gerade für die Optik gilt. Zwar lassen sich die biologischen Grundfunktionen der männlichen Gehirne nicht von Wirtschaftslehre beeindrucken – bestimmte Reaktionen sind nunmal unwillkürlich. Allerdings sinkt das Interesse durchaus – zum Beispiel daran, für mehr als nur die Erfüllung biologischer Grundfunktionen zur Verfügung zu stehen.
Man denke sich (für experimentierfreudige Gemüter ist die Nachahmung durchaus empfohlen) auf einen beliebigen FKK-Campingplatz im Süden. Nirgendwo ist Nacktheit unspannender, unauffälliger, unerotischer als da, wo es alle sind. Morgens auf dem Campingstuhl, Zeitung lesend: Nackt. Auf dem Weg zum Supermarkt: Nackt. Vor dem Regal mit den Cornflakes, Kaufentscheidungen erwägend: Nackt. Am Strand nackt, beim Zähneputzen nackt, beim abendlichen Glas Wein vor dem Wohnmobil nackt, nackt, nackt. Keiner guckt, keiner wundert sich, keiner ist irgendwie beeindruckt.
Die sexuelle Komponente ist vollkommen ausgeschaltet.
Und wie sieht es an der Männerfront aus?
Ganz genauso.
Nichts ist unerotischer als ein Auftritt der Chippendales oder einer beliebigen Vorstadt-Männerstripgruppe. Geölte Muskeltypen in knappen Tangas? Gähn, alles schon gesehen.
Das Interesse an Körpern erwächst ja gerade auch daraus, dass wir nicht wissen, was uns erwartet. Dann gewinnt ein erhaschter Blick auf etwas, das eigentlich verborgen ist, erst an Wert.
Das kann ein hochrutschendes Shirt sein, eine tiefsitzende Hose, die die Haarlinie zum Bauchnabel erkennen lässt, ein Stück einer Tätowierung an einer Stelle, die nicht jeder sieht – oder ein rutschender BH-Träger, ein Blick aufs Höschen beim Überschlagen der Beine, eine weißer Streifen nach dem Sonnenbaden … die Phantasie fängt da an, wo der Blick endet.
Dies ist kein Plädoyer für Sack&Asche, keine Aufforderung zum konsequenten Verhüllen, ganz sicher soll hier niemandem das Wort geredet werden, der gegen Freizügigkeit in jedweder Form ist.
Es geht viel mehr darum, sich bewusst zu machen, was man zeigt, wem man es zeigt, wie oft und warum. Ob es immer das Trägerlose, Bauchfreie, Ultraminikurze, Tiefstausgeschnittene sein muss. Oder ob man als Mann wirklich bei jeder sich bietenden Gelegenheit das T-Shirt abwerfen muss wie eine Echse.
So wie sanfte Blässe die neue Bräune ist, wird vielleicht Angezogensein das neue Nackt.
Dann steuern wir zwar nicht auf eine Renaissance der 50er Jahre zu, aber vielleicht auf eine Zeit, in der man öfter mal nicht verlegen zur Seite blicken muss, weil man all das, pardon, noch nie hatte sehen wollen.
Esperame.















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5. Juli 2009 um 14:17
Ach ich hätte dich aber so gerne im Mini gesehen.
Mein T-Shirt würde ich dafür auch anbehalten.
Viele Grüße
4. November 2009 um 21:49
“Ob es immer das Trägerlose, Bauchfreie, Ultraminikurze, Tiefstausgeschnittene sein muss.”
OMG! Als sei Deutschland – zumindest was die Kleidung betrifft – nicht schon konservativ genug. Nein, mit meinem nackten Körper habe ich Macht. Ich zeige, dass es etwas gibt, was man für Geld nicht kaufen kann. Nackt bin ich stark… angezogen auch… aber nackt noch mehr. Wenn ihr euch eurer Körper schämt, würde ich das definitiv als LSE bezeichnen. Next.Ich werde noch etwas weiterlesen in eurem Blog, aber dieser Artikel beinhaltet nichts, dessen ich zustimmen kann, ganz im Gegenteil.
Euer Jimbo Halbestunde.
7. November 2009 um 07:02
egal wie viele frauen ich nackt sehe, ob in der sauna oder am strand; ist eine süße dabei bin ich auch abends genauso begeistert wie morgens. Je nackter desto besser, immer und zu jeder zeit!