Kategorie: Brides Beach, Inner Game
1+1=3 – Oder: Du, ich und die Klobrille
3. September 2009

Me and you and you and me
No matter how they toss the dice, it has to be.
„Können wir bitte meine alte Klobrille aus meiner Wohnung mitnehmen? Die in der neuen Wohnung ist eklig und sowieso vorher schon von den anderen benutzt.“
„Du willst deine Klobrille abschrauben, die in der neuen Wohnung montieren und dann umgekehrt dasselbe noch mal, damit dein Nachmieter kein blankes Klo vorfindet?“
„Ähem…ja….?“
„Dir ist schon klar, dass der Akt des Abschraubens tatsächlich ekliger ist als das Desinfizieren der Klobrille in der neuen Wohnung, oder?
„Ähem…ja….?“
Und er macht es doch. Er schraubt mir die alte Klobrille ab und montiert sie in der neuen Wohnung. Wenn irgendwas Liebe ist, dann das. Er weiß, dass mich das glücklich macht – und deshalb schraubt und montiert er, flucht und hämmert er, bis die alte Klobrille dort sitzt, wo sie mich glücklich macht: Auf dem Klo in der neuen Wohnung. Bereit, von mir besessen zu werden.
Und „besessen“ ist genau das richtige Stichwort; besessen vom Chaos und Wahnsinn eines Umzugs rettet uns eigentlich immer nur der eine Grund. Die einzige Basis, warum wir uns noch nicht mit dem Hammer attackiert, mit dem Schraubenzieher erdolcht oder mit der Säge skalpiert haben: Die kleinen Kleinigkeiten, die wir für den anderen auf uns nehmen, weil wir wissen: Es macht ihn glücklich.
Sei es das Eingeständnis, eine Blume weniger auf den Badewannenrand zu stellen, die Bettseite zu nehmen, die eben nicht die beste ist oder eben die Klobrille als Wanderpokal mit umziehen zu lassen.
Wir machen das, weil der Konsens stimmt.
Und so übel romantisch das jetzt klingt, und so übel schleimig es sich anhören mag:
Wir machen das, weil wir uns lieben.
Und eben genau deshalb schauen wir uns nach dem dritten Nervenzusammenbruch (weiblich) und der vierten Fluchtirade (männlich) an, nehmen uns in den Arm und lächeln. Weil wir den Schritt gewagt haben, es jetzt einfach zu tun. Was tun? Uns tapfer dem Wahnsinn zu stellen, innerhalb von zwei Tagen zwei Wohnungen aufzulösen, zu putzen und zu schrubben, zu schleppen und zu schnaufen, zu planen und zu verwerfen, zu desinfizieren (weiblich), Briefkastenschlösser aufzubrechen (männlich) und zusammen einen Berg Kisten anzustarren, deren Inhalt sich jetzt langsam aber sicher vermischen wird. Skeptisch (weiblich) und optimistisch (männlich) betrachten wir die Dinge, die kommen mögen – aus den Kisten und in der Zukunft.
Während er die Sackkarre vergisst und sie mit ihren Schätzen den Keller in der Größe einer Großstadtkanalisation bis oben hin zustapeln kann, denken beide daran, dass sie ab jetzt jede Nacht ins selbe Bett steigen werden. Dass sie ab jetzt dem anderen sagen werden, wenn sie später nach Hause kommen. Und, dass sie ab jetzt seinen Rasierer neben ihrer Zahnbürste liegen haben wird.
Komisch und aufregend zugleich.
Und deshalb sagen sich beide, dass es ja nicht jede Nacht sein muss, die sie miteinander verbringen. Es stehen ja immer noch Dienstreisen und Pyjamapartys, Saufgelage und durchquatschte Nächte an. In denen ist der andere ja alleine zu Hause und bekommt ein kleines Stück seiner bisher so heilig festgehaltenen Freiheit auf dem Kopfkissen wieder.
Aber auch wenn diese Dienstreisen und Pyjamapartys nie stattfinden werden, auch wenn Saufgelage und durchquatschte Nächte schon Jahre her sind – im Prinzip ist es ihnen egal. Das wollen beide nur nicht wirklich zugeben. Brauchen sie auch nicht. Denn beide wissen es. Weil sie sich lieben.
So happy together.
The Bride















(7 votes, average: 4.57 out of 5)
3. September 2009 um 18:14
“Andere glücklich machen, macht mich selbst glücklicher als ich mich je alleine hätte glücklich machen können.”
4. September 2009 um 09:49
sehr schönes Kommentar von Experience! Dem stimme ich zu!
Und sehr schöner Text von Bride! Dem stimme ich genauso zu!
Bei mir ist es auch bald soweit… und ich freue mich darauf!!!
5. September 2009 um 00:33
Wie wahr, wie wahr!
8. September 2009 um 16:45
Hehe, ja die kleinen Spleens die wir alle haben
Ich glaube wenn ich “meine” eigene original Jeans*Joe Klobrille hätte würde ich die auch mitnehmen wollen. Außerdem muss sie aus Holz sein… die sind immer so schön warm.
Ich wünsche euch beiden alles Gute und freue mich auf sämtliche Blogbeiträge zu denen dich das Beziehungsleben im Mikrokosmos inspirieren wird.
Ach und ich hab blöderweise gesagt dass wenn du mit deinem Freund zusammen ziehst ich mit meiner zusammen ziehe. Ich hatte natürlich eher damit gerechnet dass du irgendwann 2034 oder so den Schritt wagst.
Anna du überrascht mich. Positiv – mit schockierend negativen Folgen für mich
Jetzt muss ich mich mental wohl auch mal langsam darauf vorbereiten dass da noch jemand sein könnte der mir 24/7 auf die Pelle gehen kann wann sie Bock dazu hat.
8. September 2009 um 16:56
@Jeans*Joe: Du weißt ja, ich bin immer für eine Überraschung gut… und du für wahnwitzige Versprechungen
Liebe Grüße in die Wohnungssuchestadt!
Anna
P.S. Heiraten werde ich sicherlich nie. Und Kinder? Da kannst du ruhig wieder mit deiner Liebsten um mich wetten. Oder so… So long junger Ritter der Herzen!