Kategorie: Inner Game - Catcity
♀ | Where The Kids Have No Name.
7. September 2009

Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.
(Victor von Hase, 1854)
Das Kind muss, sagt sie, keinen Namen haben. Wir mögen uns doch, das weiß ich, das weiß er – und ich weiß, dass er es weiß. Reicht das nicht? Warum es zerreden? Warum irgendwo Stress machen, wo wir auch einfach weitermachen können wie bisher, wer weiß wo es uns hinführt, wer weiß schon was in einem halben Jahr ist? Wozu es irgendwie nennen, sagt sie, wozu Beziehung sagen oder Affäre, sowas gibt doch nur Ärger und am Ende …
Sie hat gesagt, dass es okay so ist, sagt er. Sie weiß doch, dass wir nicht zusammen sind, wir werden es nicht sein, das muss sie doch wissen. Gut, wir haben nicht drüber geredet, wozu auch, es war ja immer alles klar zwischen uns, wir mögen uns, das muss doch reichen um eine gute Zeit miteinander zu haben! Wozu alles zerreden, wozu sagen, das ist nur eine Affäre, was heißt denn nur, als ob ich meine Zeit mit irgendwem verbringen würde …
Manchmal kann es so einfach sein.
Man sagt: Go with the flow. Man sagt: Das Kind muss keinen Namen haben. Man sagt: Wir mögen uns schließlich, das reicht doch.
Wir kennen sie fast alle, und manche befinden sich permanent in ihnen: Die Nicht-Beziehung. Die Schweige-Beziehung. Die Beziehung, die keinen Namen haben darf, weil sie sonst einen der Beteiligten (seltener: beide) in bindungsängstliche Existenzkrisen stürzt.
Und weil wir so unheimlich cool, so unheimlich tough, so unheimlich abgeklärt sind, macht es uns gar nichts aus, nicht zu wissen, woran wir sind. Hey, wir leben uns doch nur aus! Hey, wir wollen uns doch selber nicht festlegen! Hey, es stört uns ÜBERHAUPTNICHT, dass der andere niemals thematisch anschneidet, was das jetzt eigentlich ist zwischen uns, und es liegt GANZ SICHER nur an unserer eigenen Entspanntheit, dass die Wörter den Hals einfach nicht verlassen mögen, wenn uns selbst die Frage auf den Lippen brennt: Was ist das da eigentlich zwischen uns.
Also sind wir lieber nicht sauer, wenn der angekündigte Anruf nicht kommt, reagieren gelassen-leicht, wenn wir mitbekommen, dass der andere seinen Urlaub ohne uns plant, sind völlig entspannt, wenn wir uns eben nicht sehen, denn hey, das erlaubt uns doch alle Freiheiten, oder? ODER??
Manchmal kann man es sich so einfach machen, und dabei so schwer.
Wenn man das Feststecken in einer ungewollten Situation als Flow bezeichnet, Tatenlosigkeit und Passivität als Entspanntheit, wenn man den ständigen Wechsel von einer Nicht-Beziehung und die nächste mit sexueller Selbständigkeit, mit Emanzipation begründet.
Doch was ist eigentlich so schwer daran, ab und an auch mal zu sagen JA ICH WILL? Man steht ja schließlich selten vor dem Altar dabei, meist muss man es sich nur im Stillen selbst sagen. Wichtig ist, dass es der eigene Kopf, das eigene Herz hört, niemand sonst.
Wir müssen nicht immer unheimlich cool, toll und eigenständig sein. Oder ja, das sind wir sowieso, aber das sollte uns nicht daran hindern, zu wollen, was wir wollen. Statt zu wollen, was wir sollen.
Wir lassen uns hinhalten, wir lassen uns emotional auf ein Spiel ein, das wir nicht gewinnen können. Aus dem Kind ohne Namen ist noch selten ein Kind mit Namen geworden. In Beziehungsdingen gibt es keine späte Taufe. Wenn es nicht im Embryonalstadium benannt wird, muss es wahrscheinlich anonym bleiben. Und wird irgendwann vergessen, denn an Kinder ohne Namen erinnert sich später niemand mehr.
Von der Exfreundin wird immer mal erzählt. Fluchend, lobend, nostalgisch … Aber von der Exaffäre? Von der Bekannten, mit der ich mich damals öfter mal getroffen habe? Von Bettina, mit der ich damals dieses Dings, na ihr wisst schon, die was von mir wollte?
Das soll nun nicht heißen, dass wir die Knie fest zusammendrücken sollen und auf den Ritter mit dem weißen Sportwagen warten. Es soll auch keine Aufforderung sein, sich an den nächst passenden Kerl zu kletten, damit man sich endlich mal Diefreundinvon nennen darf.
Es soll vielmehr eine Erinnerung sein, dass es einen Grund gibt, den Dingen einen Namen zu geben. Damit man weiß, woran man sich halten kann, damit man einen gemeinsamen Weg finden kann, statt nur zufällig und aus reiner Sympathie mal ein Stück lang nebeneinander her zu laufen. Und weil es unheimlich befreiend sein kann, ab und an zu dem zu stehen, was man denkt und fühlt. Coolness hin, Emanzipation her.
Wir sind schließlich auch nur Mädchen.
Nur? Nein, nicht nur. Aber eben auch.
Esperame.















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8. September 2009 um 01:50
wie jetzt, _weisser_ Sportwagen?
Hab’ ich was verpasst?
Bring’ ich den roten zurueck?
8. September 2009 um 09:51
hahaha ich hatte eine solche Situation Anfang des Jahres… nur umgekehrt: ICH war es, die dem Kind keinen Namen geben wollte.Und es war gut so… für mich! Für ihn eher weniger. Jetzt ist es schon lange vorbei, und das ist noch besser
8. September 2009 um 13:01
Agree to disagree. Ich stehe zu allem, was ich fühle und ich fühle viel Liebe. Aber der ewige Drang, allem einen Namen zu geben, alles gemeinsam zu regeln und zu planen, treibt mich bei meiner Herzdame gerade in den Wahnsinn – und von ihr weg. Wir haben wohl unterschiedliche Erfahrungen…
8. September 2009 um 16:32
haha ich finde es immer wieder witzig…die eigenen erfahrungen 1:1 auf dieser seite hier, vollständig bis ins kleinste detail erläutert, wiederzufinden!
Inzwischen denke ich…scheiss auf die coolness…vertrete das was du wirklich fühlst…natürlich nicht zu früh, aber auch nicht zu spät wenn zB der kopf bereits soweit ist zu sagen…ja was denn nun? links oder rechts, oder doch wieder zurück?
Wie immer die goldene mitte wählen…um so früh genug zu erfahren was denn nun da los ist.
Ich denke dieses go with the flow bleibt nur fassade. Es entfernt sich einfach vom Mensch sein…man macht es sich unnötig schwer und zögert das chaos nur heraus.
Glaube nicht, dass das auch nur für eine der beiden parteien langfristig gesund ist, mit dem flow zu gehen und ein kind ohne namen zu bleiben…das kann man nun auch auf sämtliche andere lebenssituationen genauso beziehen.
übrigens gilt mein dank den beiden autorinnen dieses blogs…lese regelmäßig und bin jedes mal ein stück weit inspiriert, gute arbeit
8. September 2009 um 16:47
@Kind ohne Namen: Danke für dein Lob, freut mich und sicherlich auch esperame sehr!
Ich sehe das so: Für eine gewisse Zeit finde ich den Flow und das namenlose Kind absolut empfehlenswert. Wie schon boRp sagte, manchmal kann man mit zu schnellem Fixieren und Festlegen und vor allem den Planungen viele schöne Dinge, die sich hätten entwickeln können, im Voraus kaputt machen. Nach dieser gewissen Zeit (und hier liegt die Gratwanderung) ist das namenlose Kind aber unglücklicher als jede Jaqueline oder Joy und der Flow eiert im Nirwana herum… Der goldene Mittelweg ist hier wohl mal wieder das Stichwort. Den zu finden, ist die hohe Kunst
Und den muß dann wohl auch jeder für sich selbst finden. Eine generelle Regel sollte man hier wohl nicht aufstellen, aber wenn ichs müsste…ich würde mindestens ein paar Monate den Flow Flow sein lassen und namenlose Kinder mit Eis versorgen.
Irgendwann dannmuss man aber einfach das Kind benennen und den Flow festnageln – auch, wenns am Anfang nicht leicht ist und den Sprung ins kalte Wasser bedeutet.
Viel Spaß beim Treiben lassen und vor Anker gehen!
Bride
8. September 2009 um 21:31
Das Kind ohne Namen wird nun 2 1/2….
Wie wahr ist alles, was ihr schreibt und so sehr mein Thema, daß es mich betroffen macht. Und dennoch: Mein Kind ohne Namen ist nun 2 1/2 Jahre alt und es soll ein namenloses bleiben. Vielleicht für den Rest seines Lebens. Ich weiß es nicht. Ich will es auch nicht wissen.
Ist das ehrlich? Oder ist das ängstlich?
Auch das will ich nicht wissen.
Denn alles, was einen Namen hat, passt in ein bekanntes Muster- und das letzte Muster war extrem schmerzhaft.
Und alles, was einen Namen hat, macht man sich vertraut- und es möchte Vertrauen können und dürfen.
Und so heißt jedes Kind mit Namen mit Nachnamen: Verantwortung.
Und die trage ich im Moment nur für mich selbst. Das ist manchmal einsam, denn natürlich heißt das auch, daß mir niemand mal Verantwortung abnimmt- also kein Flow, der Anker im eigenen Rücken, der vom Kind ohne Namen respektiert wird. Im Gegenzug respektiere ich seine Anker. Wir bewegen uns in undefinierten, engen Grenzen in einem weiten Raum. Der Nachname ist hier Akzeptanz.
Und alles andere wäre ein zu großes Versprechen.
Ich nenne das nicht Emanzipation.
Ich nenne es Leben- saugeil und sauscheiße…jeden Tag ein anderes Gefühl, ein anderer Name.
9. September 2009 um 00:56
@Lola wow 2,5 jahre…hut ab…ich hoffe du ziehst für dich insgesamt deutlich mehr positives aus dieser undefinierten “verbindung” heraus…

also ich persönlich brauche irgendwann fakten, knallharte fakten…wenn es keine gibt, dann will ich mich damit auch nicht zufriedengeben.
Denn da stellt sich für mich die frage, was genau will ich eigentlich…was brauche ich, was tut mir gut,
…heute sehe ich über den köpfen vieler menschen, einschließlich mir, ein Fragezeichen, seltsamerweise wird es mit zunehmender erfahrung nicht kleiner…eher größer.
Das zeigt auf, wie zerbrechlich und unsicher wir doch eigentlich im kern sind und wie sehr wir doch nach sicherheit dürsten…bekommen wir sie über die jahre nicht auf die klassische art und weise…holen wir sie uns eben auf eine eher entgegengesetzte art ein, indem wir unser wesen verschließen und einen auf unabhängig machen
Das leben könnte soviel einfacher sein…ich frage mich woher das rührt, ob das schon immer so war? liegt es an der unendlichen medienflut…dass man schon gar nichtmehr weiss wo vorne und hinten ist…es gibt einfach viel zu viele dinge in unserer heutigen zeit, mit denen man eine gute zeit haben könnte…man steht vor der qual der wahl…oder der wahl der qual. grenzenlose möglichkeiten…heute gibt es einfach alles und irgendwie auch nichts.
Man muss das rad nichtmehr erfinden.
Viel brauchen wir ja nicht, aber wieso machen wir es uns so dabei so schwer?
Wozu haben wir so ein großes gehirn bekommen
Um uns statt mit ausgeklügelten hightech waffen in der welt der zwischenmenschlichen interaktionen seelisch gegenseitig auszulöschen?
puh ich merke grad, das thema könnte man noch unnötig weit ausbauen =) …
Ich bleibe dabei, ich brauche klare linien, alles andere ist für mich persönlich eine seelische hungersnot
9. September 2009 um 16:42
@ Kind ohne Namen: Ja, du sprichst mir aus einer Seele! (anbei: wo gibt es bloß die lustigen Smilies?- ich kann nur schwarz weiß!-> außer in Beziehungs-Dingen!
)
Aber die andere Seele braucht eine Pause!
Und hier wohnen schon drei Kinder mit Namen- da sei eines ohne Namen erlaubt!
Und genau in dem, was Du schreibst, liegt und lag meine Erkenntnis der letzten Jahre: Es wird nicht mehr werden, was wir bekommen. Es ist das gleiche, was wir schon hatten – die Kunst ist, damit glücklich zu sein!
(jaja, die Medien suggerieren uns anderes, aber- auch wenn ich in vielerlei Hinsicht nicht “erwachsen” werde- soviel hab ich verstanden.)
…und da wir inzwischen so entsetzlich alt werden, gönne ich mir eine namenlose Pause.
Ich finde das, was Beziehungen “bieten” ganz wundervoll: Die Vertrautheit, Rituale, aneinander wachsen und Lebensgeschichte gemeinsam schreiben.
Aber es erfordert auch viel Kraft und Herzblut…die hab ich im Moment nicht. Nur Fragezeichen, die größer werden, wenn Namen auftauchen, wenn man versucht, etwas einzuordnen- da hast du sehr Recht!!!
Und eine große Sehnsucht nach Geborgenheit. So alle 4-6 Wochen…für ca. 24 Stunden….
Bin ich ein Freak? Janeinvielleicht- ich will es nicht wissen. Aber ich kenne jemanden, der genauso freakig ist, wie ich. Der keine Fragen stellt, weil er den zerbrechlichen Kern kennt. Das ist ein großes Geschenk- für den Moment. Weiter denke ich gerade in diesen Dingen ohnehin nicht.
Und je länger ich dieses Thema unnötig weit ausbaue, desto mehr drängt sich mir die Frage auf:
Gibt es Verhaltensweisen, die dem Kind einen Namen geben, ohne daß man ihn ausspricht?
Wahrscheinlich ist das des Pudels Kern: jedes Kind hat einen Namen, ob man ihn ausspricht oder nicht- letztendlich zählt, ob beide mit den Namen oder Nicht-Namen leben können.
9. September 2009 um 16:43
oh..es gibt also Dinge, die werden von alleine bunt….wie aufregend!