Kategorie: Inner Game
An Jedem Anfang Steht Ein Fallender Meister.
20. Oktober 2009

“I made the mistake of not having sex until I was 23! … My advice to you is to never chase love. It will find you when you least expect it. Have fun, have lots of safe sex and enjoy your sexuality. Be proud of who you are.”
Elton John
Ich habe nie geraucht. Einfach, weil ich nie damit angefangen habe. Hätte mich im passenden Alter, sagen wir mal, mit 12, 13 … jemand dazu überredet, wäre es wohl einfach so gekommen. Nicht anzufangen war keine bewusste Entscheidung, es war purer Zufall.
Hätte mich im passenden Alter nicht jemand einfach geküsst, dann wäre es vielleicht auch nie dazu gekommen. Von mir aus hätte ich das nie angefangen, es war keine bewusste Entscheidung, purer Zufall: Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort, ich schüchtern, er nicht, und so ging es damals los.
Doch was passiert, wenn nicht irgendwann jemand daher kommt, zu einer Zeit als man noch gar nicht darüber nachdenkt, dass es vielleicht nicht geschehen könnte: Dass man nicht geküsst wird, dass man keinen Sex hat, nie eine Beziehung. Es ist wie mit dem Rauchen. Es wird immer unwahrscheinlicher.
Doch während man sich bei Zigaretten irgendwann von selbst abwendet, bewusst, willentlich, und erkennt, dass das eine unangenehme, unhygienische und ungesunde Angewohnheit ist, liegt die Sache bei Intimitäten ganz anders.
Wer sie nicht kennt, wünscht sich nichts mehr. Und es kommt ihm nichts ferner vor, als sie irgendwann zu erleben. Das, was nie (per Zufall) passiert ist, wird so stark aufgeladen mit Bedeutung, Bewusstheit, dass ein natürliches Eskameinfachso nahezu unmöglich wird.
In einem Brief an sein 16jähriges Ich schreibt Elton John, dass er bereut, nicht früher einfach angefangen zu haben mit den Liebesdingen. Bis 23 gewartet zu haben, weil er sich zwar ständig verliebt aber nie getraut hatte. Und dabei einiges verpasst zu haben. Das Einfache, die Leichtigkeit. Sein Rat: Have fun, have lots of safe sex and enjoy your sexuality. Für Menschen, die genau das nicht haben, klingt diese Weisheit allerdings reichlich absurd.
Was dabei häufig vergessen wird, ist die unrühmliche Tatsache, dass Intimitäten in dem Alter, in dem die meisten von uns ihre ersten Erfahrungen machen, selten romantisch, ausgefeilt oder irgendwie erfreulich sind. Im Gegenteil – der Anfang ist nicht nur im Sprichwort schwer. Das erste Küssen eine komische, nasse, merkwürdige Angelegenheit: Zu nah, zu ungewohnt. Der erste Sex macht sie Sache nicht besser … Knutschen ist jetzt kein Thema mehr, aber was genau wo hin soll und wie man die ganze Chose so über die Bühne bringt, dass sich niemand weh tut, schwanger wird oder vor Scham im Boden versinken muss? Sowas übersteht eine ohnehin wacklige Teenagerpsyche quasi nebenher, ein Erwachsener hingegen muss schon ein Sebstbewusstsein wie ein Preisboxer mitbringen … oder eine Menge Humor. Und eben die Einsicht, dass man auch nicht Laufen gelernt hat, ohne hinzufallen. Oder Radfahren, ohne blaue Flecken zu kriegen.
Aber wer nie riskiert, zu stolpern, hinzufallen, kommt auch nie in den Genuss, einen langen Strandspaziergang zu machen oder einen Berg zu besteigen. Bis dahin muss man nämlich auch mal um die ein oder andere schmuddelige Hausecke gebogen sein oder sich durch dunkle Gassen getraut haben. Vielleicht war es staubig, steinig, steil. Vielleicht saß man mal knietief im Morast oder es war einfach zu heiß, um auch nur noch einen Schritt weiterzugehen. Aber: Als Marathonläufer ist niemand geboren. Und wer nicht anfängt zu gehen, sondern darauf wartet, dass seine Beine per gutem Zureden und redlichem Hoffen ganz von selbst tun, was die da im Fernsehen bei der Olympiade machen, der kann ewig warten. Wunder gehören zum Katholizismus, nicht zur Realität zwischengeschlechtlicher Beziehungen.
Wie so oft ist der letzte Satz übrigens der wichtigste: Be proud of who you are.
Sei eine interessante Persönlichkeit. Stehe zu dir. Sei stolz auf dich.
Menschen ohne Erfahrungen neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Sie sagen: Ach, wie sie/ er aussieht, ist mir nicht wichtig. Und meinen damit: Ich kann es mir sowieso nicht aussuchen. Ich bin so ein Versager, dass ich mich glücklich schätzen kann, wenn sich überhaupt jemand mit mir abgibt. Und wenn derjenige doof und hässlich ist.
Kommen dann allerdings die Doofen und Hässlichen, sind sie doch nicht gut genug. Wer schon so lange wartet, will sich ja nicht an jemanden “verschwenden”, der insgeheim als unpassend empfunden wird. Und hier beisst sich die Katze in den Schwanz und der einsame Mensch bleibt einsam. Weil er nicht zu sich steht, weil seine Ansprüche zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Phantasiebildern unhaltbar werden, den Bezug zur Wirklichkeit verlieren.
“Soll man sich denn völlig verstellen und … die Anna spielen, um jemanden zu finden?”
Der erste Schritt ist, jemand zu sein, auf den man selbst stolz ist. Immer. Egal, was einem im Leben fehlt, sei es zwischenmenschlich, sei es beruflich. Irgendwo muss man anfangen, und dann heißt es, offen zu sein für die Dinge, die passieren. Sei stolz und habe keine Angst.
Esperame.















(10 votes, average: 4.80 out of 5)
21. Oktober 2009 um 01:40
Hey Esperame,
(und auch Bride)
ich finde es unglaublich toll das Ihr dies hier schreibt.
Mir erscheint das alles stets banal und überflüssig.
Aber nach der Zeit, in der ich nicht gelebt hatte, wusste ich nichts anzufangen und jene, jetzt in meiner damaligen Situation steckend, haben euch vollen Ernstes nötig, wie das einzige Seil, dass aus dem Loch herrausführt, wenn diese ignorieren, dass sie klettern können.
Es gibt wohl viele die wie Ihr den Weg zeigen könnten. Doch sie tun es, warum auch immer, nicht, impliziert mich.
21. Oktober 2009 um 10:29
Tja… sowas gibt es leider öfter als gedacht… zwei Freundinnen von mir (die eine 28, die andere sogar schon 30) sind in dieser Situation. Je älter sie werden, umso schüchterner werden sie und umso unwahrscheinlicher wird es für sie, dass es jemals passieren wird… ich denke, wenn sie “ES einfach tun” würden, dann würde der Knoten platzen und sie würden lockerer werden. Aber wie sollen sie das schaffen??? Es tut mir sehr leid für beide, weil sie ansonsten sehr wertvolle Menschen sind und ihnen nur ein klein wenig Erfahrung zum Glück fehlt.
21. Oktober 2009 um 20:27
Sowas übersteht eine ohnehin wacklige Teenagerpsyche quasi nebenher
is vielleicht zum eigentlich thema dieses beitrags offtopic, aber kam mir so in den sinn bei der obigen aussage: warum muss man denn auch schon mit 13, 14… schon sex haben?
22. Oktober 2009 um 15:49
ja, kenne auch welche von dieser sorte.. Aber was soll man da machen? Nach Rat fragen würden diese in den seltensten fällen und wenn man mal anstöße oder tips gibt, wird so getan als hätten sie das nicht nötig.
25. Oktober 2009 um 22:17
sehr schöner text.
in der tat so wahr und angenehm zu lesen.
carpe diem!
10. November 2009 um 07:30
hay anna, super toller blog, ich möchte dich einfach ermutigen authentisch weiter zu machen, deine schreibart gefällt mir ungemein, also mach weiter mit männerherzen verzaubern.. du sprichst dinge so leicht flockig, so als ob es nichts zu verheimlich gäbe. Wow ich respektier dich und deine Art dich auszudrrücken. Würde Gern mal einen Video.Blog-Beitrag von dir auf youtube sehen !
Gruss (; und guten morgen aus Essen / NRW
29. November 2009 um 03:09
Hallo Esperame,
ein sehr schön geschriebener Text, in dem ich mich wiederfinde. Ich habe nun schon eine ganze Weile unnütz gewartet und tue es immer noch. Aber inzwischen kann ich die Katze-beisst-sich-in-den-Schwanz-Ursachenkette intellektuell erfassen und an mir selber diagnostizieren. Und dennoch fällt die Umsetzung in konkrete Taten so schwer mit dem Ergebnis, dass die Katze sich doch noch ein wenig in den Schwanz beisst. Immerhin habe ich erkannt, dass ich Laufen lernen muss und dass die ersten Schritte weh tun werden. Das ist letztlich eine wesentlich beruhigendere Erkenntnis, als sich weiter dem Zufall ausgeliefert zu sehen. Jetzt noch ein bisschen mehr Mut zu Offenheit, Ehrlichkeit und Stolz trotz „Makel“, dann kann die Energie endlich wieder frei fließen, ohne von den inneren Barrieren und dem immensen Druck behindert zu werden, der einem in den sabotierenden Kategorien von Erfolg und Misserfolg sowie projiziertem Persönlichkeitsminderwert gerne von der eigenen Denkfabrik vor das geistige Auge gehalten wird. Und wenn man ansonsten im Leben alles ganz gut im Griff hat und mit einem Hang zum Perfektionismus hohe Ansprüche, auch an sich selber, stellt, dann ist das dummerweise sehr hinderlich, um unbekannte Gehversuche zu unternehmen, die ein Risiko des totalen „Scheiterns“ mit sich bringen. Ich weiß, es wird klappen, aber ich weiß auch, dass es mich noch einigen Mut fordern wird – aber es liegt an mir. Und nicht am Zufall.
11. Dezember 2009 um 09:16
Hmm und ich dachte immer, dass alles nur Zufall ist. Destiny wie es so schön heißt. Eines Tages auf einer schönen Wiese wird schon eine gute Mutter mich finden. Den entweder es ist vorherbestimmt oder soll eben nicht sein, daran irgendetwas zu forcieren halte ich für völligen schwachsinn. Immerhin will ich ja niemanden in seinem Glauben und Verlangen Manipulieren, denn dann könnte ich mich ja gleich selbst dem Richter wegen ungebürlichem Verhalten vorführen.
Ja ich bin sicher eines Tages wird meine Prinzessin mir zugeflogen kommen…
Eines Tages werde ich glücklich sein….
Bis dahin wid eben abgewartet und Tee getrunken…
Your Papa