Kategorie: Brides Beach

30 – Oder: Life is Life

30. März 2010

Für einen großen Menschen, der große Schritte wagt und in mir großes bewegt hat.

Mittlerweile habe ich scheinbar ein Alter erreicht, in dem ich von der heiligen Dreifaltigkeit der Umdiedreißiger nicht nur umgeben sondern fast überrannt werde: Babys, Bäuche und Bindungen – vorzugsweise feste und die von der Art, die mit „Ja, ich will“ besiegelt werden.

Schon wieder trage ich die Tasche einer schwangeren Freundin.
Schon wieder überlege ich mir ein Hochzeitsgeschenk.
Schon wieder hat ein Baby die Brust oder den Schlaf verweigert.
Und zum ersten Mal reicht es nicht zusammenzuziehen, sondern werden auch Häuser gekauft und die Einweihungspartys nicht mehr auf 60m² sondern auf drei Stockwerken mit Garten und Garage veranstaltet.

Bin ich alt geworden? Nein. Ich habe nur eine Schwelle erreicht, in der sich der Fokus verschiebt. Der Menschen und mich herum und mein eigener.

Mein eigener dahingehend, dass ich mich zwar freue, als Tante Anna süße kleine Händchen halten zu dürfen, Ultraschallbilder (jetzt auch in 3D) bestaunen zu können und Ausreden für neue Kleider für Hochzeiten zu haben; aber trotz allem oder gerade deshalb froh darüber zu sein, am Ende des Tages noch nur für mich selbst verantwortlich zu sein, ein ganzes Wochenende Serien schauen zu können, Weltreisen planen zu dürfen, jetzt nicht zu wissen, wo ich in einem Jahr sein werde und zu lächeln, wenn ich meinem Freund ein Kondom überstülpe.

Jemand sagte mal zu mir: „Wir fühlen uns erst wirklich erwachsen, wenn wir selbst Kinder haben.“

Und genauso ist es für mich. Ich bin froh, dass ich mich von jetzt auf gleich einfach ins Auto setzen und wegfahren kann. Wohin? Egal. Es ist nicht wichtig, ob es dort ein Krankenhaus und Hebammen gibt oder kindersichere Steckdosen. Wenn ich wollte, müsste ich mich nicht scheiden lassen oder Sorgerechte aufteilen, wenn die traute Zwei-, Drei- oder Viersamkeit vorbei ist.
Ich spare mein Geld für Reisen, nicht für Brautkleider.
Ich bin froh, dass das noch andere für mich übernehmen. Dass ich mit meinen Freunden all dies teilen kann und die positiven Seiten der drei großen Bs genießen darf. Ich teile ihr Glück über Babys, Bäuche und feste Bindungen und freue mich für sie, dass sie die letzten Schritte gegangen sind. Ob ich diese Schritte selbst gehen möchte, weiß ich nicht. Zur Zeit kann ich es mir nicht vorstellen. Die einzigen Schritte, die ich zur Zeit gehe, sind nach einem Tag mit Schnuller oder Saufspielen beim Jungesellinnenabschied dahin, wo es die drei großen Bs noch nicht gibt: nach Hause.

Denn es gehört nicht nur ein bisschen Wahnsinn dazu, sondern auch Mut. Mut, sich zu verpflichten und eine unsichtbare Grenze zu überschreiten, über die man nicht mehr einfach so zurückgehen kann.

Reisen oder Rückbildungsgymnastik?
Beagle oder Baby?
Freund oder Flitterwochen nach der Hochzeit?

Irgendwann wird jede/r diese Entscheidung treffen. Und auch, wenn man sie nicht bewusst trifft, wird sie getroffen. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Zahl 30 mal mehr oder weniger eben diese Entscheidung beeinflusst.

Glücklich sein – das kann man so oder so. Über das Lächeln des eigenes Kindes, über den Spontanurlaub am Wochenende, über die gemeinsame Steuererklärung oder über die Tatsache, dass man jederzeit gehen könnte, es aber nicht macht.

Vielleicht sitze ich irgendwann mit fünf Kindern vor meinem Haus auf dem Land und erzähle, wie ihr Vater um meine Hand angehalten hat.

Vielleicht steige ich aber auch in Australien aus meinem Camper aus und verbrenne mir beim Yoga die Füße im heißen Sand und rufe nach meinem Freund, der gerade Onkel geworden ist und mit mir planen will, wann wir mal wieder zu Hause vorbeischauen.

Noch ist alles möglich. Solange ich die Entscheidung für mein Leben bewusst treffe und sie den Menschen teilen kann, die mir wichtig sind.

Als Mutter oder Meerumseglerin.

The Bride

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17 Kommentare to “30 – Oder: Life is Life”

  1. dextro hat kommentiert:

    sehr schöner schreibstil.
    du solltest mal ein buch über das leben schreiben mit den ganzen themen deines blogs a la „und plötzlich ist später jetzt“ von elena senft.

  2. BW hat kommentiert:

    alles gute nachträglich erstmal zum runden geburtstag!

    zum artikel: mir gefällt da etwas nicht. mir kommt es vor als würdest du die augen vor den tatsachen verschließen: irgendwann ist eben nicht mehr alles möglich. mit 30 kommt man an diesen punkt, wo sich die vermeintlich unendlichen möglichkeiten eingrezen. das leben besteht nicht zuletzt in der aufgabe, sich für etwas zu entscheiden. das heißt nicht, dass man keine wahlfreiheit haben kann oder mit 30 noch mal die welt umsegeln könnte oder mit 40, sondern dass man zumindest einen der tausend wege beschreitet.
    „noch ist alles möglich“. nein, man kann nicht alles haben, das ist ein narzisstischer irrtum, dem viele menschen heute unterliegen. wenn du heute noch beschwörst, dass noch immer alles möglich ist und sein wird, wirst du es vielleicht auch in 10 oder 20 jahren noch ebenso verteidigen. und in diesem moment gescheitert sein, ohne es gemerkt zu haben.

  3. annaprinzip hat kommentiert:

    @BW: Ich glaube, du mißverstehst da etwas und interpretierst zu viel in „noch ist alles möglich“. Ich meine damit, dass zur Zeit für mich ganz speziell noch alles möglich ist: Kinder kriegen, heiraten und ein Haus bauen oder eben weiterhin die Welt zu umsegeln. Um es mal polarisierend auszudrücken. Sicher entscheidet man sich irgendwann bewußt für oder gegen Kinder, für oder gegen Hochzeit oder für oder gegen einen gewissen Lebensstil. Ich bin allerdings immer noch der Meinung, dass ich weiterhin Entscheidungen treffen kann. Sowohl mit 30 (was ich übrigens noch nicht bin…aber ich heb mir deine Glückwünsche auf! 😉 ), mit 40 oder eben mit 50 oder 60.
    Ich weiß nicht, wo du gelesen hast, dass ich mich nie entscheiden möchte oder dass ich alles haben möchte. Wie ich ja auch im Artikel geschrieben habe: Selbst, wenn man keine Entscheidung trifft, trifft man die, auf dem Weg zu bleiben, den man gerade beschreitet. Klar. Aber selbst das würde ich nicht als Scheitern beurteilen wie du.
    Vielleicht entscheidest du dich ja direkt dafür, den Artikel noch mal zu lesen 😉
    LG Bride

  4. Dirk hat kommentiert:

    Hi,

    ganz, ganz cooler Artikel. Ach ja und alles Liebe und Gute nachträglich!
    Ich selbst werde bald 32 und dachte ich mache alles ganz schnell richtig. 5 1/2 Jahre verheiratet, einen süßen Sohn (4), eine E-Wohnung, Auto und nicht mehr so arm wie noch vor 10 Jahren.
    Nur die Liebe .. wo ist die hin? Nur die Freiheit .. wo ist die hin? Jetzt wo alles geregelt ist, jetzt wo man planen kann, jetzt wo sich so wenig verändert .. ? Freiheit ist das höchste Gut, das habe ich die letzten Jahre gelernt. Und dazu gehört kein fettes Auto, keine E-Wohnung und kein Geld. Aber Unabhängigkeit, eben einfach mal in Australien aus dem Camper steigen .. ich vermisse es. Mit fast 32. Ich könnte es ändern .. aber will ich das?

  5. Sven Bergmann hat kommentiert:

    Das Thema betrifft mich auch, deswegen berührt es mich auch.

    Richtig ist sicherlich, dass man sich früher oder später entscheiden muss. Ich persönlich habe nämlich nicht vor, wenn ich mich für Kind und Frau entscheiden sollte, das erst mit 40 zu machen.

    Und so eine Entscheidung rückt immer näher…

  6. Paul hat kommentiert:

    Vielleicht überlegt dein Freund gerade, wie er um deine Hand anhält =)

  7. annaprinzip hat kommentiert:

    Ich glaub, den beschäftigt im Moment eher, wie er seine Kitesachen in unserem Camper verstaut bekommt 😉

    LG Bride

  8. catcar hat kommentiert:

    Schöner Beitrag, der ganz genau mein derzeitiges Lebensgefühl beschreibt!

  9. olli hat kommentiert:

    Hallo,

    schöner artikel. Ich steck da auch so richtig mitten drin. habe selbst dieses jahr die 30 überschritten, eine langjährige beziehung und eigentlich ein zufriedenes leben. habe meine hobbys, meine freunde, meine job, meinen sport und meinen sex. und meine bequemlichkeit… in letzter zeit plagen mich auch viele versteckte sticheleien meiner freundin richtung heiraten, kinder und eigenheim. sie wills am liebsten jetzt, geheiratet werden. danach das lütte.

    bin ich zu bequem ? zu ängstlich ? zu fleckmatisch ? unehrlich zu mir selbst ? habe ich furcht davor, dass sich in meinem zufriedenen leben was ändern könnte ? verpasse ich was ? muss ich etwa abstriche und kompromisse machen und raus aus meiner komfortzone ? was ist, wenn ich sie heirate und ich will sex mit einer anderen ? bin ich nicht der superheld, der alles im griff hat ? —-
    ich denke ich kann alles mit ja beantworten. die suche nach glück (das gleiche wie nach einem geilen fick ?).

    ps: ich hab da lachfalten an meinen augen entdeckt …

  10. Senor G hat kommentiert:

    Wieder mal ein sehr schöner Beitrag, dessen inhaltlichem Gedanken ich mich voll anschliessen kann.
    Thumbs Up und weiter so!

  11. Nicole hat kommentiert:

    Sehr schöner Beitrag der einen zum Nachdenken anregt. Es ist richtig, du triffst deine Entscheidungen im Leben und bestimmst es natürlich auch. Spielt doch keine rolle ob die Menschen in deiner Umgebung schon Kinder haben oder nicht. Wenn du selber noch nicht bereit bist, warte bis zu dem Zeitpunkt. Sonst leiden nicht nur du, sondern auch deine Famile und natürlich dein Kind.

  12. Nico Gold hat kommentiert:

    Das schöne ist: Falsche Entscheidungen kann man wieder berichtigen. Zugegeben mit Kind, Ehepartner und der monatlichen Tilgungsrate ist das manchmal alles nicht so einfach, aber besser dann noch mal einen Neuanfang machen, als den Rest seines Lebens im Status Quo abzusitzen.

    Wer nichts wagt, kann nichts verlieren, klar. Aber der kann auch nichts gewinnen….

    Ist es nicht das Spannende am Leben, dass man vorher nicht weiß, ob eine Entscheidung richtig ist?

  13. Sebbi hat kommentiert:

    Werde auch bald 30. Anfang zwanzig hätte ich noch gedacht, demnächst mal heiraten und Kinder kriegen, ist doch klar. Macht doch jeder so…

    Jetzt bekommen alle die sog. drei B’s. Animiert es mich, nach zu ziehen? Schürt es meinen Neid? NEIN. Ich glaube nicht an das so tolle Glück, dass manche zu haben scheinen. Ich sehe hinter den Fassaden der Beziehungen ganz viel Frust. Da wird geklammert, da spielen fast nur Ängste mit. Ängste, allein zu sein, Ängste, was zu verpassen, etc.

    Hat nicht jede Beziehung ein Haltbarkeitsdatum von wenigen Jahren? Warum meint man, sich FÜR IMMER binden zu müssen?

    Ich glaube mittlerweile, dass Heiraten grundsätzlich naiv und ein Verlustgeschäft ist. Für jeden, nicht nur für machen – es ist doch immer das selbe. Da braucht niemand zu glauben, bei einem selbst wäre das anders. Schaut euch um. Und jene, bei denen es „hält“, sind nach ein paar Jahren frustriert. Schöner Schein hin oder her. Man gibt so viel, Exklusivität, man „arbeitet“ (was für ein Wort) für eine Beziehung. Und bekommt so wenig dafür. Die Freiheit nicht zu vergessen.

    Zuerst betrügt man sich selbst, und dann den anderen. Kann ich von einer Ehefrau erwarten, dass sie mir nach, sagen wir mal 5 Jahren, immer noch treu ist? WARUM? Soll eine sexuell vitale Frau wegen mir sexuell verkümmern? Und ich sowieso? Warum tut man sich das an? Ehe = Quälen mit gegenseitigem Einveständnis?

    Kinder sind süß, wenn sie noch Babys sind. Aber nach den ersten paar Jahren war’s das. Und man hat sie immer noch an der Backe, bis sie erwachsen sind.

    Ich bin nicht unromantisch, aber mMn(!) funktioniert eine Ehe einfach nicht. Egal wer von uns, egal ob der Partner „der richtige“ ist. Es ist doch immer das gleiche. Auch wenn wir es nicht wahr haben wollen.

    Seid ehrlich, macht einfach die Augen auf.

    Letztendlich suchen wir alle nur unser Glück, aber findet man das wirklich in diesen 3 B’s?Zweifelt…

    Sebbi

  14. Marc hat kommentiert:

    Mir gefällt der Blog.

    Bin männlich und fast 32 Jahre alt.
    Anfang 20 beinhaltete meine Lebensplanung die drei B’s. Dann wurde ich nach vielen wundervollen Jahren verlassen und nach der Trennung stellten sich Dinge heraus, die mein hoch gehaltenes Frauenbild „beschmutzten“.

    Nach einigen Monaten lernte ich mehrere neue Frauen kennen und weiß: Torschusspanik gibt es, auch in ausgeprägter Form!

    Die letzten zwei Male wurde ich über den Tisch gezogen: ich brachte die Bereitschaft für eine feste Beziehung mit, doch aus einem mir nicht genanntem Grund zogen sich beide zurück.

    Die Vorstellungskraft, noch vor dem 40. Lebensjahr den drei B’s nachzukommen, schwindet. Das stimmt mich traurig, weil eine Familie das höchste Gut ist und man auch in schwierigen Zeiten immer füreinander da sein MÖCHTE (nicht muss)!

  15. GloomyFox hat kommentiert:

    Hi,
    ich habe eine große Schwester, die genau das 3B-Modell lebt. Sie ist seit Jahren verheiratet, hat Kinder, einen Ehemann mit Geheimratsecken, einen Halbtagsjob, einen Family Van, eine Garage, jede Menge Kram von Tchibo und eine praktische Frisur.

    Ich hab all das nicht: Ich lebe in einer WG, bin an niemanden gebunden und arbeite als Prostituierte. Vermutlich würde kaum einer vermuten, dass ich glücklicher bin als sie, aber immer, wenn ich mit ihr spreche (was nicht oft ist), habe ich genau diesen Eindruck.

    Mach weiter so,
    Grüße von GloomyFox

  16. Jessi hat kommentiert:

    Hey Bridge,

    ich spüre diese Schwere des Lebens und zugleich die Leichtigkeit in deinen Worten!

  17. Sabrina hat kommentiert:

    Ich bin 31, weiblich und verheiratet. Und glücklich! Nicht bequem, oder gefangen, oder belüge mich selbst. Als ich Familie und Freunden gesagt habe, dass wir heiraten, waren alle schockiert. Nicht, weil sie Einwände hatten, sondern weil es über mich immer hieß, dass ich nie heiraten werde. Ich liebe meine Freiheit einfach zu sehr. Die Freiheit Salsa tanzen zu gehen, wann ich möchte und mit wem ich möchte. Die Freiheit spontan über’s Wochenende wegzufahren oder einfach so mal um die Welt zu reisen. Und weil mein Mann mir genau diese Freiheit lässt, bin ich nicht schreiend weggerannt als er mir einen Antrag gemacht hat. Bevor ich ihn kannte konnte ich keine Beziehung führen, habe alles nach einigen Monaten abgebrochen. Eben weil mir jeder einzelne meine Freiheit rauben wollte. Nur mein Mann nicht. Wenn ich Lust habe Salsa zu tanzen, wünscht er mir viel Spass (er selbst tanzt nicht). Wenn ich Lust habe zu verreisen, machen wir es gemeinsam. Wir fahren einen VW-Bus und können somit überall übernachten wo wir möchten. Wenn wir weiter in die Welt hinaus möchten, tun wir das auch. Spontan und aus einer Laune heraus (unsere Jobs erlauben uns beiden kurzfristig Urlaub zu nehmen). Und wenn er durch die Clubs ziehen möchte ich aber lieber Filme sehen will, dann geht er eben allein oder mit seinen Kumpels.
    Wir werden mit Sicherheit irgendwann man Kinder haben. Und mit der gleichen SIcherheit werden wir kein Haus bauen. Wir sind beide nicht sonderlich sesshaft und sind lieber flexibel mit einer Mietwohnung die wir jederzeit kündigen können.
    Ich verstehe wirklich nicht, warum die meisten Paare sich gegenseitig so sehr einschränken bis beide unglücklich und frustriert sind. In einer GESUNDEN Beziehung muss man sein bisheriges Leben nicht aufgeben. Nur die Promiskuität leidet, was in meinen Augen kein Verlust ist, sondern eher ein Gewinn.

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