Kategorie: Brides Beach

„Schreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf.“

Ohne große Umschweife: Bride is back von ihrer langen (Lebens-)Reise und hat einen Buchtipp mitgebracht, der sich sehr gut als Wiedereinstieg ins Seelen-, Liebes- und Lebensleben von Bride an sich und den projizierten Wahrheiten im Allgemeinen eignet.

Ein Zufall lässt Emmi Leo kennenlernen. Allerdings nur per Email. Sie fangen an, sich zu schreiben, immer intensiver, immer öfter und immer nachdenklicher. (Erotische) Spannung entsteht, wird verworfen und wieder angefacht. Ein Treffen wird immer wieder hinausgeschoben – sind doch die Worte, die sie über die Mailbox teilen viel mehr wert als ein vielleicht ernüchterndes Treffen zwischen zwei Menschen, die schon eine so genaue Vorstellung voneinander haben, dass das Idealbild, das sich in ihrem Kopf geformt hat, unmöglich mit der Realität Schritt halten kann.

Im Bett liegend begleite ich Emmi und Leo auf ihrer Reise ins andere Ich. Auf ihrer Reise zueinander und voneinander weg. So packend und atemlos, dass ich das Buch in einem Rutsch durchlesen muß. Ich muß wissen: Treffen sie sich? Wird Emmi ihren Mann für Leo verlassen? Sind die Gefühle, die auf dem Bildschirm flimmern auch ins wahre Leben übertragbar? Jede weitere Email bringt mich näher zur Auflösung, näher zu dem Moment, wo ich das Buch traurig weglege – weil es zu Ende ist.

Ich habe Emmi und Leo persönlich kennengelernt, ihre Ängste, Sehnsüchte, Träume geteilt und mit ihnen gelitten und geliebt. Habe Emmi angeschrien, Leo die Daumen gedrückt, Emmi bemitleidet, Leo begehrt und mir gewünscht, dass alles ein gutes Ende hat. Ein Ende, das im Prinzip nicht gut sein kann – weil Emmi verheiratet ist und Leo als Katalysator für „ihre Außenwelt“ nutzt. Eine Außenwelt, in der nur sie und Leo existieren. Kein Mann, keine Kinder des Mannes, keine Freunde, keine Moral. Und Leo? Leo ist frei, aber gefangen in seinem Idealbild von Emmi – und einer immer wiederkehrenden Exfreundin.

Liebe per Email. Geht das? Ja, es geht. Und wie endet es?

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4 Kommentare to “Buchtipp: Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer”

  1. Sky hat kommentiert:

    Gut gegen Nordwind war für mich ein Paradebeispiel, wie beide Geschlechter miteinander spielen und versuchen sich zu manipulieren, wie man es bei den sogenannten „LSE“ Frauen und „AFC“ Männern kennt.

    Emmi hat mich mit ihrer Art unglaublich genervt – ich habe sie innerlich auch angeschrien, jedoch weil ich ihr Handeln nicht nachvollziehen konnte/wollte.

    Leos mysteriöses Verhalten, dass er nichts von sich preisgeben wollte, hat mich nicht berührt. Ich konnte keine Verbindung zu ihm aufbauen und er hat mich als Mensch nicht interessiert. Vielleicht war das aber auch kein „AFC“ Verhalten, sondern seine Masche.

    Beide haben sich im Kopf einen Wunschpartner zusammengebaut und auf das gegenüber im Netz projiziert. Das kenne ich noch aus den Schulzeiten, als man Jungs hinterhergeschwärmt hat und meinte, unglaublich verliebt zu sein, obwohl man nicht mal ein Wort mit ihm gewechselt hatte.

    Dem Autor waren diese Prinzipien natürlich bewusst, so dass er sie übertrieben in den Roman eingebaut hat. Damit, gepaart mit der Grundessenz der Liebesromane – nämlich dass man dem Leser nicht geben sollte, wonach er sich verzehrt – ist ihm ein Roman gelungen, der die breite Masse anspricht.

    Charaktere sollen Schwächen haben, aber ich erinnere mich nicht, dass sie sich weiterentwickelten; Sie haben stets dasselbe Spiel gespielt.

    Eigentlich lese ich gerne Liebesromane, aber Gut gegen Nordwind hat mich gequält.

  2. annaprinzip hat kommentiert:

    Sky » Richtig, und genau, weil er das Verhalten so übertrieben darstellt, hat es mir ganz gut gefallen.
    Ich glaube nicht, dass das Leos Masche war, er war einfach so.
    Ich habe mich eben die ganze Zeit gefragt: Wie können zwei Menschen sich selbst so belügen und eben nicht den Schritt in die Realität wagen?
    Ich fand es extrem überraschend, wie sie diese Manipulationen schon in den ersten Emails anfangen. Da, wo sie den anderen kaum kennen, setzen sie schon ein.
    Und trotz allem, mir hat der Flow des Buchs gut gefallen.

    LG Bride

  3. Rahel hat kommentiert:

    Die Geschichte geht ja noch weiter, mit dem zweiten Teil „Alle sieben Wellen“ :-)

  4. annaprinzip hat kommentiert:

    Rahel » Tatsächlich? Das wußte ich gar nicht. Wird gelesen und bewertet!
    Liebe Grüße,
    Bride

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