Kategorie: Allgemein, Brides Beach, Inner Game - Catcity

You can’t always get what you want, but it turns out, if you try sometimes, you get what you need.
(Rolling Stones)

Wenn etwas endet, tut das weh. Wenn etwas endet und man es nicht hat kommen sehen, dann noch mehr. Wenn etwas endet und man es erst Monate später richtig realisiert, dann hat man geliebt – und gelernt, was es heißt, die Liebe zu verlieren. Und das mit dem Gefühl der Machtlosigkeit, das jeder kennt, der schon mal verlassen worden ist.

Je älter man wird, desto tiefer liebt man. Denke ich zurück an die ersten Verliebtheiten in der Schulzeit, war das Ende eher ein etwas, das den Abschnitt des Verliebtseins abgeschlossen hat. Je mehr Männer man als Frau kennen gelernt hat, je mehr weiß man meist was man nicht will – und damit, was man will.
Je länger er an meiner Seite war, desto klarer wurde mir, dass er es ist. Dass er genau das verkörpert, was ich mir unter einem Partner vorstelle.

Alles Positive, alles Negative, alles passt. Für mich. „Mit ihm möchte ich alt werden“  denke ich, sage ich vielleicht auch das ein oder andere Mal, strahle ich aus.

Darf man das? Darf man sich komplett öffnen und dem anderen seine Seele zeigen? Ich sage ja, das darf man. Das Problem dabei ist: Der Schmerz, der damit einhergeht, wächst proportional zum Grad der Öffnung. Aber wer sich nicht öffnet, dem begegnet auch nicht die Offenheit, die eine Beziehung im Gegensatz zu einer Affäre oder dem Daten auf ein anderes, höheres Level hebt. Es ist der Tanz auf dem Drahtseil, Gewinn und Verlust ganz nah. Solang das Seil hält, kann man kaum glauben, wie nahe man sich dem anderen fühlt – und wie diese Verbundenheit so unglaublich Spaß machen kann. Tritt man daneben oder wird geschubst, dann fällt man tief.
Aber tief fallen gehört dazu. Der Reiz wäre nicht da, würde nicht die Gefahr bestehen, tief zu fallen.

Wird man verlassen, tendiert man dazu zu denken „Nie wieder werde ich jemanden an mich heran lassen. Nie wieder werde ich ehrlich sein. Nie wieder werde ich mich öffnen.“ Das ist ok, das darf man sich ruhig gönnen. Aber diesen Gedanken nicht abzuwerfen ist gefährlich. Denn wenn man sich zu sehr zurückzieht, werden Gefühle von anderen einfach abprallen. Ich habe immer wieder die teils überraschende Erfahrung gemacht, wie offen Menschen werden, wenn man sich selbst öffnet.

Öffnen und geöffnet werden – das gilt nicht nur im Bett, das gilt auch in der Gefühlswelt. Und das man etwas wagen muss, um zu gewinnen, ist nicht nur ein Sprichwort, sondern gelebte Realität.

Für mich ist es essentiell, die Erfahrung einer tiefen Liebe gemacht zu haben. Und die Erfahrung des schmerzhaften Verlustes dieser Liebe. Wobei ich sie nie wirklich verloren haben werde. Sie wird immer ein Teil von mir sein. Auch wenn der Mann es nicht mehr ist. Wenn ich zurückblicke, will ich nichts schlecht reden. Keine Erfahrung mit ihm. Keine Minute mit ihm. Keine Reise mit ihm. Keine Gedanken, die um ihn kreisten. Kein Geschenk für ihn. Kein Umweg für ihn. Keine Liebe für ihn.
Denn es sind meine Gefühle, auf die ich zurückblicke. Nicht seine.

Für mich war es perfekt – so lang, bis er ging.

Ich bereue nichts. Ich würde es immer wieder genauso machen. Ich kann mir für die Zukunft keinen anderen Weg vornehmen. Ein Verschließen, ein sich zurückziehen, ein anderes Beziehungs-Ich. Dafür hatte ich zu wenig Einfluss auf seine Entscheidung. Hätte es Streits und Gespräche gegeben oder Chancen, die verpasst wurden. Vermutlich würde ich anders denken.

Ich dachte, dass er der Mann für mich. Der, mit dem ich am Ende des Tages vorm Haus am See sitze. Mit dem alles so ist, wie es sein soll. Aber er war es nicht. Denn ich war nicht die für ihn. Also kann er auch nicht der für mich gewesen sein. Die Erkenntnis schmerzt. Auch ein Jahr nach dem Ende.

Es ist aber nicht mehr die Erkenntnis, dass er es nicht ist. Es ist die Erkenntnis, eine Liebe verloren zu haben. Und in diese Erkenntnis mischt sich mehr die Freude auf das Neue. Die offenen Türen. Die Chancen, die das Ende mit sich bringt. Ich habe gelernt, dass es mit der Zeit immer weniger darum geht, was er denkt und dachte, warum er nicht will oder seit wann. Es geht um mich. Ich kann nicht beeinflussen, was außerhalb meiner eigenen Gefühlswelt geschieht. Es geht darum, wie ich mit der Erfahrung umgehe, was für Gefühle in mir entstehen und welche Gedanken in mir sind.

Die, die damals verlassen wurde ist nicht mehr die, die das hier schreibt. Denn so ein Erlebnis prägt. Aber nur, wenn man sich die Zeit nimmt, es zu er-leben. Es nicht zu verdrängen. Es an sich ranzulassen und aus dem Schmerz die Kraft zu ziehen, weiter zu machen. Der Boden, der einem unter den Füßen weggerissen wird, baut sich Monat für Monat immer weiter auf.

Verdrängt man, holt einen alles irgendwann aus heiterem Himmel wieder ein. Und am besten genau dann, wenn man es überhaupt nicht mehr erwartet. Dann wird der Schmerz im schlimmsten Fall auf den neuen Partner projiziert – der am wenigsten Schuld ist. Es ist wichtig, auch negative Gefühle zuzulassen. Zu Trauern, wütend zu sein, Schmerz zu empfinden. Man tendiert dazu, diese Gefühle nicht zulassen zu wollen, weil sie anstrengender sind als Glück, Freude und Befriedigung. Aber wer sie wirklich mal annimmt und ihnen Platz im Leben einräumt, wird merken, dass daraus Gutes entstehen kann: Weiterentwicklung, neue Sichtweisen und überraschende Erkenntnisse.

Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke, war es eines der intensivsten in meinem bisherigen Leben. Weil ich gezwungen wurde, neu zu starten. Mir steht die Welt offen. Ich bin für mich und mein Glück selbst verantwortlich. Ich erlebe das, was ich erleben will.

Ich bin ihm nicht dankbar für seinen Entschluss – aber ich bin dankbar für die Türen, die dadurch geöffnet wurden. Aber diese Türen hat nicht er für mich geöffnet. Er hat unsere geschlossen. Die Kraft, andere Türen zu öffnen, die muss aus einem selbst heraus kommen. Es gibt Rückschläge – die gibt es immer. Aber diese Rückschläge muss man annehmen. Wie meine langjährige Begleiterin Marie Forleo schreibt „What you resist, persists“.
Also verfluche ich es nicht. Ich nehme es an, nehme mir Zeit zu trauern – und mache weiter. Ich lebe. Und das Haus am See, das gibt’s immer noch. Wer da mit mir sitzen wird? Ich weiß es nicht. Vielleicht sitz ich allein dort, vielleicht mit jemandem.

Ich habe die Erfahrung gemacht, wie es ist, verlassen zu werden. Auf übelste Art. Im übelsten Moment. Ich weiß, wie es sich anfühlt. Wie man Monate lebt ohne wirklich da zu sein. Wie man sein Leben neu ordnen muss. Und wie man Wege neu entdeckt. Und dass das auch schön sein kann.

What goes around, comes around.

 The Bride

 

 

 

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3 Kommentare to “The Lost Boy – Oder: Phoenix aus der Asche”

  1. JJ hat kommentiert:

    Du sprichst mir aus der Seele. Genau so habe ich meine letzte Trennung erlebt und gefühlt.
    In der ersten Zeit nach der Trennung habe ich mich gefühlt wie eine Raupe. Habe lange gebraucht um mich aus dem Kokon den ich mir baute zu befreien.
    Doch nun ist ein Schmetterling aus der Raupe geworden und ich fühle mich wieder stark, weil ich viel über mich selbst gelernt und mich wieder neu entdeckt habe. Doch das konnte ich nur erreichen, weil ich mir selbst „erlaubt“ habe das alles zu verarbeiten.
    Vielen Dank für deinen Beitrag!

  2. annaprinzip hat kommentiert:

    JJ » Ja, ich denke, es ist vor allem wichtig, sich a) auch mal erlauben zu verdrängen aber b) dann auch wieder bewußt machen, dass da was schlummert, das raus kommt – und was eben auch verarbeitet werden muß. Und das geht nur mit der Zeit. Und bei uns Frauen natürlich auch nicht ohne ellenlange Gespräche mit Freundinnen, Verfluchungen des Ex und dem Blick in die Zukunft. Ich möchte die Zeit nicht missen – ich habe auch so viel über mich selbst gelernt. Ich würde fast behaupten, ich bein ein ganz anderer Mensch mittlerweile geworden. Und das hätte ich nicht erlebt ohne die Trennung. Und das meine ich jetzt positiv :-)

  3. Ein Reisender hat kommentiert:

    Hi! Bermerkenswerter Blog.. hab ein paar Artikel gelesen u Du triffst den Nagel wirklich oft auf den Kopf. Auch gefällt mir die leichte lockere, manchmal fast witzige Art mit der Du ernste Themen verpackst. Liest sich echt gut und ich denke ich werde hier noch öfters vorbeischauen.

    Zu obigem Post hat mir die Stelle mit der „verlorenen Liebe“ aus dem Herzen gesprochen. Ich selbst hab diese Worte schon verwendet. Ich hab es auch oft schon so bezeichnet dass es einem manchmal so vorkommt wie ein langer Kampf der zu Ende geht. Du kommst mit zerfetzten Klamotten und aufgeschirften Knien vom Schlachtfeld und weißt dass Du alles gegeben, es aber trotzdem nicht gereicht hat..

    Ganz herzliche Grüße und mach weiter so (also das Schreiben, nicht das Verlieren :))

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