Kategorie: Allgemein, Brides Beach

„Zwei Männer reden miteinander. Zwei Monate lang. Ehrlich, offen, jeden Tag. Unvorstellbar? Zuerst dachten wir das auch. Aber wir haben dann einfach angefangen. Worüber wir geredet haben? Über alles. Gebrauchsliebe. Sehnsucht. Pornos. Gemüsebeete. Treue. Eitelkeit. Rio de Janeiro. Männer als Ko-Mütter. Einsamkeit. Monogamie. Pärchenzwang. Aspikbäuche. Und darüber, ob zehn Sekunden Glück pro Woche ausreichen für einen Ehemann in Westeuropa.“

Ich mag ja ehrliche Gespräche. Besonders mit Männern. Eigentlich führe ich die natürlich gerne selbst. Aber wenn zwei Männer reden, dann hör ich auch mal gern zu. Aber eigentlich reden sie gar nicht – sie schreiben. Und das in Form von Emails.
Sonst gibt’s keine Kommunikation mehr zwischen den beiden Freunden und Arbeitskollegen Maxim und Jochen. Natürlich ist für jeden was dabei: Maxim ist verheiratet, hat zwei Kinder und fühlt sich in seiner gefühlt Jahrhunderte dauernden Beziehung mit Haus und Garten wohl; Jochen ist Single, springt von einer Blume zur nächsten und genießt neben dem Alleinsein auch das einsame Frühstück auf dem Balkon. Ohne Frau. Ohne Kinder. Aber mit freiem Willen, was als nächstes kommt.

Natürlich sind sie grundverschieden. Sonst würde das wohl auch nicht funktionieren mit den Emails, Fragen und Antworten. Denn sonst wüsste der andere ja direkt, was der eine schreiben würde und die Frage lohnte sich nicht. Aber da sie zwar mal gemeinsam zur Schule gegangen sind und sich dann völlig unterschiedlich ins Leben geworfen haben, ist es dann doch interessant.

Ich könnte jetzt das Buch zusammenfassen, den Klappentext runterbeten oder das Ende verraten. Aber ich entscheide mich lieber dafür, euch das Buch zu empfehlen.

Ich weiß selbst, dass das Leben die besten Geschichten schreibt. Tragödien, Komödien, 5 Akte und Dramaturgie inklusive. Sonst würde ich das Ende anzweifeln. Aber ich glaube es einfach mal so. Jochen lernt nämlich jemanden kennen. Anna (nein, das habe ich mir jetzt nicht ausgedacht). Und Maxim ist gefühlt mehr in Flammen für Anna als Jochen. Denn bei Maxim hat man den Eindruck, er wolle Jochen endlich ins Pärchenland entführen. Weil es dort irgendwie vermeintlich besser wird. Die kleinen Angriffe und Streiterein, wer denn jetzt das bessere Leben fühlt oder welche Sehnsucht vermisst, sind eigentlich ganz nett. Manchmal übertrieben, aber hey, wir reden hier von Männern.

Gefühlsausbrüche gibt es aus diesem Grunde auch nicht. Jochen findet Anna nämlich irgendwie echt gut. Vermutlich mehr, aber das bringt er nicht über die Lippen bzw. die Tastatur. Kann ich nachvollziehen. Auch als Frau.

Sehr sympathisch fand ich seine Ausführungen zum Thema Daten über 30 (er und Maxim liegen ca. zehn Jahre drüber) Langsam, nichts überstürzen. Bitte nicht sofort Sex. Nicht sofort Küssen. Hoffentlich kann er mithalten mit ihr, die ja als Frau doch eher Torschlusspanik bekommt und könnte.

Go with the Flow – mal wieder.

„Die Vielleichtphase wird von vielen Frauen leider unterschätzt. Dabei lieben Männer die Vielleichtphase. Und das Schmachten. Wir brauchen das. Es macht uns angenehm gierig.“
(Jochen)

Ob Jochen und Anna… oder Maxim auf der Suche nach Sehnsüchten. Wer ein Anfang und ein Ende sucht, ist hier falsch. Wir blicken rein in die beiden Herren. Kurz mal für knapp 300 Seiten. Und dann gehen wir wieder mit einem Gefühl von Hach… Stippvisite, nicht ganz unsichtbar, aber wenigstens ein bißchen. Im Prinzip ist es ein Dahinplätschern von Männergedanken mit dramaturgischem Aufbau. Ein positives Dahinplätschern. Die beiden können ja auch schreiben. Sonst würds keinen Spaß machen zu lesen.

Identifizieren kann man sich mit irgendwem immer irgendwie. Auch als Frau. Denn so fremd sind diese Gedanken vom Mars gar nicht.

Und ich habe gern meine Zeit mit Jochen und Maxim verbracht.
…und wer meine Emails lesen will, einfach melden! :-)

The Bride

 

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2 Kommentare to “Sprechen sie schon oder schreiben sie noch? Buchtipp: Sprechende Männer”

  1. MA hat kommentiert:

    Danke für den Tipp, klingt gut.

  2. GeraldF hat kommentiert:

    Habe das Buch mit großem Gewinn gelesen. Das einzige was erstaunt: sie schreiben nichts über die Arbeit. Aber sonst kommt ziemlich viel dran, insbesondere die unterschiedlichen Blickwinkel auf Frauen.
    Kaufenswert.

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